Vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September ruft die Theologin Julia Helmke die Politik auf, drängende Zukunftsfragen stärker auf die Agenda zu setzen. Handlungsbedarf sehe sie besonders in der Jugendpolitik und beim Klimaschutz, sagt sie dem Evangelischen Pressedienst (epd).
"Persönlich erschüttert mich, wie stark gerade das Thema der Bewahrung von Schöpfung und allen Geschöpfen in den Hintergrund rückt", sagt die Berliner Generalsuperintendentin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.
"Klimaschutz und Klimaanpassung sind wichtig." Die Transformation zur Klimaneutralität müsse gestärkt werden. Sie erlebe bei dem Thema inzwischen "gerade bei jungen Menschen eine große Angst bis hin zum Gefühl der Ohnmacht und zur Resignation".
Kirche nicht nur für Religion zuständig
Der Senat sollte alternative, umweltfreundliche Mobilitätsmodelle und den öffentlichen Nahverkehr unterstützen, sagte Helmke. Weder in der Kirche noch in der Politik dürfe "in ein Denken oder Modelle von vorgestern investiert werden". Wichtig sei zudem, dass sich Jugendliche und junge Erwachsene entfalten können und dafür auch Unterstützung bekommen. Auch vom nächsten Senat erwarte sie, dass Kirche "nicht nur als für Religion zuständig gesehen" wird, sondern als Partner und kritisches Gegenüber.
"Unser umfassendes Engagement im sozialen und Bildungsbereich sollte weiter gesehen werden", so die 57-jährige promovierte Theologin. Auch der Religionsunterricht, der in Berlin weiter kein reguläres Schulfach ist, müsse auf der Agenda bleiben, sagt Helmke. Zudem seien Fragen von Gebäudenutzung und Gebäudeumnutzung im kirchlichen Bereich ein großes Thema. Dazu gebe es bereits eine Lenkungsgruppe von Stadt und Kirche, die auf einem guten Weg sei.
Orte des Miteinanders schaffen
Kirche und Politik sollten zum Wohl der Stadt Berlin "auf eine Zusammenarbeit aller Menschen guten Willens setzen und schauen, wie wir so auch an sozial herausfordernden Orten Orte des Miteinanders schaffen können", sagt Helmke. Dazu gehöre im interreligiösen Dialog, "einander ehrlich auch die hellen und dunklen Seiten der jeweiligen Religion zu zeigen".
Klare Grenzen im Dialog seien "dort, wo Menschenwürde missachtet, das Grundgesetz verachtet, Minderheiten diffamiert werden, die Gleichberechtigung von Frauen und Männern von der Tagesordnung genommen wird, wo nationalistisch gedacht und ausgegrenzt wird", sagt die Theologin: "Und das gilt weit über bestimmte religiöse Prägungen hinaus."



