Kann die KI bei der Verkündigung hilfreich sein?

Gottesdienst und Podium "Alexa, starte den Gottesdienst!"
epd-bild/Friedrich Stark
Ein Gottesdienst, geschaffen von einer Maschine: Die Predigt kommt aus den Lautsprechern in der Kirche. Zu hören ist ein digitaler Sprachassistent bzw. digitale Sprachassistentin.
Alexa, starte den Gottesdienst
Kann die KI bei der Verkündigung hilfreich sein?
Immer mehr Pfarrerinnen und Pfarrer nutzen die Künstliche Intelligenz. "Predigtgeneratoren" bieten fertige Predigten in Sekundenschnelle an. Kann die KI bei der Verkündigung hilfreich sein?

Theologisch ist sie nicht immer auf der Höhe. Einer Pastorin aus Helgoland etwa schrieb die KI eine Predigt über den Verrat des Judas (Lukas 22, 47-53), behauptete aber, Jesus habe den Jünger geküsst, nicht umgekehrt. Ein Fehler, für den sich die KI umgehend entschuldigte. Pfarrer, die eine Künstliche Intelligenz wie Claude, ChatGPT oder Perplexity bei der Vorbereitung ihrer Sonntagspredigt nutzen, müssen aufpassen.

Dennoch werden es mehr. Die KI verspricht Arbeitserleichterung und sie wird immer besser. Auch in den Kirchen ist die Entwicklung hin zur Künstlichen Intelligenz nicht mehr umkehrbar. "Digitalpfarrer" Christoph Martsch-Grunau (Delmenhorst) lässt sich von KI bei der Konzeption des Konfirmandenunterrichts, bei Workshops und auch bei der Vorbereitung der Predigt unterstützen.

Mit den Konfirmanden möchte er ein Hörspiel aus dem Johannes-Evangelium erarbeiten; mit der KI organisiert er den Stoff. Auch für die Predigt nutzt Martsch-Grunau KI als Instrument. "Die KI ist nichts als ein Werkzeug", betont der Theologe und Informatiker. "Die Haltung des Predigers muss erkennbar bleiben."

"Expertise unabdingbar"

Pastoren, die mit KI arbeiten, müssten ihr eigenes Handwerk beherrschen und ein Vorverständnis davon haben, wie sie ihre Predigt gestalten wollen, so der Digital-Experte aus der oldenburgischen Landeskirche. Was aus seiner Sicht geht: Bibelstellen suchen, Versatzstücke schreiben, Redigieren, Übersetzen, Inspiration, auch die KI als ideellen Sparringpartner nutzen. Die lebendige Beziehung zwischen Pfarrer und Gemeinde aber könne die KI nicht ersetzen, ist Martsch-Grunau überzeugt.

Auch der Deutsche Pfarrer- und Pfarrerinnenverband sieht es so: "Für Verkündigung, Predigt und Seelsorge sind und bleiben (…) menschliche Kommunikation sowie theologische Kompetenz und seelsorgerische Expertise unabdingbar." Dass Pfarrerinnen und Pfarrer mit ihrer gesamten Persönlichkeit in und hinter ihrer Verkündigung stehen, sei durch nichts - "auch nicht durch ausgefeilte Algorithmen" - zu ersetzen, sagt ein Verbandssprecher.

"Seelsorge-Bot" scheint undenkbar

Seelsorge nur per Chatbot scheint fast allen Theologen undenkbar. Zur Seelsorge brauche es das menschliche Gegenüber, sagte die hessen-nassauische Kirchenpräsidentin Christiane Tietz 2025 in einem Interview auf evangelisch.de. KI könne Empathie lediglich simulieren, sie kenne weder Schuld und Sterblichkeit, noch Liebe und Glück. Zwischentöne, Stimmungen und Unausgesprochenes könne sie nicht wahrnehmen. Nur als "Einstieg" oder "Begleiter in der Nacht", außerhalb der Bürozeiten sei die KI vorstellbar, so Tietz.

Sie müsse dann als solche gekennzeichnet sein. Wenn die KI echte Not erkenne, müsse sie auf menschliche Hilfe - wie etwa die Telefonseelsorge - verweisen. In der Pfarrer-Ausbildung der Züricher Reformierten wird allerdings schon ein "Seelsorge-Bot" eingesetzt. Er dient ausschließlich Trainingszwecken: Angehende Seelsorger können mit einem virtuellen Gegenüber üben, seelsorgerliche Gespräche zu führen.

Kirchliches Wertesystem

Mehr als 60 Prozent der Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland nutzen inzwischen die KI. Das ergab eine Detailauswertung der umfassenden neuen DiRK-Studie ("Digitalisierung im Raum der Kirchen", 2026). Wie der Leiter des Forschungsprojekts, Holger Sievert, dem Evangelischen Pressedienst (epd) sagte, liegt bei der Arbeit der Pastoren mit KI die Texterstellung auf Platz eins, vor der Recherche und Übersetzung. Dass KI auch bei der Predigtvorbereitung hilft, ist laut Sievert sicher, nur in welchem Umfang lässt sich noch nicht exakt sagen.

Es wird im Moment viel experimentiert. Mehrere Landeskirchen und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) arbeiten daher an Leitlinien, die die Nutzung der KI nach kirchlichem Wertesystem ordnen und in datenschutzrechtlich sichere Bahnen lenken soll. Strittig ist ihr Einsatz in der Kirche immer noch. Während die einen großes Potenzial sehen, sind die anderen zurückhaltend bis kritisch.

"Oberflächlich und theologisch bedenklich"

Die württembergische Kirchenrätin Evelina Volkmann etwa findet KI-Predigten "oberflächlich, theologisch bedenklich und unpersönlich". Der katholische Pfarrer Magnus Koschig (Halle) äußert auf der Bistumswebsite "aussicht.de" die Befürchtung, "dass wir den Computern zunehmend das Denken und Nachdenken überlassen". Kaplan Maximilian Hofmann (Stralsund) dagegen schreibt: "Meine Predigt muss meine Predigt bleiben. Aber ich finde es nicht verwerflich, wenn eine Predigt dank der Unterstützung von KI besser gelingt."

Auch "Digitalpfarrer" Martsch-Grunau findet "Euphorie" als der KI "nicht angemessen". Die KI sei gesellschaftlich problematisch, sagt er und verweist auf ungeklärte Fragen des Urheberrechts, den Datenschutz, der besonders in der Seelsorge unabdingbar ist, und die Auswirkungen des enormen Energieverbrauchs von Rechenzentren auf das Klima. Die Sozialethik, die Papst Leo XIV. in seiner Enzyklika zur KI ("Magnifica humanitas") in den Fokus stellte, werde bei den Protestanten zu wenig diskutiert.

Bibelauslegungen durch KI

Umkehrbar ist der Trend zur KI in der Kirche aber wohl nicht mehr. Websites wie sermonAI.com oder predigtassistent.de bieten inzwischen Predigten oder Versatzstücke dafür an - sogenannte Predigtgeneratoren werben mit Slogans wie "vollständige Predigt in 90 Sekunden". Unter www.ki-andacht.de finden sich täglich neue von der Künstlichen Intelligenz selbst kreierte Bibelauslegungen.

Der Gründer und Journalist Michael Voß, der jeden dort veröffentlichten KI-Beitrag gegenliest und auf Fehler prüft, bringt noch einen ganz anderen Aspekt für die kirchliche Nutzung der KI ins Spiel. Ihr "Wissen" müsse trainiert werden, sagt er mit Blick darauf, dass die KI sich aus unendlich vielen, ihr zur Verfügung gestellten Daten speist: "Mit KI reden ist wichtig, damit diese das Christentum künftig auf dem Schirm hat." Sonst werde es aus ihren Antworten bald verschwinden.