Filmtipps: Diese Woche neu im Kino

Filmtipps: Diese Woche neu im Kino
Die Redaktion von "epd film" hat die Filme der Woche ausgesucht. Dazu zählen "Mother", Film des Monat der epd-Jury, sowie "Me Too", ein Film über einen Akademiker mit Downsyndrom.

Mother (Südkorea 2009)

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Der Titel ist Programm: Im neuen Film des koreanischen Regisseurs Bong Joon-ho steht eine Mutter im Mittelpunkt, die wie eine besitzergreifende Glucke ihren geistig etwas zurück gebliebenen erwachsenen Sohn behütet. Als er eines Tages beschuldigt wird, ein Mädchen ermordet zu haben und auch gleich ein Geständnis ablegt, versucht sie mit allen Mitteln, seine Unschuld zu beweisen. Diese Prämisse macht „Mother“ zur Hitchcockvariation, und der Film erweckt auch für eine Weile den Anschein, als wolle er den Regeln des Murder Mystery folgen. Doch je weiter die Mutter mit ihren Recherchen vorankommt, desto mysteriöser und scheinbar zielloser wird die Handlung. Bong baut Schlenker und Umwege ein und öffnet einen Pfad in die Vergangenheit. Was ganz einfach begann, wächst sich immer mehr zu einem surreal angehauchten Crime-Drama mit Parallelen zu David Lynch aus – ein origineller und intelligenter Genremix.

R: Bong Joon-ho. B: Park Eun-kyo, Bong Joon-ho. Mit Kim Hye-ja, Won Bin, Gu Jin, Yoon Jae-Moon, Jun Mi-sun. 129 Min. FSL: 12, ff. Film des Monats der Jury der Ev. Filmarbeit.

Me Too (Spanien 2009)

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Was ist Normalität? So lautet die Frage dieses spanischen Films, der seine Zuschauer mit komödienhaftem Charme erobert, doch stets ernste Hintergedanken verfolgt. Dafür sorgt schon die Hauptfigur Daniel, der tatsächlich als der erste Akademiker mit Downsyndrom europaweit Aufsehen erregte. Als der Außenseiter Daniel auf seiner ersten Arbeitsstelle die aufregende Blondine Laura (Lola Dueñas) trifft, ist er sofort verliebt. Die in Wirklichkeit instabile, etwas verwahrloste, liebesunfähige junge Frau hat jedoch der ganz normale Wahnsinn einer bürgerlichen Familie aus der Bahn geworfen. Sie sind beide Außenseiter und doch trennen sie Welten. Immer wieder lotet der Film die Grenzen aus, die von der Instanz Gesellschaft mit ihren normativen und weitgehend von uns verinnerlichten Regeln gezogen werden. Jeder muss sein eigenes Leben jenseits der gesellschaftlichen Normen finden, auf seine Art erwachsen werden – so in etwa lautet die Botschaft des Films.

Regie: Álvaro Pastor, Antonio Naharro. Mit Lola Dueñas, Pablo Pineda, Antonio Naharro, Isabel García Lorca, Pedro Àlvarez Ossoria. 103 Min. FSK: o. Al., ff.

 

Themba (Deutschland/Südarfrika 2010)

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Liebevoll behütet von seiner Mutter, lebt der elfjährige Themba mit seiner kleinen Schwester Nomtha im Ostkap. In die vaterlose Familie schleicht sich der vermeintliche Onkel Luthando ein. Themba gründet eine erfolgreiche Jugendmannschaft, die »Lion Strikers«, und seine Talente fallen John Jacobs (dargestellt von Ex-Nationaltorhüter Jens Lehmann), dem Trainer von Ajax Kapstadt, auf. Als die Mutter ihren Job verliert und in Kapstadt den Lebensunterhalt für die Familie verdienen muss, sind die Kinder dem stets betrunkenen Luthando ausgeliefert. Themba kann verhindern, dass Luthando sich an seiner kleinen Schwester vergeht, wird aber selbst von ihm vergewaltigt. Die beiden Kinder fliehen nach Kapstadt und finden ihre an Aids erkrankte Mutter. Alles scheint sich zu wenden, als sich deren Zustand verbessert und Themba ins Nationalteam berufen wird. THEMBA ist – vor allem dank der souverän agierenden jungen Darsteller – in seinen besten Teilen eine gelungene Coming-of-Age-Story. Aber die in Pretoria geborene regisseurin schneidet sehr viele Theman auf einmal an – was mitunter zu Lasten der dramaturgischen Stimmigkeit geht.

Regie und Buch: Stefanie Sycholt. Mit Jens Lehmann, Junior Singo, Patrick Mofokeng, Emmanuel Soquinase. 109 Min.

Eine Karte der Klänge von Tokio (Spanien 2009)

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Während eine Gruppe Geschäftsmänner Sushi von nackten Frauenkörpern pult, erfährt der mächtige Mr, Nagara vom Tod seiner Tochter. Für den Tod macht der erschütterte Japaner den Spanier David (Sergi Lopez) verantwortlich, der Wein an japanische Kenner verkauft und nun um seine labile, junge Geliebte trauert. Einer von Nagaras Männern heuert die mysteriöse Ryu an, um David zu ermorden. Ryu lebt ein Leben zwischen stoisch absolvierten Arbeits¬tagen und einsamen Nächten und verdient sich als Auftragskillerin ein paar Yen dazu. David und Ryu beginnen eine Affäre. Doch die Wärme, die ihnen gegen ihren Willen unterläuft, dringt nicht bis in ihre vereisten Seelen. Leider vertraut die spanische Regisseurn Isabel Coixet der leisen Chronik eines Liebesirrtums nicht, sondern reichert sie mit Elementen des überstrapazierten Auftragskiller-Genres an – was zu einer immer mehr vorhersehbaren Story führt.

Regie und Buch: Isabel Coixet. Mit Rinko Kikuchi, Sergi López, Min Tanaka, Manabu Shio, Takeo Nakahar, Hideo Sakaki. 109 Min. FSK: 16, ff.

epd