Bildergalerien

Schlägt er dich, liebt er dich - Tattoos gegen die Narben

Galerie

Schlägt er dich, liebt er dich - Tattoos gegen die Narben
10.12.2017
Claudia Janke
evangelisch.de
Maria, 24 Jahre alt.

Claudia Janke

Maria, 24 Jahre alt.

Claudia Janke

Maria, 24 Jahre alt. Sie hat nie die Polizei gerufen, das wäre ihr nicht mal eingefallen. Häusliche Gewalt hinterlässt nicht nur körperliche Narben, sondern auch seelische. Frauen fühlen sich schuldig und empfinden Scham.

Blumen über Schnittwunden

Claudia Janke

Tattookünstlerin Zhenya Zakhar hat Maria Blumen über die Schnittwunden tätowiert.

Spuren der Gewalt in Marias Wohnung: Einstichstelle in der Wand

Claudia Janke

Auch in Marias Wohnung sieht man die Spuren des Messers, das gegen sie gerichtet war. Ihr Ex-Freund wurde gewalttätig, als er auf der Arbeit das Trinken anfing. Er schlug sie, hat mehrfach mit dem Messer angegriffen und sie mit einem Glätteisen verbrannt. Sie hat ihn verlassen.

Nadia, 34 jahre alt.

Claudia Janke

Nadia, 34 jahre alt. Die Wirkung der Tattoos ist regelrecht spürbar: die Frauen wirken stark und entschieden und haben sich wohl auch deswegen für den mutigen Schritt entschieden mit ihren Geschichten an die Öffentlichkeit zu treten. Sie wollen ein Zeichen gegen häusliche Gewalt setzen und anderen Frauen vermitteln, dass sie nicht alleine sind.

Unter der Libelle auf Nadias Bein befindet sich eine Brandnarbe.

Claudia Janke

Unter der Libelle auf Nadias Bein befindet sich eine Brandnarbe, die ihr Ex-Freund ihr zugefügt hat. "Ich rate jeder Frau in dieser Situation: 'Lauf weg!' Es gibt keine ausweglosen Situationen im Leben. Du musst deinen Selbstwert erkennen."

Das Messer mit dem Nadias Freund zugestochen hat.

Claudia Janke

Das Messer, mit dem Nadias Freund zugestochen hat. Um an die Öffentlichkeit zu gehen, brauchen die Frauen viel Kraft: Stigma und Vorurteile gegen misshandelte Frauen sind tief in der Gesellschaft verwurzelt.

Nastya

Claudia Janke

Nastya, 34 Jahre alt. Tattookünsterlin Zhenya Zakhar, hat sich zur Aufgabe gemacht mit ihrer Nadel kostenlos Narben von häuslicher Gewalt zu verschönern. Seit Juni 2016 hat sie von ihrem kleinen Studio in Ufa, 1200 Kilometer östlich von Moskau, rund 200 Frauen bei der Aufarbeitung ihrer traumatischen Vergangenheit geholfen und ihnen ermöglicht zumindest die körperlichen Narben ihrer Erfahrungen hinter sich zu lassen. Auch Nastya hat durch die Verschönerung ihrer Narben neues Selbstbewusstsein bekommen.

Nastya: Blumentattoo über den Narben.

Claudia Janke

Nastyas damaliger Freund schnitt mit einem Messer in ihren Arm. "Ich bin froh, dass meine Narben jetzt abgedeckt sind. Im Sommer habe ich wegen der Narben nie leichte Kleidung getragen. Nun kann ich mich ohne Scham zeigen, vielleicht sogar mit Stolz."
Nastya hat über Zhenya Zakhar auch den Kontakt zu anderen betroffenen Frauen bekommen.

Blick aus Nastyas Wohnung.

Claudia Janke

Blick aus Nastyas Wohnung. Die Anonymität der Großtadt bedeutet Schutz für sie. Trotz der hohen Zahlen von häuslicher Gewalt hat die russische Regierung im Februar 2017
ein Gesetz erlassen, um das Strafmaß bei Gewalt in Familien zu verringern.
"Zum Wohle der Familie", so heißt es aus offiziellen Kreisen.

Victoria, 29 Jahre alt

Claudia Janke

Victoria, 29 Jahre alt: Der Mut Betroffener ist Solidarität. Ihr Mut kann der Anfang einer Bewegung sein. "Ich bin nicht die einzige Frau, die solche Gewalt erleiden musste. Es gibt viele Frauen wie mich, aber sie haben Angst aus ihren Leben zu erzählen.
Darum habe ich mich entschlossen meine Geschichte öffentlich zu machen."

Ein Wolf über den Narben am Arm.

Foto: Claudia Janke

"Schmetterlinge stehen für Reinkarnation und Neugeburt der Seele und Wölfe für Schutz. Der Wolf ist mein Glücksbringer. Er beschützt mich.
Früher habe ich nie Kleidung mit kurzen Ärmeln oder tiefem Ausschnitt getragen. Leute haben zu oft Fragen gestellt. Heute ist das anders. Ich trage, was ich will."

Der Baum, an den Viktoria gebunden wurde.

Foto: Claudia Janke

Der Baum, an den Viktoria gebunden wurde. Viktorias Freund konnte nicht zustechen, forderte seinen Freund auf es zu tun, der nicht lange zögerte und es tat: einmal in die Brust und einmal in die Achselhöhle, als sie sich zu wehren versuchte. Der Kumpel wandert für sechs Jahre ins Gefängnis.
Das Paar hat sich getrennt.

Delikte, die vor Februar 2017 noch als Körperverletzung eingestuft wurden und mit Haftstrafen geahndet werden konnten, gelten nun als einfache Ordnungswidrigkeit, die durch ein Bußgeld aus der Welt geschafft werden können.

Ein Baseballschläger zum Schutz

Foto: Claudia Janke

Nach der Trennung fing ihr Freund an sie zu verfolgen, ihre Wohnung zu beobachten und zu belagern. Er drang nachts durchs Fenster in die Wohnung ein, trat einmal sogar die Wohnungstür ein und verwüstete alles. Ein Baseballschläger liegt zum Schutz unter Victorias Kopfkissen.

Victoria mit langen Haaren und Exfreund.

Foto: Claudia Janke

...schön?! Victoria mit langen Haaren und Exfreund. Als er überraschend starb, versuchte sie sich nur an die guten Zeiten zu erinnern, als sie jung und verliebt waren.

Zhenya - die Tätowiererin

Foto: Claudia Janke

Zhenya hat der Fotografin Claudia Janke drei Sterne tätowiert, zur Erinnerung an ihre drei Fehlgeburten.
Zhenya freut sich über <a href="https://www.paypal.me/zhenyazahar">finanzielle Unterstützung.</a>

Mehr Arbeiten von der Fotografin, die in London lebt, finden Sie <a href="http://www.claudiajanke.com/">hier.</a>

In Russland sterben laut UNO Bericht jedes Jahr bis zu 14.000 Frauen durch häusliche Gewalt, hunderttausende werden verletzt. Die Tattookünstlerin Zhenya Zakhar bemalt in ihrem Studio in Ufa die Narben der Frauen kostenlos - und macht sie wieder schön.

"Ich habe die vier Frauen zuhause besucht, um mehr über ihre Geschichten und Tattoos zu erfahren. Während unserer Gespräche wurde sehr schnell klar, wie wenig sich die vier Frauen auf die Regierung, Gesetze, Polizei oder offizielle Stellen verlassen. Es ist ganz klar für sie, dass sie sich alleine mit ihren Problemen arrangieren müssen. Sie sehen somit die Lösung auch nur bei sich selbst. Eine eventuelle gesellschaftliche Veränderung, die das Verhalten des Mannes in Frage stellt, wird nicht in Erwägung gezogen. Die Akzeptanz, dass es einfach so ist - Männer schlagen Frauen - ist immens. Auch gab es eine Tendenz die eigenen Erfahrung zu bagatellisieren. Vorurteile und Stigma gegen misshandelte Frauen sind extrem harsch. Sie werden als dumm bezeichnet und ihnen wird die Schuld an ihrer Situation gegeben. Ähnlich wie auch noch immer in Deutschland." Claudia Janke, November 2017.

 

 

Claudia Janke