Leinen los! Aber nicht ohne Ehrenamt

Leinen los! Aber nicht ohne Ehrenamt
Freitag abend, 20.30 Uhr. Vor der großen Bühne auf dem Jugendzeltplatz in Almke haben sich knapp 5.000 junge Menschen versammelt, um gemeinsam noch ein letztes Mal zu feiern. Es ist der letzte Abend von "Leinen los! Auf zu neuen Abenteuern", dem 8. Bundeslager des Verbandes Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP), der Abschluss eines gigantischen Projektes, das ohne Ehrenamt nicht einmal ansatzweise denkbar wäre.

Die Moderatoren kommen auf die Bühne, der Regisseur steht am Bühnenrand, um den städtischen Direktor der Stadt Wolfsburg und den Bundesvorsitzenden des VCP auf die Bühne zu schicken. Es ist der Moment, in dem die Anspannung der vergangenen zwei Wochen von mir abfällt und ich anfange, den Abend zu genießen: Denn das Bundeslager geht erfolgreich zu Ende.

Vor genau zwölf Tagen stand ich schon einmal auf diesem Platz. Von dem Lager, das am 29. Juli begann, war damals noch nichts zu sehen, die Bühne stand zur Hälfte nur, und von der großen Schar Pfadfinderinnen und Pfadfinder, die Almke bevölkern würden, war noch keine Spur zu sehen. Unter der Erde lagen schon die Leitungen, und nur der zentrale Zeltbau des Lagers stand schon, das Forschungsschiff "Nesaja", gebaut aus schwarzen Jurten mit Masten und Seilen, und lieferte einen Vorgeschmack auf das kommende Lagerleben.

Zeltlager allein ist noch kein Programm

"Referatsleitung Programm", das war meine banal klingende Aufgabenbeschreibung, als vor anderthalb Jahren die Vorarbeiten für das Bundeslager begannen. Die Aufgabe dahinter war aber keineswegs banal. So ist es eben im Ehrenamt: Man weiß nie so genau, was einen eigentlich erwartet. Denn Programmangebote für über 4.000 Kinder und Jugendliche zu koordinieren, ist kein Pappenstiel. Zum ersten Mal hat der VCP dafür ein neues Buchungssystem genutzt, mit dem die Teilnehmenden vorher schon auswählen konnten, welche Werkstätten, Hajks (Wanderungen) und Exkursionen sie auf dem Lager machen wollten.

Aber damit war es nicht getan. Denn Zeltlager allein ist noch kein Programm. Das Thema des Lagers – Nachhaltigkeit – sollte transportiert werden, pfadfinderische Inhalte von den klassischen Lagertechniken bis zu Diskussionen über erneuerbare Energien und mit der Bahn mussten auf dem Lager präsent sein. So ein Programm für fast 4.000 Kinder und Jugendliche zwischen neun und 15 Jahren an jedem der sechs Programmtage zweimal anzubieten geht nicht ohne ganz viel Hilfe – Hilfe, die vor allem von den Gruppenleitern der einzelnen Stämme kam.

Über 14.400 Werkstattplätze gab es auf dem Bundeslager, die Mehrheit davon wurde von den Gruppen- und Stammesleitungen selbst bereitgestellt. Wo sonst gibt es diese Bereitschaft, zehn Tage lang mit den Gruppenkindern aus dem eigenen Ort wegzufahren, für den Aufbau ihrer Zelte zu sorgen, das Kochen zu koordinieren, für ihre Sorgen und Nöte da zu sein und dann noch ein Programmangebot für Kinder aus dem ganzen Lager anzubieten? Was auf dem Bundeslager an Arbeitsstunden, an Aufwand und Verantwortung aufgeboten wurde, war unschlagbar – und wäre ohne Ehrenamt unbezahlbar.

Vom Innenminister bis zum Mond über der Zeltstadt

Jeder der knapp 5.000 Pfadfinderinnen und Pfadfinder, die als Teilnehmende oder Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zwei Wochen auf dem Jugendzeltplatz Almke verbracht haben, bringt seine eigene Geschichte mit. Jeder hat seine eigenen Erinnerungen, jeder weiß, was ihm an diesem Großlager besonders gefallen hat. Der Aufbau-Donnerstag zum Beispiel, an dem in zwölf Stunden eine gigantische schwarze Zeltstadt scheinbar aus dem Boden wuchs. Oder der Regentag (ohne den ein Pfadfinderlager nie komplett ist), an dem sich Badewannen voll Wasser auf dem Zeltdach der Bühne sammelten.

Die Videobotschaft des Schirmherren Klaus Töpfer, die Debatte mit Vertretern der Bahn über die Fahrkarten-Preise, der Besuch des Innenministers Thomas de Maiziere, die vielen Kinder, die täglich zu uns an den Programmtresen kamen, um ihre Neugier auf Werkstätten zu erfüllen, oder der nächtliche Mondschein über der beleuchteten Nesaja – Erinnerungen gibt es viele.

Das nachhaltige Bundeslager des VCP hat jedenfalls einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen, auch in der Region Wolfsburg, aus der die allermeisten der Lebensmittel für das Lager saisonal und frisch angeliefert wurden. Für uns ehrenamtliche Mitarbeiter, in den Teillagern, in der Technik, in der Verpflegung, im Programm, waren es anstrengende Wochen. Aber dafür, fast 4.000 Kinder und Jugendliche nach zehn Tagen glücklich und motiviert nach Hause fahren zu sehen, war es das wert. Man verdient zwar nichts mit der Arbeit auf so einem Bundeslager, aber umsonst ist sie auf keinen Fall.

Und damit man sich das besser vorstellen kann, einfach auf dieses Bild klicken und genießen:

Panorama-Überblick über das VCP-Bundeslager


 

Hanno Terbuyken ist Redakteur bei evangelisch.de, zuständig für die Ressorts Gesellschaft und Umwelt + Wissen, und seit 18 Jahren Pfadfinder aus Leidenschaft.