Beziehung und Familie

Lieber Herr Muchlinsky,
wir haben aufgrund einer Erkrankung meines Mannes im Kindesalter die Diagnose mit großer Wahrscheinlichkeit kinderlos zu bleiben. Wir beide wünschen uns aber sehr eine eigene Familie.

Nun fragen wir uns, wie wir damit umgehen sollen:
- es als gottgegebenes Schicksal hinnehmen?
- die Hoffnung auf ein Wunder setzen (statistisch gesehen bräuchten wir mit unseren Voraussetzungen 12 Jahre für ein Kind - ich bin allerdings schon 39 - verschiedene Ärzte sagten alle "sehr, sehr unwahrscheinlich" - trotzdem gibt es immer wieder Paare, denen dieses Wunder passiert)?
- künstlich befruchten? Lediglich aufzubereiten und intra corpore vorzugehen würde unsere Chancen zwar erhöhen, aber dennoch nur eine mimimale Wahrscheinlichkeit mit sich bringen. Extra corpore scheint mir aber ein großer Eingriff in einen Bereich zu sein, der uns als Menschen nicht zusteht. Täusche ich mich da?

In der Bibel finden sich viele Frauen, die unter ihrer Kinderlosigkeit sehr leiden. Auch wenn sich die Gesellschaft verändert hat, ist es doch so, dass man als ungewollt kinderloses Paar zu einer Minderheit gehört, die in vielen Bereichen ausgeschlossen bleibt. Ich leider sehr darunter zu sehen, wie mein ehemaliger Freundeskreis ausgedünnt wird, weil nun Kinder im Vordergrund stehen und/oder unsere Krise abschreckt.
Einige Geschichten in der Bibel lösen sich auf durch gebärfreudige Mägde. Wäre Samenspende das heutige Pendant dazu? Oder eben medizinische Hilfe (auch In-vitro)? Letztlich ist auch hier keine Garantie gegeben und auch das kann als Gottes Wille betrachtet werden.
Andere biblische Frauen bekommen in hohem Alter noch ein eigenes Kind...
Ich kenne keine Geschichte, bei der das Leiden bleibt. Aber ich weiß nicht, wie ich das für mich verstehen soll.

Desweiteren denke ich, dass man kein Recht auf ein Kind hat - aber alle von mir genannten Möglichkeiten lassen ja das "Scheitern" offen. Kann ich sie daher auch alle nutzen?
Es fällt mir schwer, klar auseinander zu halten, wie sehr der Kinderwunsch zu einer Sache der Kontrolle über die eigenen Lebenspläne und das Funktionieren des eigenen Körpers wird bzw. welche Motive tatsächlich bei meinen Handlungen im Vordergrund stehen. Wäre es beispielsweise nicht auch dem Kind gegenüber unfair eine Samenspende zu nutzen und ihm so den leiblichen Vater für viele Jahre zu nehmen, nur weil ich eben ein Kind möchte?
Wir haben auch lange über Adoption nachgedacht. Abgesehen davon, dass es hier Altersgrenzen gibt, sind wir uns nicht sicher, ob wir dieser Aufgabe gewachsen sind und ob wir mit den damit vermutlich einhergehenden Problemen umgehen können.
Was ist das Kriterium für die richtige Entscheidung?