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Die große Inszenierung: Christi Himmelfahrt in der Kunst

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Die große Inszenierung: Christi Himmelfahrt in der Kunst
Christi Gang zum Himmel

Foto: Andreas Praefcke/Wikimedia Commons

Christi Gang zum Himmel

Foto: Andreas Praefcke/Wikimedia Commons

Die Begebenheiten rund um die Himmelfahrt Christi beschreiben die beiden Evangelisten Markus (Mk 16,19) und Lukas (Lk 24,50-52; Apg 1, 9-12), allerdings, wie so oft, mit kleinen Variationen im Detail. Diese beflügelten die Fantasie von Handwerkern und Künstlern, so dass ganz unterschiedliche bildliche Umsetzungen des Themas im Laufe der Jahrhunderte entstanden. Der Schnitzer einer der frühesten Darstellungen des Themas, der sog. "Reiderschen Tafel", eines bereits um 400 nach Christus entstandenen Elfenbeinreliefs im Bayerischen Nationalmuseum in München, stellte sich vor, dass Christus sich selbst gen Himmel aufgemacht habe. Die Szenerie verbindet das Zusammentreffen der drei Marien mit dem Engel am leeren Grab am Ostermorgen unten mit der Wiedergabe des Gottessohnes, der einen Berghang zum Himmel hinauf erklimmt und die aus den Wolken gereichte Hand Gottes ergreift. Die Körpersprache der beiden anwesenden Jünger unter ihm verrät Überraschung und Überwältigung.

Thronend auf dem Regenbogen

Foto: Fingalo/CC BY-SA 2.0/Wikimedia Commons

Häufiger jedoch wurde die Version ins Bild gesetzt, die besonders das Markus-Evangelium (Mk 16,19: "Nachdem der Herr Jesus mit ihnen geredet hatte, wurde er aufgehoben gen Himmel und setzte sich zur Rechten Gottes.") und die Apostelgeschichte des Lukas nahelegen (Apg 1,9-12). Besonders beliebt war und ist sie im Bereich der orthodoxen Kirchen des Ostens. Die ausführenden Handwerker des Kuppelmosaiks der Sophienkirche von Thessaloniki, 9. Jahrhundert, schufen einen im Beisein der Apostel und Mariens von Engeln in einer Aureole in den Himmel getragenen Christus. Er thront auf einem Regenbogen und segnet mit der Rechten die im Bild Anwesenden, aber auch die Betrachter des Mosaiks. Neben der betenden Muttergottes wenden sich zwei Engel an die Apostel. Eine griechische Inschrift bietet den Text von Apostelgeschichte 1,10-11, der Grundlage des Bildentwurfs: "Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen."

Aufregung und Bewegung

Foto: Landesmuseum Württemberg, Stuttgart/ P. Frankenstein/H. Zwietsch/CC BY-SA

Eine Darstellung dieser Art, wie sie auch der Deckel eines kleinen Reliquienkästchens aus Elfenbein im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart aus dem 10. Jahrhundert zeigt, entwickelt sich im Einflussbereich der orthodoxen Kirchen zum gängigen Modell, wird aber auch im westlichen Mittelalter umgesetzt. So klein das Kästchen auch sein mag (16,5 cm x 9 cm), machte man sich dennoch die Mühe, die Aufregung der Jünger in möglichst vielen Körperhaltungen zu zeigen.

Immer einer zuviel?

Foto: akg-images/De Agostini Picture Lib./G. Dagli Orti

Doch auch im Westen schätzte man die Vorstellung des majestätisch gen Himmel getragenen Gottessohnes. Der Renaissance-Maler Perugino inszenierte dies um 1495-1500 für ein Altargemälde, heute im Musée des Beaux-Arts, Lyon, mit diversen Gruppen von teilweise auch musizierenden Engeln als überwältigendes Gesamtschauspiel. Ist es Ihnen aufgefallen? In beinahe allen Darstellungen ist eine Person dabei, die der Erzählung der Apostelgeschichte nach zum Zeitpunkt der Himmelfahrt noch gar nicht zu den Anhängern Jesu zählte: Paulus, zumeist mit dunklem Spitzbart und Schwert, der zu diesem Zeitpunkt eigentlich noch als Saulus, Sohn aus vornehmer Familie, als Pharisäer in Jerusalem lebte und auf die Christen nicht gerade gut zu sprechen war. Die Vervollständigung der "kanonischen" Gruppe der Apostel war hier vermutlich für die Künstler wichtiger als die Logik der Texte.

Wie die Kaiser: auf in neue Gefielde

Foto: akg-images/Album/E. Viader/Prisma

In seiner würdevollen Anmutung knüpft das Bild des von Engeln zum Himmel getragenen Christus an Darstellungen der Vergöttlichung verstorbener römischer Kaiser und ihrer Angehöriger an, ihrer Aufnahme in den römischen Götterhimmel (Apotheose). Hier wird das Kaiserpaar Antoninus Pius (gestorben 161 nach Christus) und Faustina von einer geflügelten Personifikation der Ewigkeit und begleitet von Adlern in neue Sphären entrückt.

Wolkig unterwegs

Foto: Giotto di Bondone/Wikimedia Commons

Giotto ergänzte in seinem Fresko für die "Arena-Kapelle" der Familie Scrovegni in Padua, Italien, in den Jahren um 1305 das für die Textversion der Apostelgeschichte wichtige Element der Wolke. Selten war das Firmament einer Himmelfahrtsszene von einem so reinen Blau wie in den Malereien des Florentiners.

Christus springt

Foto: bpk / Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst, SMB/Jörg P. Anders

Die verschiedenen Angaben der Evangelien und die unterschiedlichen Bildtraditionen, die sich daraus entwickelt haben, führten auch zu teilweise etwas kuriosen Entwürfen. Vielleicht unschlüssig, ob Christus sich nun selbst gen Himmel aufmachte oder aber getragen und entrückt wurde, lässt der Schnitzer dieses um 1100 entstandenen Elfenbeindeckels die Sache offen. Von Engeln in einer mandelförmigen Aureole (Mandorla) umfangen, "springt" Christus gleichsam der sich zu ihm herunterstreckenden Hand Gottes entgegen.

Abgehoben und doch noch da

Foto: Albrecht Dürer/National Gallery of Art Washington/Wikimedia Commons

Die spätmittelalterliche Frömmigkeit lenkte die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche. Haben Sie die Fußabdrücke bemerkt, die in Albrecht Dürers Himmelfahrt Christi in seiner "Kleinen Passion" von 1509-1511 auf dem Berg zurückbleiben? Sie werden durch die Köpfe der Apostel und Mariens umrahmt, damit fast stärker in das Zentrum gerückt als der nach oben entschwindende Gottessohn, von dem nur der Anblick der Füße bleibt. Falls Sie sich das fragen: Abgeschnitten wurde an diesem Bild nichts.

Loch im barocken Ambiente der Pfarrkirche Sankt Peter und Paul in Söll (Tirol).

Foto: Wolfgang Sauber/CC BY-SA 3.0/Wikimedia Commons

Einen vergleichbaren optischen Eindruck müssen auch die Zuschauer in den seit dem Mittelalter an hohen kirchlichen Feiertagen an bestimmten Orten in der Kirche abgehaltenen "geistlichen Schauspielen" gehabt haben. An Christi Himmelfahrt zum Beispiel wurden hierbei an Seilen befestigte Christusfiguren durch Löcher im Scheitelpunkt des Gewölbes nach oben gezogen. Diese fuhren damit gleichsam vor den Augen der Zuschauer in den Himmel auf und ließen damit für das Publikum die Ereignisse lebendig werden. Unser Beispiel zeigt ein solches Loch im barocken Ambiente der Pfarrkirche Sankt Peter und Paul in Söll (Tirol). Christi Füße und Fußabdrücke waren in jedem Fall entscheidend, denn …

Der Ort macht es: Die Himmelfahrtskapelle

Foto: epd-bild/Norbert Neetz

... der Ort auf dem Jerusalemer Ölberg, an dem man das Ereignis der Himmelfahrt Christi vermutete, wurde bereits seit der Spätantike von gläubigen Christen verehrt und war ein echtes Pilgerziel. In der Zeit der Kreuzfahrerherrschaft über Jerusalem errichtete man dann im zwölften Jahrhundert eine neue kleine Kapelle mit aufwändigem Bauschmuck über dem Ort. Der Bau hat mit kleinen Veränderungen bis heute überdauert. …

Verehrter Fuß

Foto: epd-bild/Norbert Neetz

... Darin wird auch heute noch ein besonders eingerahmter Stein verehrt, in dem man einen verbliebenen Abdruck der Füße Christi, hinterlassen im Augenblick der Himmelfahrt, zu erkennen glaubt.

Ganz großes Kino

Foto: Rembrandt/www.uni-leipzig.de/Wikimedia Commons

Das was zum Maßstab barocker Inszenierung der Himmelfahrt Christi werden soll, zeigt bereits Rembrandt in seinem Altarbild von 1636, heute in der Alten Pinakothek in München. Den in Überraschung, Anbetung und vor allem im Dunklen zurückbleibenden Jüngern geht es dabei ähnlich wie dem Betrachter des Altars. Sie können nur staunend verharren vor dieser Inszenierung aus Licht und Farbe. Putten stützen die Wolke, auf welcher der nach oben blickende Gottessohn, schon nicht mehr Teil des Irdischen, zur Taube des Heiligen Geistes hin entschwebt. Nicht nur für die Menschen des 17. Jahrhunderts war das ganz großes Kino.

Mal war es der letzte Gang des Gottessohnes, mal ein majestätisches Entschweben. Welchen Weg Christus in den Himmel nahm, darüber machte man sich in der christlichen Kunst viele verschiedene Vorstellungen. Welche Bilder dabei entstanden, zeigt Kunsthistoriker Sebastian Watta.

Dieser Beitrag erschien erstmals am 5. Mai 2016 auf evangelisch.de