Ein fensterloser Kellerraum, direkt am Hamburger Elbufer. Es ist warm und eng, mehr als ein Dutzend Personen haben sich versammelt. Es ist der finale Spieltag der zweiten Hamburger Tischfußballliga. Klackern ist zu hören und immer wieder Jubelrufe. Julia Böhnlein geht für die Altonaer Kickerkraken an den Start.
"Am Anfang muss ich erstmal gucken: Was macht der Gegner? Und dann stellt man sich so langsam ein, okay, diese Schüsse funktionieren." Die Architektin spielt seit fünf Jahren Turniere und ist auch in der ersten Damen-Bundesliga aktiv. "Man versucht sich in jeder Partie durchzukämpfen, das eigene Spiel daraus zu machen und in den eigenen Flow zu kommen. Heute bin ich bisher ganz zufrieden."
Tischfußball ist ein Mannschaftssport. Es werden Einzel- und Doppelpartien gespielt, jedes Team braucht mindestens vier Spieler. In der Hamburger Landesliga spielen Männer und Frauen gemeinsam. Die Saison lief gut für die Teams des Altonaer Kickerkollektivs. Die Mannschaft der Kickerkraken, um Kapitän Thorben Harms, ist sogar aufgestiegen.
Ehrgeiz gehört dazu
"Man muss fast alles gewinnen, wenn man aufsteigen will, von daher war das schon sehr anstrengend und ein langer Weg, aber am Ende konnten wir uns durchsetzen." Im Gespräch mit Thorben wird schnell klar, dass neben dem Spaß auch eine Portion Ehrgeiz dazugehört. "Wir haben schon am vorletzten Spieltag den Aufstieg geschafft. In der ersten Hamburger Liga spielen fast nur Männer und Frauen, die auch in der Bundesliga aktiv sind. Von daher geht es jetzt richtig los."
Hamburg ist eine Tischfußballhochburg. Bis zu 2.000 Sportlerinnen und Sportler sind im Landesverband aktiv. Auf nationaler Ebene gibt es zwei Damen- und drei Herren-Bundesligen, dazu internationale Turniere. Tischfußball ist längst mehr als ein Kneipensport. Viele der Teilnehmenden sind in mehreren Teams gemeldet, so wie Julia Böhnlein.
Kickern verbindet
"Man kann auf diesem Level sehr systematisch spielen. Es ist ein ganz anderes Spiel als in der Kneipe, das ist eigentlich das coole", sagt die 31-Jährige, die ursprünglich aus Süddeutschland kommt. "Dadurch, dass die Community etwas kleiner ist, trifft man oft die gleichen Leute. Das verbindet."
Thorben spielt seit gut 14 Jahren. Angefangen hat er während des Studiums. An der Hochschule stand ein Kickertisch. In den Seminarpausen wurde dort geübt. "Da hatten wir einen Mitspieler, der meinte irgendwann, habt ihr nicht Bock richtig in der Liga zu spielen? Der war damals schon aktiv in einer Mannschaft und hat uns viel beigebracht. Dann sind wir auf Turniere gegangen und langsam besser geworden."
Fairplay ist wichtig
Die Atmosphäre beim Punktspiel ist freundschaftlich. Wird der Ball ins Spiel gebracht, wird einen Augenblick gewartet, ob alle bereit sind. Erst dann geht es los. Das Altonaer Kickerkollektiv spielt im Keller der Seemannsmission. Hier stehen mehrere professionelle Tische. Die Vereinsmitglieder haben sogar kleine Tribünen aufgebaut, für eine Handvoll Zuschauerinnen und Zuschauer.
"In Hamburg gibt es so viele Locations, wo man einfach reingehen und kickern kann. Es ist einfach ein Gemeinschaftsding", erzählt Julia Böhnlein. Man sieht ihr die Begeisterung für ihren Sport an. "Man stellt sich an den Tisch, holt sich noch jemanden ran und dann spielt man zusammen, den ganzen Abend, die ganze Nacht."
Ein Punktspiel, das abends anfängt, kann schnell bis tief in die Nacht gehen. 16 Sätze werden gespielt, acht Einzel- und acht Doppelsätze. Ein Satz dauert etwa zehn Minuten, manchmal aber auch deutlich länger. Fairplay ist wichtig beim Tischfußball. Es gibt Foul-Spiel und bei Bedarf kann sogar ein Schiedsrichter hinzugezogen werden. Viele Ähnlichkeiten also zum Fußball auf dem Rasen - mit einem Unterschied: am Tisch geht es nicht um Millionen, sondern um Ehre und Spaß.




