Kriminologe fordert Historikerkommission zu Luthers Antijudaismus

Kriminologe fordert Historikerkommission zu Luthers Antijudaismus
Der Kriminologe Christian Pfeiffer fordert die evangelische Kirche zur grundlegenden Aufarbeitung der Folgen von Martin Luthers Antijudaismus auf.

"Das Spektrum der Möglichkeiten reicht von einer Historikerkommission, wie sie etwa das Auswärtige Amt oder verschiedene große Firmen eingesetzt haben, bis hin zu einem sorgfältig vorbereiteten und gründlich dokumentierten Symposium", heißt es in einem Beitrag des Direktors des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen für das Magazin "Cicero" (Aprilausgabe). Bis zum Reformationsjubiläum 2017 bleibe "ausreichend Zeit, das Versäumte nachzuholen".

"Die Verbindung der evangelischen Kirche zum Antisemitismus dürfte einen wichtigen Beitrag dazu geleistet haben, dass die NSDAP bei den Reichstagswahlen vom Juli 1932 zum ersten Mal mit 37,2 Prozent stärkste Partei wurde", heißt es in dem Beitrag Pfeiffers weiter. Wie der Wahlforscher Jürgen Falter ermittelt habe, "verdankte sie ihren Sieg den evangelischen Wählern. Von ihnen hatte sich jeder Zweite für Hitler entschieden, von den Katholiken dagegen nur jeder Fünfte", fügte der Jurist hinzu.

Margot Käßmann, Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), sagte in einem "Cicero"-Gespräch: "Natürlich ist Luthers Schrift von 1543 über die 'Juden und ihre Lügen' furchtbar." 20 Jahre zuvor habe er judenfreundlich argumentiert. Käßmann: "Wir können uns von der Schuld nicht freisprechen, dass im Protestantismus ein starker Antijudaismus vorhanden war. Insofern gibt es eine Schuldgeschichte." Allerdings sei ein solcher Antijudaismus heute in der evangelischen Kirche undenkbar.

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