Im Zweifel für den Angeklagten

Im Zweifel für den Angeklagten

Wir Hobbygärtner sind ja ein recht heterogenes Volk. Der eine mag gerne grade Linien und ein formales Design, dem anderen kann es nicht verwinkelt und wild genug sein. Die eine liebt kräftige Blütenfarben, die andere bepflanzt das Beet in Pastellfarben. Doch eine Aussage ist wohl bei allen gleichermaßen unumstritten: Schnecken sind des Teufels.

Doch auch wenn alle um mich herum jammern und fluchen und behaupten, dass es in diesem regenreichen Gartensommer so viele Schnecken wie noch nie gäbe und deshalb keine Pflanze mehr gedeihen könne, möchte ich heute mal den Advocatus Diaboli spielen, also den Anwalt des Teufels. Denn, wie meist im Leben, und erst recht in der Natur, ist die Sache etwas komplizierter, als sie auf den ersten Blick scheint.

Apropos Blick: Genau hinzusehen lohnt sich auch bei den Dingen, von denen man meint, alles zu wissen. Zum Beispiel bei den Nacktschnecken. Ehrlich, nicht alle der kriechenden Schleimer sind ein Feind der Hobbygärtnerei. Manche von ihnen helfen uns sogar bei unseren Bemühungen um üppiges Grün.

Der Tigerschnegel zum Beispiel. Der im Englischen übrigens leopard slug heißt, also Leopardenschnecke. Was ein Hinweis darauf ist, dass der Schnegel in verschiedenen „Verkleidungen“ auftreten kann – gestreift wie ein Tiger oder gepunktet wie ein Leopard. Aber egal, welcher Raubkatze er nacheifert, in jedem Fall benimmt er sich wie eine solche: Tigerschnegel fressen nämlich mitnichten unsere Primeln, sondern… andere Nacktschnecken! Sogar solche, die genauso groß sind wie er selbst. Und deren Gelege.

Wer nur flüchtig hinschaut, könnte den Tigerschnegel für eine ganz normale Nacktschnecke, also einen Gegner halten. Wer einen zweiten Blick riskiert, entdeckt vielleicht einen Verbündeten. Wie bei uns Menschen eben.

Schnecken und ihre Bekämpfung:

  • Ich will natürlich nicht in Abrede stellen, dass Schnecken beträchtlichen Schaden anrichten können im Garten. Worauf ich hinaus will ist, dass Schnecke nicht gleich Schnecke ist. Z.B. sind die meisten Gehäuseschnecken weit weniger zerstörerisch, als wir das denken, weil sie sich vorwiegend von totem Pflanzenmaterial ernähren, also eine wichtige Rolle im Ökosystem spielen.
  • Verzichtet werden sollte deshalb auf jeden Fall auf Schneckenkorn, denn das unterscheidet nicht zwischen „bösen“ und „guten“ Schnecken. Außerdem ist es für Vögel wie Igel giftig, auch wenn auf der Packung das Gegenteil behauptet wird. Auch wenn sie das Schneckenkorn nicht direkt zu sich nehmen, fressen sie die vergifteten Schnecken und gehen daran zugrunde.
  • Lieber sollte man natürliche Feinde ermuntern, in den Garten zu kommen: Igel, Frösche, Vögel, sie alle nehmen sich der Weichtiere an, wenn sie im Garten einen Lebensraum finden und sich wohlfühlen.
  • Wenn es gar zu doll wird mit den Schnecken, kann man sie bei Nacht absammeln und (mindestens 50 Meter vom Grundstück entfernt) aussetzen.
  • Außerdem gibt es eine große Zahl von Blühpflanzen, die recht schneckenresistent sind. Grundsätzlich gilt: Pflanzen, die behaart oder mit einem Flaum überzogen sind, die ledrige Blätter haben oder ätherische Öle, sind bei Schnecken wenig beliebt.
  • Hier einige Vorschläge (die allesamt auch anderen Tieren wie Bienen, Hummeln, Schmetterlingen oder Vögeln zugute kommen): Christrosen, Eisenhut, Akelei, Rote Spornblume, Rosen, Prachtspieren, Geranien, Storchenschnäbel, Disteln, Anemonen, Veronica, Ysop, Witwenblumen, Mohn, Fetthennen, Penstemon, Fingerhut, Präriemalve…

weitere Blogs

Das Michaeliskloster Hildesheim sendet einen ganz besonderen musikalischen Pfingstgruß
Heterosexualität ist heilbar! Diese Aussage ist selbstverständlich Unsinn, denn da gibt es nichts zu heilen. Das gilt genauso für Homo- und Bisexualität, sowie Transgeschlechtlichkeit und weitere Varianten der Geschlechtsentwicklung. Trotzdem wurde und wird immer wieder genau dies versucht, oft mit schrecklichen Folgen für die Betroffenen. Ein neues Gesetz soll dem jetzt Einhalt gebieten. Doch tut es das tatsächlich? Ich habe dazu Stimmen aus der queer-christlichen Community gesammelt.
Warum brauchen sich die Kirche und das GEP, wie kann das Medienhaus der EKD und der Gliedkirchen kommende Herausforderungen bewältigen und warum brauchen wir Social Media?