Die Feuerwehr des Papstes schützt Dom und Archive

Die Feuerwehr des Papstes schützt Dom und Archive
Ihr Fahrzeug ist besonders schmal und wendig: Wenn die Feuerwehr des Papstes einen Notfalleinsatz im Vatikan hat, muss das Löschfahrzeug durch enge Torbögen und um nahezu rechtwinklig verlaufende Kurven am Apostolischen Palast fahren. 26 Feuerwehrmänner, "Vigili del Fuoco", stehen unter der Oberaufsicht des vatikanischen Sicherheitschefs Domenico Giani und sind rund um die Uhr in drei Schichten einsatzbereit.

Die Männer rücken nicht nur bei Feuer aus. Sie beseitigen Sturmschäden in den Vatikanischen Gärten und sind im Einsatz, wenn der typische römische Sturzregen niedergeht. Denn dann droht das Wasser, die Keller im Vatikan zu überfluten. Hier lagern wertvolle Dokumente wie das Archiv der Inquisition.

Mehrmals am Tag unternehmen die Feuerwehrleute von ihrer Kaserne mit dem päpstlichen Wappen aus Wachgänge und kontrollieren das gesamte Territorium des 44 Hektar großen Zwergstaats: Vom sogenannten Industriegebiet mit Werkstätten über den Sendemast von Radio Vatikan bis zur Druckerei der Vatikanzeitung "Osservatore Romano", dem Supermarkt und dem deutschen Friedhof "Campo Santo Teutonico". Eine ganze Stunde dauert nach der täglichen Schließung des Petersdoms allein der Rundgang durch die Basilika.

Sorge für Brandsicherheit

Bei Renovierungsarbeiten in den zahlreichen historischen Bauten des Vatikanstaats sorgen die Feuerwehrmänner für Brandsicherheit. Kunstdenkmäler, deren Decken mit barocken oder aus der Renaissance stammenden Fresken geschmückt sind, müssen auch ohne sichtbare Sprinkleranlagen und große Feuerlöscher an jeder Ecke geschützt werden.

In den vorangegangenen Jahrhunderten waren die päpstlichen Feuerwehrleute mit ihren schwarzen Jacken und grauen Hosen noch für das Anzünden von Hunderten von Lichtern im Petersdom zuständig. Um sich die Arbeit zu erleichtern, erfanden sie um das Jahr 1700 einen Vorläufer heutiger Steckleitern: Die mobile Konstruktion erlaubte es ihnen, auch unter dem Kirchendach und an Michelangelos Renaissancekuppel Schmuck und Lichter zu befestigen, ohne aufwendige Gerüste errichten zu müssen. Im Italienischen heißt diese Leiterform daher noch immer "scala romana" (römische Leiter). Weil sie ursprünglich nur bei feierlichen Liturgien im Petersdom zum Einsatz kam, nannte sie sich früher auch "Feierleiter".

Hilfe auch außerhalb des Vatikans

Doch nicht nur im Vatikanstaat helfen die Feuerwehrleute. Nach dem verheerenden Erdbeben im April vergangenen Jahres in den italienischen Abruzzen schickte Papst Benedikt XVI. acht seiner Feuerwehrleute in das Katastrophengebiet, darunter den Chef der vatikanischen Brandschützer, Domenico De Angelis. Seine Truppe half, Leichen aus den Trümmern des rund 1.000 Jahre alten Weilers Onna vor den Toren der Provinzhauptstadt L'Aquila zu bergen.

Mit moderner technischer Ausrüstung begleiteten die Feuerwehrleute Bewohner in ihre eingestürzten Häuser, um persönliche Gegenstände zu holen. Zudem sei es schlicht um "moralische Unterstützung" gegangen, betont der vatikanische Sicherheitschef Giani. Obwohl sie nur mit wenigen Feuerwehrleuten nach Onna kamen, wurde die Abordnung des Papstes herzlich empfangen, erinnert sich der oberste Brandschützer De Angelis: "Auch für uns hat die Initiative sehr viel bedeutet, menschlich und beruflich."

epd