Opferverein fordert Schließung der Odenwaldschule

Opferverein fordert Schließung der Odenwaldschule
Nach dem Verdacht auf Kinderpornografie an der Odenwaldschule im südhessischen Heppenheim hat der Opferverein "Glasbrechen" die Auflösung der sogenannten Familiensituation an der Schule verlangt.

Er neige inzwischen aber auch immer mehr dazu, "die Schule mit den ihren offenbar immanenten Problemen zu schließen", sagte der Vorsitzende des Vereins, Adrian Koerfer, am Osterwochenende in Frankfurt am Main. Es dürften keine neuen Schüler mehr aufgenommen und von den Jugendämtern keine neuen Schutzbefohlenen mehr dorthin geschickt werden, sagte Koerfer.

Das Mitglied des hessischen Landesjugendhilfeausschusses, Marcus Bocklet (Grüne), sagte im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) daran, der Ausschuss habe bereits 2012 an die reformpädagogische Internatsschule appelliert, das Zusammenleben von Pädagogen und Schülern unter einem Dach aufzugeben. Er forderte die Odenwaldschule im Heppenheimer Ortsteil Ober-Hambach auf, im Zusammenhang mit dem Kinderpornografieverdacht gegen einen Lehrer rasch zu klären, ob der Mann auch gegen Schülerinnen und Schüler sexuell übergriffig geworden sei. Solange allerdings keine Beweise für seine Taten vorlägen, gelte die Unschuldsvermutung, hob Bocklet hervor.

Am Ostersamstag hatte die Heppenheimer Schule mitgeteilt, dass ein Lehrer im Verdacht stehe, im Internet Kinderpornos heruntergeladen zu haben. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt habe bei der Durchsuchung seiner Wohnung auf dem Internatsgelände entsprechendes Material sichergestellt.

Abschlussbericht: 115 Jungen und 17 Mädchen wurden Opfer

Nach einem Bericht des "Mannheimer Morgens" waren die Ermittler durch einen Hinweis der australischen Polizei auf den Mathematik-, Physik- und Chemielehrer aufmerksam geworden. Demnach soll die Internet-Adresse dort im Zuge von Ermittlungen gegen einen internationalen Kinderporno-Ring aufgetaucht sein. Odenwaldschüler seien nicht betroffen, heißt es in der schriftlichen Erklärung der Schule. Der Lehrer sei seit 2011 in dem Internat beschäftigt gewesen.

Erst im März hatte die Schule einen neuen Anlauf zur Aufklärung des jahrzehntelangen sexuellen Missbrauchs von Schülern durch Lehrer unternommen und Wissenschaftler aus Rostock und München mit der Aufarbeitung betraut. Die Wissenschaftler sollen ab Mai untersuchen, wie es zu den Übergriffen kam und wie diese trotz Bekanntwerden 1999 erneut verdrängt werden konnten.

An der Schule wurden nach einem im Dezember 2010 vorgestellten vorläufigen Abschlussbericht in den Jahren zwischen 1965 und 1998 insgesamt 115 Jungen und 17 Mädchen Opfer von sexuellem Missbrauch. Die Verbrechen wurden erst im Frühjahr 2010 grundlegend aufgedeckt. Der Bericht führt als Täter 13 Lehrer und Mitarbeiter, eine Lehrerin und vier Mitschüler auf. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt hat sämtliche Ermittlungsverfahren gegen 15 ehemalige Lehrkräfte und Mitarbeiter sowie einen Ex-Schüler eingestellt, weil die mutmaßlichen Taten verjährt waren.
 

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