Wie eine evangelische Schwesternschaft ihre Zukunft sichert

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Die ehrenamtlichen "Diakonissen" und "Diakone" helfen in Krankenhäusern, Hospizen oder Altenheimen.
Vor dem Untergang bewahren
Wie eine evangelische Schwesternschaft ihre Zukunft sichert
Sie wollen die Tradition der evangelischen Schwesternschaft fortführen, die zu vergehen droht. Frauen und Männer engagieren sich ehrenamtlich als "Diakonissen neuer Form" und "Diakone der Diakonissen Speyer". Besonders schätzen sie die Gemeinschaft.

Schwester Kajas offenes Lachen tut gut wie ein warmer Sonnenstrahl. "Ich will für die Gäste und deren Angehörige da sein und immer ein offenes Ohr haben", sagt die 59-Jährige. Sie geht durch das Hospiz der Diakonissen Speyer in Bad Dürkheim. Kaja Horr ist eine ehrenamtliche "Diakonisse neuer Form" - an Pfingsten wurde sie in ihr Amt eingesegnet. Die Hauswirtschafterin ist im Hospiz für todkranke Menschen "das Mädchen für alles", wie sie sagt.

Die Protestantin aus Friedelsheim gehört einer besonderen diakonischen Gemeinschaft an, die den Geist der christlichen Nächstenliebe der evangelischen Schwesternschaft ("Diakonissen") in die Zukunft tragen will. Vor mehr als neun Jahren öffneten sich die stark überalterten und unter Nachwuchsmangel leidenden Speyerer Diakonissen in ihrem Dienst für arme, alte und kranke Menschen gegenüber evangelischen Frauen und Männern.

Diese Ehrenamtlichen werden mit einer Ausbildung auf ihr kirchliches Amt vorbereitet und nach einer Einsegnung an ihre Einsatzorte etwa in Krankenhäusern, Altenheimen, anderen diakonischen Einrichtungen oder Kirchengemeinden entsandt.

Speyerer Mutterhaus ist geistliches Zentrum

Derzeit gibt es 25 "Diakonissen neuer Form" und sieben "Diakone der Diakonissen Speyer", die meist auch Familien und Berufe haben und zwischen 40 und über 70 Jahre alt sind. Anders als die Tracht und Häubchen tragenden traditionellen Diakonissen verpflichten sie sich nicht zu Ehelosigkeit, Gehaltsverzicht und enger Lebens- und Dienstgemeinschaft. Das Mutterhaus der vor fast 170 Jahren gegründeten Diakonissen Speyer ist aber ihr geistliches Zentrum, dort kommenden sie zu regelmäßigen Treffen und Fortbildungen zusammen. Heute leben dort nur noch zwei betagte Diakonissen, alle anderen sind verstorben.

Der rund 100-köpfigen Diakonischen Gemeinschaft der Diakonissen Speyer gehören auch rund 70 Diakonische Schwestern und Brüder an - eine ökumenisch offene Gruppe von Frauen und Männern ohne verpflichtende Ausbildung. "Die Gemeinschaft wächst", berichtet die Leitende Pfarrerin Schwester Corinna Kloss. 2017 war sie die erste "Diakonisse neuer Form".

In den 1930er Jahren lebten noch rund 600 Frauen in der Speyerer Schwesternschaft, die dem Kaiserswerther Verband mit seinen mehr als 70 Mutterhäusern angehört. Schwester Charlotte Heiß ist froh darüber, dass es Frauen und Männer gibt, die die Tradition auf andere Weise fortführen wollen. Viele Menschen wüssten nicht mehr, was eine Diakonisse sei, sagt die 90-jährige Mannheimerin. "Ich erkläre ihnen dann: Ich bin eine evangelische Nonne." Als junge Frau habe sie sich aus christlicher Überzeugung für die Schwesternschaft entschieden, erzählt Heiß. "Die Eltern hatten nichts dagegen." Unter anderem wirkte sie als Gemeindeschwester, als Haushälterin, Krankenpflegerin sowie als Leiterin eines Schwesternerholungsheims in Bad Herrenalb.

Seit der ersten Stunde ist Klaus Lander ein "Diakon der Diakonissen Speyer". 2017 trat der ehemalige Chefarzt am Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus der Gemeinschaft bei. "Sie ist schön und familiär und zu meiner zweiten Heimat geworden", erzählt der 74-Jährige. Unter anderem veranstaltet der Schmerzmediziner Fortbildungen in den Hospizen der Diakonissen in Landau, Bad Dürkheim und Speyer.

Selbstständige und gebildete Frauen

Ute Gehrke, die Leiterin des Bildungszentrums der Diakonissen in Speyer, haben die evangelischen Schwestern ungemein beeindruckt. "Das waren selbstständige Frauen mit guter Ausbildung", würdigt die 61-jährige Theologin, die sich als "Diakonisse neuer Form" engagiert. Auch ohne enge Lebensgemeinschaft teilten die neuen Diakonissen und Diakone die gleichen Werte. "Wir stehen in der großen Tradition der Schwestern, die uns vorausgegangen sind", sagt Gehrke, "nun geht es darum, wie wir zukünftig unsere Gemeinschaft gestalten."