Advent ist im Dezember!

Advent ist im Dezember!

Ich werde mich nie dran gewöhnen dass Ende September schon Spekulatius, Dominosteine und andere Weihnachstspezereien in den Läden zum wohlfeilem Verkauf dargeboten werden. Manche freuen sich schon richtig drauf, ich habe allerdings Probleme damit. Mit diesen Süßigkeiten verbinde ich eine ganz besondere Stimmung, eine, in der Winter, Schnee, Frost, Kälte und Vorfreude eine Rolle spielen. Und wenn man sich das Wetter jetzt anschaut ist das ja alles, aber nicht das, was im tiefsten Dezember zu erwarten ist.

Da es bei Facebook eine Gruppe gibt, die dazu aufruft sich allen weihnachtlichen Konsums zu enthalten bis es Dezember ist bin ich ja wohl nicht der Einzige, der das Gedönse als unpassend empfindet. Den Vogel abgeschossen hat aber jetzt der in Duisburg nicht unbekannte Knüllermarkt. Knüllermarkt - wie erkläre ich das denjenigen, die das Geschäft nicht kennen?

Hmm, stellen Sie, werter Leser, sich doch einfach ein großes Kaufhaus voller Dekoartikel vor. Und wenn ich Dekoartikel schreibe meine ich eigentlich Kitsch. Kitsch der übelsten Sorte. Ja, man kann da auch andere Dinge kaufen, die sicherlich dem Haus Geschmack verleihen - begegnet bin ich denen aber nie. Frauen besonders können ganze Tag in diesem Labyrinth aus Engelkerzenständern, Bastelpapier, geringeltem Geschenkpapier und Gänsehirtinnen-mit-Gans-Figuren verbringen. Ja, es ist schlimm. Also jedenfalls für Männer mit Geschmack zu denen ich mich - hüstel - doch zähle.

Noch schlimmer aber dann dies:

Ja, ich musste auch zweimal hingucken. Das ist ein Nikolaus oder Weihnachtsmann auf Stelzen, der gerade lustig Werbeartikel für den Laden verteilt. Raten Sie doch mal lieber Leser was das für Dinger sind? Na? Nein, es sind nicht irgendwelche schicken Tannenbaum-Ohrringe oder mundgeklöppelte Deckchen - es sind rote Nikolausmützen. Mitten im September, beim Termin des traditionellen Weinfestes schickt der Knüllermarkt in Duisburg tatsächlich arme Studenten, ausgepowerte Renter oder unwillige Eurojobber los um darauf aufmerksam zu machen, dass - halten Sie sich fest - der Knüllermarkt JETZT GANZ FIES TOLL WEIHNACHTSARTIKEL IM SORTIMENT HAT.

Sind Sie platt? Ich auch. Dass der Konsum allmählich das Fest erobert, daran hat man sich gewöhnt. Solche Werbeaktionen aber verraten weder Respekt vor dem Ereignis selbst noch vor denen, die das Fest feiern. Also mehr oder weniger uns Christen. Und zwar alle. Aber vermutlich muss man jetzt nach der Krise nochmal die Geschäfte ankurbeln. Und ich bin mir sicher, irgendwo ganz im hintersten Eckchen des Ladens steht schon der nächste Osterhase parat.

weitere Blogs

Beten hilft. Was für ein lapidarer Satz von einer, die glaubt. Wie arrogant er daherkommt! Wie überheblich. Wie muss er erst Leuten erscheinen, die nicht glauben?
Auch der Terrorist von Halle hat seinen Angriff auf die Synagoge live gestreamt. Es sind die neuen Bekennerschreiben - und wirksam verhindern lassen sie sich nicht.
Zaun mit Kreuz
M. war reformierter Pfarrer in Ungarn, und er ist schwul. Beides zugleich durfte er nicht sein. Also hat er seinen Beruf als Pfarrer aufgegeben. In diesem Interview erzählt er seine Geschichte.
... bleibt ein spannendes Echtzeit-Experiment: weil völlig unklar ist, was daraus wird. Die letzte Medienkolumne auf evangelisch.de.