Direkt zum Inhalt
Schuld und Vergebung
Hallo Herr Muchlinsky,
eigentlich wollte ich Sie mit meiner vielen Fragerei mal in Ruhe lassen. Aber nun ist wieder was, ja, es  brodelt regelrecht in mir. Ich ärgere mich, und es geht mir nicht gut, wenn ich sehe, was so alles läuft in unserer heutigen Zeit.
Ich mache immer wieder die Feststellung, dass Menschen, die, ich nenne es mal, irgendwie im Rampenlicht stehen, sei es in Politik oder Kirche, von der Gesellschaft ganz besonders beäugt werden, wenn sie einen Fehler begangen haben. Mal sind es kleine Fehler, mal auch Größere, die von den bekannten Personen gemacht wurden. Diese armen Mensch, die ganz bestimmt unter ihrem Fehlverhalten zu leiden haben, werden dann auch noch, wenn alles an die Öffentlichkeit kommt, von der Gesellschaft dermaßen fertig gemacht, dass ich es einfach nicht mehr schön finden kann. Kein gutes Haar wird an ihnen gelassen. Mir tut das weh und ich leide irgendwie mit diesen Menschen.
Mir geht dabei unser ehemaliger Bundespräsident Christian Wulff, der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst oder auch Frau Margot Käßmann durch den Kopf. In meinen Augen wurden und werden all diese Menschen wegen ihres Fehlverhaltens einfach nur fertig gemacht.
Frau Margot Käßmann ist dieser Welle der Entrüstung damals zuvor gekommen und ist von all ihren Ämtern zurück getreten. Ich war sehr traurig darüber. Von mir aus hätte sie das nicht tun müssen. Ihre Autorität als Bischöfin hat in meinen Augen nichts mit ihrem "Missgeschick" zu tun gehabt.
Ich muss bei all diesen Beispielen, die ich hier aufgezählt habe immer an die biblische Geschichte denken in der Jesus gesagt hat:
Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie. (Johannes 8,7)
Da war plötzlich Ruhe und alle haben sich "aus dem Staub gemacht".
Hat dieser Satz von Jesus heute keine Gültigkeit mehr? Oder verstehe ich mal wieder das, was da in der Bibel steht, nicht so ganz richtig? Lege ich zu viel Toleranz an den Tag, wenn ich sage, dass Menschen vielleicht auch eine zweite Chance eingeräumt werden sollte? Ist es nicht fairer einen Sachverhalt zunächst genau zu betrachten, als sofort über den Verursacher her zu fallen?
Ihre Antwort ist mir sehr wichtig, denn solche Fälle wird es wohl immer wieder geben. Und jedes mal leide ich mit, wenn über die "Gestrauchelten" in Talkshows, Interviews oder auch im Internet hergefallen wird.
Herzliche Grüße
Susanne
Alle Meldungen: Schuld und Vergebung