Lena gewinnt den Eurovision Song Contest

Lena gewinnt den Eurovision Song Contest
Wunder gibt es immer wieder! 28 Jahre nach dem Sieg von Nicole ("Ein bisschen Frieden") hat Deutschland erstmals wieder den Eurovision Song Contest gewonnen. Mit ihrem Titel "Satellite" platzierte sie sich Lena schließlich vor "maNga" aus der Türkei und dem rumänischen Duo "Paula & Ovi". Sie ist damit nicht nur "Unser Star für Oslo", sondern ein wahrer Superstar.
29.05.2010
Von Henrik Schmitz

Es war ein leichter, ein beinahe unscheinbarer Auftritt, der Lena zum Sieg trug. Im kleinen Schwarzen hüpfte sie im "Lena-Stil" über die Bühne, hielt sich dann und wann den Bauch, als täte der noch ganz weh vor Aufregung, und trällerte ihr fröhliches "Satellite". Irgendwie war Lenas Sieg dann doch Beitrag zur Krise. Wenig Schnickschnack, keine Blendgranaten, keine oberflächliche Effekthascherei, keine Dita von Teese im Hintergrund wie im vergangenen Jahr. Lena Pur, das war das Erfolgsrezept.

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Ganz anders waren die Auftritte aus anderen Nationen, die auf Bombast und Pyrotechnik bauten. Die Rumänen etwa setzten bei ihrem Auftritt ein Klavier aus Plexiglas in Brand, Armenien fuhr einen zwei Meter großen Aprikosenstein auf die Bühne, der von einem Ausdruckstänzer und einer Wuchtbrumme gewässert wurde, so dass schließlich ein Bäumchen aus ihm spross. Und Moldawien versuchte es nicht nur mit reichlich Schminke, sondern auch wildem Breaktanz und Geige und Saxophon aus Plastik. Grell und bunt war auch der Serbe Milan Stankovic, der mit viel Schminke im Gesicht und einer abenteuerlichen Frisur so aussah, wie ein hochblondiertes Playmobilmännchen. Sollte es mit der Musik nicht mehr klappen, könnte Stankovic mit seinem ebenso hochgebleichten Gebiss immerhin noch Werbung für Zahnpasta machen.

Marketing hinter den Kulissen

Lena setzte hingegen auf das Marketing hinter den Kulissen. Die ganze Woche über hatte sie noch kräftig die PR-Trommel gerührt. Mit Pressevertretern aus verschiedenen Ländern segelte sie durch Norwegens Fjorde, schüttelte dem Botschafter bei einem Empfang die Hand, gab Interviews am laufenden Band und tauchte immer wieder bei ihrem Entdecker Stefan Raab in der Sendung "TV Total" auf. Ansonsten aber wurde sie stark abgeschirmt. Als einzige Delegation hatten sich die Deutschen nicht im offiziellen Grand-Prix-Hotel eingebucht, um wenigstens zwischendurch etwas Ruhe zu finden. Was vor wenigen Tagen noch als deutsche Arroganz kritisiert wurde, hat sich nun ausgezahlt. Die deutschen Fans lagen sich schon bei der Punktevergabe jubelnd in den Armen und machten - ganz deutsch - eine Polonäse durch die Telenorarena in Oslo. "Unglaublich" war auch der Kommentar der NDR-Pressesprecherin, die ihr Glück gar nicht fassen konnte.

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Es war nicht nur für Deutschland, sondern insgesamt ein toller Grand Prix in Oslo. Die Moderatoren Haddy Jatou N'Jie, Erik Solbakken und Nadia Hasnaoui schlugen eher ruhige Töne an, waren sich aber für kleine Scherze nicht zu schade, etwa wenn sie vor den Augen der isländischen Interpretin Hera Björk einen Vulkan mit den Worten abfackelten "Da fühlst Du dich sicher wie zuhause, Hera!". Die Show selbst war, abgesehen von den wilden Auftritten etwa auch aus der Türkei, eher ruhig und emotional. Da wurden Erinnerungen an alte Zeiten geweckt, indem Titel aus vergangenen Jahren gespielt wurden und fiedelte Alexander Rybak zu Beginn der Show eine neue, zu Beginn ruhige Version seines Siegertitels "Fairy Tale" aus dem vergangenen Jahr. Aber auch die Stimmung kam nicht zu kurz, etwa als das Publikum in der Halle einen zuvor eingeübten Tanz absolvierte und damit beste Flash-Mob-Qualitäten bewies.

Folklore und Balladen

Auch die musikalische Mischung stimmte. Folklore lieferten etwa Serbien mit "Ove Je Balkan" oder Griechenland mit "Opa" ab und sorgten damit beim Publikum in der Halle für kräftig Stimmung. Klassischer Grand-Prix-Pop kam aus Dänemark und Island, ruhige Balladen lieferten Irland und Israel. Und auch westlicher Pop à la James Blunt hielt mit dem Belgier Tom Dice Einzug, der mit "Me and My Guitar" vor allem weibliche Fans rührte und entsprechend gut abschnitt.

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Über all dem schwebte Lena - und Stefan Raab und der Norddeutsche Rundfunk schwebten gleich mit. Die Kooperation des öffentlich-rechtlichen Senders mit der privaten Konkurrenz von ProSieben war auch kritisiert worden. Nun hat sie sich als goldrichtig erwiesen. Der deutsche Grand-Prix steckte nach dem vergangenen Jahr in der Krise. Nun ist er wieder ganz oben. Das macht irgendwie auch Hoffnung.

"This is not real", sagte Lena am Ende nur noch. Morgen wird sie gegen 15 Uhr in Hannover landen, dort ist ein Empfang im Rathaus geplant, zu dem alle Fans eingeladen sind.

Mehr Informationen zum Grand Prix finden Sie auch in unserem Blog.


Henrik Schmitz ist Redakteur bei evangelisch.de.