Jesu Auferstehung – ein historisches Ereignis?

Die Kreuzigungsszene

Foto: epd-bild/KNA-Bild/Katharina Ebel

Die Kreuzigungsszene gehört zu den zentralen Bildern in der Ostergeschichte.

Das Grab ist leer, Jesus von den Toten auferstanden. Geschichtliche Belege für das, was sich an Ostern in Jerusalem ereignete, gibt es nicht. Theologisch entscheidend ist die Wirkung des Geschehens auf die beteiligten Personen.

An Ostern feiert die Christenheit die Auferweckung Jesu. Steht dahinter ein historisches Ereignis? Die Meinungen darüber sind geteilt. Historische Forschung und Geschichtsschreibung hat es vorwiegend mit politischen Vorgängen zu tun, die sich im Lichte der Öffentlichkeit abspielten. Was sich hinter den Kulissen, im Privatleben, in den Köpfen und Herzen der Menschen abspielte, ist von Interesse, aber weniger sicher zu ermitteln.

Wenn man nur öffentliche Ereignisse als "historisch" betrachtet, war die Auferweckung Jesu kein historisches Ereignis. Auch das Neue Testament nennt ja keine Augenzeugen für dieses Geschehen selber. Aber daraus folgt nicht, dass Jesus in Wirklichkeit nicht auferstanden sei. Ein nicht-öffentliches Ereignis lässt sich nicht nur schwer beweisen, sondern auch schwer widerlegen.

Die Überzeugung derer, die dabei waren ...

Das Neue Testament spricht von Erlebnissen, aus denen die Beteiligten - wiederum keine große Öffentlichkeit! - zu der Überzeugung kamen, dass Jesus nicht im Tode geblieben war, sondern lebt. Entscheidend waren dafür "Erscheinungen", also Begegnungen mit Jesus, in denen er als erkennbare lebendige Person gesehen wurde und zu einzelnen Menschen oder Gruppen sprach. (Das Fachwort "Vision" lässt nur an ein Sehen denken, aber in allen Berichten ist auch von einem Hören die Rede.)

Die dahingehenden Berichte stimmen nicht völlig überein; aber das ist bei von einander unabhängigen Erzählungen nicht anders zu erwarten. Eine widerspruchsfreie "offizielle Fassung" wäre eher als Fiktion verdächtig. Wissenschaftliche Kriterien, nach denen man über den Abstand so vieler Jahrhunderte hinweg feststellen könnte, dass diese Osterberichte frei erfunden seien, gibt es nicht.

... und radikal verwandelt wurden

Für uns heute beruht die Glaubwürdigkeit der Osterbotschaft hauptsächlich auf den Auswirkungen bei den beteiligten Menschen, die durch diese Erfahrungen radikal verwandelt wurden. Davon wird nicht mehr in den Evangelien, sondern in der Apostelgeschichte Lesenswertes berichtet. Ein Außenstehender, ein römischer Beamter, bringt dort einmal den christlichen Glauben treffend auf den Punkt, wenn er sagt, es ginge um einen Verstorbenen namens Jesus, von dem Paulus behaupte, dass er lebt.

Das christliche Osterfest steht nicht einfach für ein Ereignis der Vergangenheit, sondern gerade dafür, dass Jesus keine Gestalt der Vergangenheit ist. Es lädt dazu ein, nach heutigen Lebenszeichen dieses Lebendigen zu suchen.


Klaus Haacker ist emeritierter Professor für Neues Testament und seine Umwelt an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal-Bethel.
Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal am 4. April 2010 auf evangelisch.de.