Christlicher Radiosender verliert Lizenz in Berlin

Christlicher Radiosender verliert Lizenz in Berlin
Dem christlichen Radiosender Radio Paradiso ist seine Berliner Lizenz nicht verlängert worden. Die Evangelische Kirche reagiert mit Unverständnis und sieht Arbeitsplätze gefährdet.

Die Entscheidung der Berliner Medienaufsicht, die Lizenz für den christlichen Sender Radio Paradiso nicht zu verlängern, stößt bei der evangelischen Kirche auf scharfe Kritik. "Ich halte diese Entscheidung medienpolitisch für falsch", sagte der Medien- und Publizistik-Referent der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Udo Hahn, am Mittwoch dem epd. Nun müsse "rechtlich alles unternommen werden", um den Verlust der Sendeerlaubnis noch zu verhindern. Der Berliner Bischof Markus Dröge forderte die zuständige Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) auf, ihre Entscheidung zu überdenken. Diese sei "völlig unverständlich".

Dröge erklärte, Radio Paradiso sei ein Beispiel dafür, "dass ein Privatsender ein ansprechendes Unterhaltungsprogramm sendet, zugleich aber auch Menschen durch Andacht und Segensworte ermutigt". MABB-Sprecherin Susanne Grams sagte dem epd, der Medienrat der Anstalt habe "alle Argumente sorgfältig abgewogen". Die genaue Begründung für die Entscheidung werde nach der nächsten Sitzung des Medienrats am 22. Juni in einem schriftlichen Bescheid mitgeteilt.

Die MABB hatte am Dienstag mitgeteilt, dass die Lizenz für Radio Paradiso auf den UKW-Hörfunkfrequenzen in Berlin und Brandenburg nicht verlängert wird. Ende November werde das Programm Oldiestar Radio die Frequenzen übernehmen. Die Neuausschreibung war nötig geworden, weil die Lizenz von Radio Paradiso bereits einmal verlängert worden war. Der MABB-Medienrat habe die Entscheidung "nach Würdigung der gesetzlichen Kriterien unter angemessener Berücksichtigung des Interesses des bisherigen Veranstalters" getroffen, hieß es in der Mitteilung.

EKD-Referent Hahn sagte, in den 13 Jahren des Sendebetriebs habe es keinerlei Anzeichen für diese negative Entscheidung gegeben. Die evangelische Kirche halte über die EKD Media GmbH Anteile an Radio Paradiso und unterstütze den Sender. Das Votum der MABB schränke den kulturellen Auftrag der Kirche ein. Wenn der Sendebetrieb tatsächlich eingestellt werden müsste, würden bei Radio Paradiso und angeschlossenen Unternehmen 64 Arbeitsplätze wegfallen, sagte Hahn. Zugleich würden "Investitionen in Millionenhöhe vernichtet".

Keine Glücksspiele und Abzocknummern

Der Berliner Bischof Dröge verwies darauf, dass Radio Paradiso mit seinem Programm durchschnittlich über 30.000 Hörer pro Stunde erreiche. Der Sender habe gezeigt, dass auch im privaten Rundfunk ein Programm möglich sei, bei dem nicht "Anrufer veralbert, zu Glücksspielen animiert oder mit teuren kostenpflichtigen Telefonnummern verführt werden".

Der Geschäftsführer von Radio Paradiso, Matthias Gülzow, hatte bereits am Dienstag angekündigt, juristische Schritte gegen die Entscheidung zu prüfen. Die "berechtigten Interessen" seines Senders zur Fortsetzung des Programms seien nicht berücksichtigt worden, sagte er. Bis zur endgültigen Klärung werde der Sendebetrieb in Berlin unverändert aufrechterhalten.

Aufsicht spricht von "Substanzverlust"

Radio Paradiso ist nach eigener Darstellung "Berlins einziger Wellnesssender". Der Kanal richtet sich an Hörer zwischen 30 und 49 Jahren. In einer Analyse der Berliner Radiolandschaft, die die MABB im Herbst 2009 veröffentlichte, wurde Radio Paradiso ein erheblicher Substanzverlust bescheinigt. So habe sich der Wortanteil von 183,8 Minuten täglich (2006) auf 72,5 Minuten (2008) reduziert. Das Profil des Senders gehe verloren, einzig die "Gedanken zum Auftanken" könnten werktäglich als Rest eines christlichen Radios aufgefasst werden, hieß es damals.

Hauptgesellschafter von Radio Paradiso sind nach Angaben der MABB die Evangelische Darlehnsgenossenschaft und das Berliner Immanuel-Krankenhaus. Die EKD Media, die ebenfalls Anteile hält, gehört zu 60 Prozent der EKD und zu 40 Prozent dem Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP). Das GEP trägt unter anderem die Zentralredaktion des Evangelischen Pressedienstes (epd).

epd