Islamische Fakultät will Brücken bauen

Moscheekuppel mit Mond
Getty Images/iStockphoto/Studia72
Die neue Fakultät für Islamische Theologie will Grundlagen schaffen für einen Islam, der verbindet. (Symbolbild)
Gegen gesellschaftliche Spaltung
Islamische Fakultät will Brücken bauen
Als erste Hochschule in Europa eröffnet die Uni Münster am Donnerstag eine eigenständige Fakultät für islamische Theologie. In einer polarisierten Gesellschaft soll sie theologische Grundlagen für einen weltoffenen Islam schaffen und Brücken bauen.

Die erste deutsche Islamisch-Theologische Fakultät soll nach den Worten ihres Gründungsdekans Mouhanad Khorchide Brücken in der deutschen Gesellschaft bauen. Dies sei besonders dringend, da die Gesellschaft stark polarisiert sei, sagte Khorchide dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das zeigten auch die Ergebnisse der jüngsten Landtagswahlen. Die Fakultät der Universität Münster - nach eigenen Angaben bundes- und europaweit die erste an einer staatlichen Hochschule - wird am Donnerstag offiziell eröffnet.

Die "öffentliche Theologie" solle auf Herausforderungen reagieren, beispielsweise darauf, dass immer mehr Menschen "rechts wählen", sagte der Islamwissenschaftler. Man müsse auf die Argumente der Wähler eingehen und ihre Ängste ernst nehmen. Viele wählten auch deshalb Parteien am rechten Rand, weil sie Angst hätten vor "sogenannter Islamisierung".

Das neue Fach werde auch Angebote für junge Muslime in den sozialen Medien entwickeln, um Alternativen zur Präsenz eher islamistischer Plattformen zu schaffen, kündigte Khorchide an. Für Muslime und Nichtmuslime offen ist der neue Masterstudiengang "Islam in der Sozialarbeit".

Gründungsdekan Mouhanad Khorchide

Als weitere gesellschaftliche Themen der neuen Fakultät nannte der Religionspädagoge den Klimawandel, Geschlechtergerechtigkeit und Diversität. Auch der Umgang mit Minderheiten im Islam oder mit Homosexualität sowie das Verhältnis zu anderen Religionen und Weltanschauungen solle behandelt werden. Künftig werden an der Uni Münster die islamische, die evangelische und die katholische Fakultät in unmittelbarer Nachbarschaft untergebracht und teilen sich auch eine Bibliothek und eine Mensa.

Keinesfalls solle die Fakultät zur Interessenvertretung einer Religion werden, unterstrich Khorchide: "Wir wollen einen Beitrag leisten für uns alle, als Menschen, als Deutsche, als Europäerinnen und Europäer." Es gelte, die theologischen Grundlagen zu schaffen für ein weltoffenes Verständnis vom Islam: dafür, dass Muslime und Nichtmuslime "einen gemeinsamen Nenner haben", das Menschsein.