Der Südsudan kommt nicht zur Ruhe

dpa/Phillip Dhil

Ethnische Rivalitäten und wirtschaftliche Interessen befeuern im Südsudan einen mörderischen Konflikt.

Der Südsudan kommt nicht zur Ruhe
Im jüngsten Staat Afrikas zeichnet sich kein Ende des Blutvergießens ab. UN-Hochkommissarin Pillay scheiterte im Südsudan mit ihrer Mission, die Konfliktparteien wenigstens zu einem Monat Kampfpause zu bewegen.

Die Konfliktparteien im Südsudan haben einen Vorschlag der Vereinten Nationen für eine Waffenruhe von 30 Tagen abgelehnt. Präsident Salva Kiir und Rebellenführer Riek Machar hätten die Chance auf ein einstweiliges Ende des Blutvergießens nicht genutzt, kritisierte die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, am Mittwoch bei ihrem Besuch in der südsudanesischen Hauptstadt Juba. Zuvor hatte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon telefonisch an Präsident Kiir appelliert, die "entsetzlichen Tötungen" von Zivilisten sofort zu stoppen.

Pillay hatte Rebellenchef Machar an einem unbekannten Ort unter einem Baum getroffen. Die 35 Minuten dauernde Begegnung sei gut verlaufen, erklärte sie. Machar erklärte sich erstmals bereit, Berichten über ein Massaker an rund 200 Zivilisten in der Erdölstadt Bentiu nachzugehen. Pillay konnte aber selbst nicht in die von Rebellen gehaltene Stadt reisen, wo sie im Auftrag des UN-Sicherheitsrats Informationen über die Gräueltaten sammeln wollte.

UN-Diplomatin warnt vor Hungersnot

Pillay drängte auch Präsident Kiir bei einem Treffen zu einer Feuerpause, damit endlich die Felder bestellt werden könnten. Ohne Aussaat drohe der Ausfall der Ernte, warnte sie. Die Anführer der Bürgerkriegsparteien würden somit auch die Verantwortung für die heraufziehende Hungersnot tragen. Die Rivalen Kiir und Machar hätten sich jedoch unbeeindruckt vom Leiden ihrer Landsleute gezeigt, sagte Pillay.


Die UN-Hochkommissarin sagte, sie habe sowohl Kiir als auch Machar klar gemacht, dass die Kriegsverbrechen im Südsudan untersucht würden. Die Verantwortlichen müssten voll zur Rechenschaft gezogen werden, verlangten die südafrikanische Juristin wie zuvor schon Ban Ki Moon.

Der internationalen Gemeinschaft warf Pillay vor, auf den Konflikt zwischen den Truppen Kiirs und den Rebellen Machars zu langsam zu reagieren. Die dringend nötige Verstärkung der UN-Truppe sei noch immer nicht eingetroffen. Der UN-Sicherheitsrat hatte im Dezember eine Aufstockung der Soldaten und Polizisten von 7.700 auf 13.200 Mann beschlossen. Die UN-Mitgliedsländer zögern jedoch mit dem Bereitstellen von Einheiten.

Der Südsudan wird seit Mitte Dezember von einem blutigen Konflikt erschüttert, der sich zu einem Bürgerkrieg zwischen den Ethnien der Nuer und der Dinka auszuweiten droht. Auslöser war ein Machtkampf zwischen Präsident Kiir und seinem abgesetzten Stellvertreter Machar. Nach UN-Angaben wurden bereits Tausende Menschen getötet. Mehr als 1,2 Millionen Männer, Frauen und Kinder sind auf der Flucht. Der Südsudan ist der jüngste Staat Afrikas. Er hat sich nach einem langen Unabhängigkeitskriegs im Juli 2011 vom Sudan gelöst.

Der UN-Sondergesandte zur Verhinderung von Völkermord, Adama Dieng, äußerte sich bei einem Besuch von Flüchtlingen auf dem UN-Gelände in der Stadt Bor schockiert über ihre schweren Traumatisierungen. Landesweit kampieren etwa 80.000 Menschen auf Grundstücken der UN. Die Verhältnisse in den überfüllten Lagern sind katastrophal. Oft gibt es für 350 Menschen nur eine Latrine.