Transsexuelle erklimmt politische Karriereleiter

Transsexuelle erklimmt politische Karriereleiter
Sie wurde als Junge geboren. Doch unter einem Frauennamen startet Bhumika Shrestha eine Politkarriere im kleinen Himalayastaat Nepal. Sie ist transsexuell und kämpft für die Rechte dieser Minderheit.

Bhumika Shrestha trägt auch mal bauchfrei. Sie ist 23, schlank, dunkelhaarig und eine der jüngsten Vertreterinnen in der Generalversammlung von Nepals Kongresspartei. Aber nicht nur das: sie ist vor allem die erste Transsexuelle, die jemals in die Versammlung gewählt wurde.

"Ich habe als Kind nicht davon geträumt, mal Politiker zu werden", sagt Bhumika, schlägt ganz kokett ihre Augenlider nieder und lächelt. Auf die Welt gekommen ist als Junge namens Kailash in einem kleinen Dorf nahe der Hauptstadt Kathmandu. "Ich habe eigentlich geträumt, Tänzer zu werden, als ich klein war", sagt sie.

Mit ihrer Ausstrahlung und ihrem politischen Geschick hat sie mehr als 50 Gegenkandidaten aus dem Feld geschlagen - viele von ihnen sind weit länger in der Politik als sie. Und so ist sie nun eine kleine Attraktion in Nepal.

Als Aktivistin hat Bhumika schon seit längerem landesweit für Aufsehen gesorgt. In der "Blue Diamond Society" kämpfte sie für die Rechte des sogenannten dritten Geschlechts. Die 23-Jährige selbst hat ihres bereits in ihrer Jugend entdeckt - als sie merkte, dass sie anders ist. Und auch die Nachbarschaft davon Notiz nahm.

Es fiel dem kleinen Kailash schon immer leicht, Szenen aus Bollywood-Filmen nachzutanzen. In der Schule bot sich der Junge immer an, als Mädchen zu tanzen - aber die Lehrer hatten auch keine Erklärung dafür, warum er sich dauernd die Kleidung seiner Mutter auslieh - und sich auch gerne mit ihrem Lippenstift und ihrem Make-Up schminkte.

"Ich wollte mich wie eine Frau anziehen, konnte es aber nicht. Ich bin immer mit der Angst zur Schule gegangen, dass mich die Leute als Hijra oder Chakka anreden", sagt Bhumika. Die Wörter meinen Eunuch oder Zwitter. Im Jahr 2003 kam die Namensänderung. Aus Kailash wurde Bhumika.

Ihre Arbeit als Aktivistin führte dazu, dass sie ihren Traum der Tänzerinnenkarriere fallen ließ. Parteikollegen sagen ihr bereits eine erfolgreiche Politkarriere voraus. Doch einige Hürden stehen ihr wohl noch bevor - einige ihrer Konkurrenten um den Sitz in der Kongresspartei-Generalversammlung kritisierten, es wäre doch wohl besser, einen Mann, und nicht jemanden "ohne Geschlecht" zu wählen.

Bhumika nimmt ihre Rolle ernst - und will sich für das "dritte Geschlecht" einsetzen. Allerdings muss sie wohl ihren Kleidungsstil ändern, schätzt sie. Mit glitzernden, bunten Kleidern und ihrem Tanzstil trat sie vor vier Jahren noch als "Miss Pink" bei einer Parade der Transsexuellen in Nepal auf. Nun hat sie ihr extravagantes Dress gegen die traditionellen Sari für Frauen eingetauscht.

dpa