Kirchenpräsident Jung: Sozialpapier ist tief religiös verankert

Kirchenpräsident Jung: Sozialpapier ist tief religiös verankert
Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung hat das Recht der Kirchen verteidigt, sich zu tagesaktuellen politischen und wirtschaftlichen Fragen zu äußern.

Das am Freitag vorgestellte neue Sozialpapier der evangelischen und katholischen Kirche sei "tief religiös verankert", sagte Jung am Samstag in einer Fernsehdiskussion mit dem ehemaligen Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Mayer. Die gemeinsame ökumenische Stellungnahme sei eine "gute Ansage zu den Problemen der sozialen Marktwirtschaft".


Mayer widersprach dem evangelischen Theologen in der Sendung "Horizonte" des Hessischen Rundfunks vehement. "Es stört mich, wenn sich die Kirchen auf das politische Feld begeben." Sie sollten sich vielmehr auf den einzelnen Menschen konzentrieren. "Ich erwarte religiöse Orientierung", sagte Mayer. "Soziale Gerechtigkeit hat keine religiöse Dimension."

Einig zeigten sich der Ökonom und der Pfarrer, dass die soziale Marktwirtschaft, die "am wenigsten schlechte Wirtschaftsordnung sei. "Wer im Wettbewerb hinten runterfällt, dem muss geholfen werden", stimmte Mayer dem Kirchenpräsidenten zu. Allerdings sei die Marktwirtschaft nicht die Ursache sozialer Ungleichheit, sondern habe "Milliarden von Menschen aus bitterster Armut herausgeholt".

Jung wandte ein, dass Wettbewerb "vieles, aber nicht alles" bewirke. Er müsse reguliert werden. Die Hartz-IV-Reformen vor zehn Jahren würden meist nur unter dem Gesichtspunkt neu entstandener Arbeitsplätze beurteilt. "Aber seitdem haben wir auch immer mehr Tafeln, Sozialkaufhäuser und Suppenküchen", kritisierte der Kirchenpräsident.

Kritisch äußerte sich Jung zur Feststellung von Papst Franziskus, dass "Wirtschaft tötet". Die Verhältnisse in Argentinien, dem Herkunftsland des Papstes, unterschieden sich doch von denen in Europa beträchtlich. Allerdings werde auch in Europa "Armut vererbt". Vorrangiges Ziel zur Herstellung von Chancengleichheit müsse es sein, allen Menschen den Zugang zu Bildung zu ermöglichen.

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