Carl Philipp Emanuel Bach: "Aus der Seele muss man spielen"

Carl Philipp Emanuel Bach

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Ein um 1770 entstandenes Aquarell zeigt den Musiker und Komponisten Carl Philipp Emanuel Bach.

Carl Philipp Emanuel Bach: "Aus der Seele muss man spielen"
Komponist aus berühmter Familie wurde vor 300 Jahren geboren
Wer heute "Bach" sagt, meint seinen Vater. Doch zu Lebzeiten war Carl Philipp Emanuel Bach sogar berühmter als Johann Sebastian. Der Sohn war Hofcembalist in Berlin und Musikdirektor in Hamburg. Vor 300 Jahren wurde er in Weimar geboren.

Die Musik war ihm in die Wiege gelegt. Am 8. März 1714 wurde Carl Philipp Emanuel Bach in Weimar geboren, als zweitältester Sohn Johann Sebastian Bachs. Bereits mit elf Jahren konnte er die Cembalo-Musik des Vaters fließend vom Blatt spielen. In dessen Fußstapfen stieg er aber zunächst nicht: Auf Wunsch des Vaters begann Carl Philipp Emanuel 1731 ein Jurastudium, zunächst in Leipzig, dann in Frankfurt/Oder.

Als Cembalist nach Ruppin berufen

Doch schon sein Studium finanzierte der 20-Jährige mit Musik. Er unterrichtete Cembalo, dirigierte und komponierte. Und hatte wenig Lust auf ein Advokatenleben: Mit 24 wurde er vom damaligen preußischen Kronprinzen Friedrich als Cembalist ins mecklenburgische Ruppin berufen. Und als der Prinz 1740 König wurde, folgte ihm der junge Bach als fest angestellter Konzertcembalist an die Hofkapelle in Berlin.

In Berlin entstanden ab 1740 die sechs Preußischen Sonaten, ab 1742 die sechs Württembergischen Sonaten. Sie gelten als die wichtigsten Zeugnisse der neuen Stilrichtung "Empfindsamkeit": "Mich deucht, die Musik müsse vornehmlich das Herz rühren, und dahin bringt es ein Clavierspieler nie durch blosses Poltern und Trommeln, wenigsten bey mir nicht", schrieb Carl Philipp Emanuel Bach. Und: "Aus der Seele muss man spielen und nicht wie ein abgerichteter Vogel."

In den 28 Jahren seines Hofdienstes in Berlin wurde "CPE Bach" zu einem der bekanntesten "Clavieristen" Europas. Er schrieb mehr als 100 Sonaten und Solowerke, darunter das "Magnificat" (1749), mehrere Sinfonien und Konzerte sowie etliche weltliche Kantaten und Liederbücher. 1753 erschien sein Buch "Versuch über die wahre Art das Klavier zu spielen, mit Exempeln und 18 Probestücken in 6 Sonaten erläutert". Es avancierte zu einem der wichtigsten Dokumente über das musikalische Denken im 18. Jahrhundert. Spötter meinen, viel zu wenig Pianisten hätten es je gelesen. Die Zeitgenossen rühmten ihn. "Er ist der Vater, wir die Bub'n", urteilte Wolfgang Amadeus Mozart: "Wer von uns was Rechtes kann, hat von ihm gelernt."

Trotz wachsender Berühmtheit vermisste Carl Philipp Emanuel in Berlin zunehmend die Wertschätzung des Königs. Nach dem Tod seines Vaters bewarb er sich 1750 vergeblich um dessen Nachfolge als Thomaskantor in Leipzig. Als mit dem Ausbruch des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) das höfische Leben in Berlin nahezu zum Erliegen kam, begann Bach, seinen Wirkungskreis zu vergrößern. Er unternahm Reisen zu Freunden in Hamburg, Bückeburg und Eisenach, gab Konzerte in Gotha und Kassel.

Jedes Jahr 200 Konzerte

1767 starb in Hamburg sein Patenonkel Georg Philipp Telemann, von dem er den zweiten Vornamen hatte. Telemann hatte Bach die Nachfolge gesichert: Am Ostersonntag 1768 übernahm Carl Philipp Emanuel das Amt als Kantor der Gelehrtenschule Johanneum und städtischer Musikdirektor an den fünf Hauptkirchen. Hier gehörten 200 Konzerte zum jährlichen Pensum, vor allem an den vielen kirchlichen Feiertagen.

Doch in der bürgerlich geprägten Kaufmannsstadt wurden auch Festmusiken zu Jubiläen, Amtseinführungen und Feiern jeder Art erwartet - eine immense Arbeitsbelastung. An den Orgeln der Hauptkirchen wurde Carl Philipp Emanuel daher nicht so oft gesehen, und auch an der Lateinschule des Johanneums konnte er sich vertreten lassen. Den gewaltigen Rest bewältigte er dadurch, dass er nicht selten vorhandenes Material neu zusammensetzte, eigenes und fremdes. Auf diese Weise bot er dem Publikum ein breites Musik-Spektrum. 

Viele seiner Stücke waren auch kommerziell erfolgreich und machten ihn weithin bekannt: "Meine Sonaten gehen ab wie warme Semlen", schrieb er. Freigiebig unterstützte er Verwandte und Freunde, wenn es nötig war.

Kontakt zu Lessing, Klopstock, Claudius

Zu den Großen seiner Zeit hielt der weltmännische Tonmeister enge Kontakte. Dazu zählten auch die Dichter Gotthold Ephraim Lessing, Friedrich Gottlieb Klopstock und Matthias Claudius ("Der Mond ist aufgegangen"). "Die Allegro fahren wie schnelle Donnerwetter unter seinen Fingern heraus", schrieb Claudius über den Musiker.

Doch Bach hatte das Pech, zwischen den Epochen zu stehen - er war das Musikgenie im Übergang vom Barock zur Klassik. Als man Mitte des 19. Jahrhunderts die große Musik seines Vaters wieder zu entdecken begann, geriet der Sohn zunehmend in Vergessenheit.

Carl Philipp Emanuel Bach starb am 14. Dezember 1788 in Hamburg, sein Grab befindet sich noch heute in der Krypta der Hauptkirche St. Michaelis ("Michel"). In dem Nachruf einer Tageszeitung stand damals, er sei "eine der größten Zierden der Tonkunst" gewesen, dessen Kompositionen "immer neu, unerschöpflich, groß und kraftvoll bleiben werden".