Interreligiöse Heldentaten

Interreligiöse Heldentaten

Ich habe heute meinen interreligiösen Tag. Und ein bisschen Ökumene ist auch dabei. Das passt gut zu Mannheim, wo 30.000 Muslime, 90.000 Protestanten und 90.000 Katholiken wohnen. Quadratisch, praktisch, religiös ist die Stadt. Davon weiß Peter Hübinger zu berichten, Leiter des Mannheimer Diakonischen Werkes. Er steht nachmittags vor der Konkordienkirche und traut seinen Augen nicht: Nicht 20 oder 30 Katholikentagsbesucher sind zur Führung über die "Meile der Religionen" gekommen, sondern weit über 300.

Der Verkehr kommt zum Erliegen

Mit dem ganzen Tross zieht Hübinger nun von Kirche zu Synagoge, von Synagoge zu Moschee. Zwischendurch kommt der Verkehr in Mannheim-City zum Erliegen. Schon vor der evangelischen Citykirche Konkordien hängt eine unüberschaubare Menschentraube an den Lippen Hübingers. Dann geht es mit dem ganzen Pulk zum jüdischen Gotteshaus ein paar Straßenzüge weiter. In der eindrucksvollen Synagoge, neu errichtet im Jahr 1987, stehen Mitglieder der jüdischen Gemeinde zum Gespräch zur Verfügung.

Nachher, vor der Tür, berichtet Hübinger vom Dialog der Religionen in Mannheim, vom guten Miteinander, von Diskussion und Verbundenheit. Die Menschen klatschen Beifall. Dann aber vollbringt der Diakoniechef seine eigentliche Heldentat. Denn der Weg zur Yavuz-Sultan-Selim-Moschee ist kein Kinderspiel, vor allem nicht mit hunderten Ortsfremden im Gepäck. Todesmutig lotst Hübinger die Menge über eine der Hauptverkehrsstraßen Mannheims, hält mit entschlossenen Gesten den Autoverkehr auf – und gibt währenddessen noch dem SWR ein Interview.

Schließlich hat Hübinger alle seine Schäfchen über die Straße geführt, vor der Moschee hält er seine letzte kleine Ansprache, bevor es in das muslimische Gotteshaus geht (Foto). Die Moschee wurde 1995 errichtet, es gab zunächst große Widerstände. So wurde der Pfarrer der benachbarten Sebastianskirche, der den Bau unterstützte, übel beschimpft. Heute ist die Moschee ein vorbildlicher Ort der christlich-islamischen Begegnung. Und zur Feier des Tages dürfen die Frauen in der Gruppe heute den Haupteingang nehmen, nicht den "Dameneingang".

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