Lea engagiert sich seit mehr als zehn Jahren ehrenamtlich für den Weissen Ring. Seit vier Jahren ist die Offenbacherin die stellvertretende hessische Landesvorsitzende. Ihr Weg zu mir ins Podcast-Studio ist kurz, denn sie arbeitet hauptberuflich bei der Bafin, der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, fünf Minuten entfernt, im Mertonviertel in Frankfurt.
Die 35-Jährige erinnert sich noch genau an ihr erstes Gespräch mit einem Opfer. Damals war sie sehr aufgeregt. In meinem Podcast "Echt gefragt" erzählt sie von einem Mann, der verprügelt wurde und ins Krankenhaus musste. Nach der Tat habe er Angst gehabt, auf die Straße zu gehen, etwa auf dem Weg zur Arbeit.
Durch das Gespräch habe Lea das Gefühl gehabt, dass sie und ihr Kollege dem Mann eine Last von den Schultern genommen hätten. Gemeinsam hätten sie erste Schritte erarbeitet, die ihm helfen könnten, sich wieder sicherer zu fühlen. Im Laufe des Gesprächs habe er sich entspannt.
Keine Fälle sexualisierter Gewalt an Kindern
Die innere Haltung beim Weissen Ring sei: "Wir glauben den Opfern", betont Lea. Sie sprach auch mit Frauen, die Gewalt in ihrer Partnerschaft erlebt hatten, aber trotzdem immer wieder zu ihrem Partner zurückkehrten. Für solche Frauen brauche sie eine gewisse Frustrationstoleranz.
Auch wenn die Helferinnen und Helfer manchmal herausgefordert sind: Die Gespräche sind für die Opfer da. Die Ehrenamtlichen begleiten zum Beispiel auch zur Polizei oder die Opfer erhalten eine kostenlose erste Rechtsberatung.
Eine Begegnung hat Lea dazu bewogen, keine Fälle von sexualisierter Gewalt an Kindern mehr zu begleiten. In einem Gespräch erzählte ihr eine Mutter, dass ihr zwölfjähriger Sohn ihre fünfjährige Tochter sexuell missbraucht hatte. Lea konnte die Tat danach nicht mehr aus dem Kopf bekommen. Immer wieder musste sie an ihre eigenen Nichten und Neffen denken, die etwa im gleichen Alter wie das betroffene Mädchen waren. Deshalb beschloss sie nach diesem Gespräch, keine Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern mehr zu übernehmen.
Leas blickt nun anders auf Offenbach
Lea erzählt mir im Podcast, dass sie aus einer heilen Familienwelt kommt. Sie sei sich durch ihr Ehrenamt viel bewusster darüber geworden, was sie für Privilegien habe und wie behütet sie aufgewachsen sei.
Durch das Ehrenamt gehe sie anders durch ihre Heimatstadt Offenbach und habe ein anderes Gefahrenbewusstsein. Denn sie wisse, wo jemand überfallen wurde oder wo die Frau wohnt, die von ihrem Mann verprügelt wird.
"Ich durfte ein intaktes Familiensystem genießen und ich weiß, es geht auch anders und das passiert häufig, auch in Deutschland", betont Lea.
Information:
So hilft der Weisse Ring nach einer Straftat
Der Weisse Ring ist eine Hilfsorganisation, die sich durch Spenden finanziert. Die rund 3.000 ehrenamtlichen Opferhelferinnen und Opferhelfer in ganz Deutschland werden vor ihrem Einsatz geschult. Der Verein wurde in Mainz gegründet und hat dort bis heute seine Bundesgeschäftsstelle.
In der Regel treffen sich die Ehrenamtlichen zu zweit mit den Betroffenen. Wenn du dir das auch vorstellen kannst, findest du auf der Website des Weissen Rings weitere Informationen.
Wir danken indeon.de für diesen Partnerinhalt.




