Kongressrede: Merkel dankt Amerikanern

Kongressrede: Merkel dankt Amerikanern
Angela Merkel (CDU) hat in einer Rede vor dem US-Kongress den Amerikanern für die Hilfe bei der Wiedervereinigung gedankt. Die Kanzlerin warb zudem für den Klimaschutz.

Die USA haben Angela Merkel als "Führerin Europas" gefeiert. Zumindest das politische Amerika. Die Kanzlerin durfte bei ihrem historischen Auftritt vor beiden Häusern des US-Kongresses parteiübergreifende Anerkennung genießen. Mit "Bravo"- Rufen und langanhaltendem Beifall wurde Merkel im Kapitol von Washington begrüßt und verabschiedet. Sichtlich vom besonderen Moment im ehrwürdigen Kongress gerührt, bedankte sich Merkel zu Beginn ihrer Rede auf Englisch und betonte, wie "bewegt" sie sei.

Die Kanzlerin fand dann die richtigen Worte für ihr amerikanisches Publikum, sie war persönlich und erzählte über Einzelschicksale, die Geschichte widerspiegeln. Sie sprach von ihrer eigenen Kindheit in der Diktatur der DDR, von der deutschen Schuld und dem Schrecken des Holocaust und von dem großen Moment der Befreiung und der Freiheit, als Deutschland wiedervereinigt wurde. Und Merkel machte deutlich, dass die Deutschen sehr wohl wüssten, wem sie das zu einem großen Teil zu verdanken haben: den USA. Deutschland und "ich persönlich werden Ihnen das nie vergessen". Und auf Englisch betonte sie dann, dass die Freiheit "nicht selbstverständlich" sei und dass man dafür kämpfen müsse. Sie beendete ihre Rede mit dem Versprechen, dass Deutschland ein enger Bündnispartner der USA bleiben werde.

Hilfe der USA bei Wiedervereinigung

Merkel wurde gefeiert, obwohl sie sich ja im Grunde nur bedanken wollte. Inzwischen ist es historisch unbestritten, dass vor zwei Jahrzehnten der Widerstand gegen eine deutsche Wiedervereinigung in Großbritannien und Frankreich sehr viel größer war als in den USA. Hier sorgte der damalige Präsident George Bush dafür, dass Kanzler Helmut Kohl sein Wiedervereinigungskonzept umsetzen konnte. Merkel erinnerte daran, dass schon die ehemaligen US-Präsidenten John F. Kennedy und Ronald Reagan für ein einiges Deutschland gestritten hätten.

Es waren erfreuliche, bestätigende Stunden für Merkel in den USA: Vor der Kongressrede hatte US-Präsident Barack Obama sich "begeistert" über den Besuch der Kanzlerin geäußert. Sie habe sich als eine "außergewöhnliche Führungspersönlichkeit" im Kampf für mehr Klimaschutz erwiesen. Sie sei "nachdenklich und energisch" und habe eine "starke Vision" für die Zukunft, pries er die Besucherin aus Berlin.

Merkel als "Anti-Obama"

Die US-Medien schenkten dem eintägigen Besuch nicht viel Aufmerksamkeit. Aber die wenigen Beiträge waren fast nur Lobeshymnen: "Merkel ist de facto die Führerin Europas" schrieb die Kolumnistin Anne Applebaum in der "Washington Post". Während die Labourpartei des britischen Premiers Gordon Brown sich selbst zerfleische, Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sich verzettele und alle verwirre und gegen Italiens Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi ständig staatsanwaltlich ermittelt werde, stehe die Kanzlerin - insbesondere nach ihrem Wahlsieg - in Europa stark und unbestritten dar. Sie sei zwar "ein Anti-Obama, null Charisma, null Glamour, beige Hosen und ein Ehemann, der kaum öffentlich auftritt", aber sie habe Enormes geleistet. In aller Unauffälligkeit arbeite die CDU-Politikerin daran, Deutschland stärker und in der Region dominanter zu machen.

Bei dem halbstündigen Gespräch im Weißen Haus wurden auch die heiklen bilateralen Themen angesprochen: Afghanistankrieg, die Nuklearmacht Iran, der Klimaschutz. Es dürfte dabei nicht nur Einigkeit zwischen den Beiden gegeben haben. Denn Obama kann, selbst wenn er wollte, beim Klimaschutz nicht so weit gehen, wie die Europäer das möchten. Merkel wiederum hat wenig Spielraum, dem Wunsch Washingtons nach mehr Hilfe - vor allem nach mehr militärischer Unterstützung - in Afghanistan nachzukommen. Trotzdem war der Kurzbesuch Merkels ein von Harmonie geprägter Höhepunkt in den historisch engen Beziehungen zwischen Deutschland und den USA.
 

dpa