Reformbewegung will mehr Mitsprache bei Wahl des Meisner-Nachfolgers

Reformbewegung will mehr Mitsprache bei Wahl des Meisner-Nachfolgers
Die Reformbewegung "Wir sind Kirche" fordert ein neues Verständnis des katholischen Bischofsamtes, wie dies auch Papst Franziskus formuliert habe.

An der Spitze eines Bistums würden mehr Seelsorger und Hirten und weniger Theologieprofessoren benötigt, sagte Sprecher Christian Weisner dem Evangelischen Pressedienst (epd) mit Blick auf die zu Ende gehende Amtszeit des Kölner Erzbischofs Joachim Meisner. "Die Ernennung eines Nachfolgers muss unter mehr Mitbestimmung der Laien, Aktiven und Pfarrer erfolgen", verlangt Weisner.

Kardinal Meisner, der seit 25 Jahren Erzbischof von Köln ist, war am 25. Dezember 80 Jahre alt geworden. In Kürze wird mit der offiziellen Annahme seines Rücktrittsgesuchs durch Papst Franziskus gerechnet.

Plädoyer für neues Amtsverständnis

Seit Jahren fordere "Wir sind Kirche" mehr Mitsprache und Mitentscheidung der Ortskirchen bei den Bischofsbesetzungen, sagte Weisner. Zwar gebe es nach bayerischem oder preußischem Konkordat immerhin Ansätze einer Wahl. "Doch die Gemeinden und das Kirchenvolk bleiben fast immer außen vor", kritisierte der Vertreter der Kirchenvolksbewegung. Bereits im fünften Jahrhundert hätten die Päpste Colestin I. und Leo der Große die Beteiligung der Gläubigen an der Wahl ihres Hirten gefordert.


Bevor das Verfahren für die Kandidantenfindung und Ernennung im Detail neu ausgestaltet werde, müsse dringend über das Profil eines Bischofs gesprochen werden, schlug Weisner vor. "Was brauchen wir für einen Bischof?" laute die zentrale Frage. Neben der Akzeptanz eines Bischofs durch die Gläubigen müsse sich die katholische Kirche auch an dieser Stelle mit ihrer Haltung zu Sexualmoral und Frauenordination befassen.

Weisner kritisiert auch, dass der von katholischen Amtsträgern abzulegende Treueeid gegenüber der katholischen Lehre und dem Papst auf problematische Weise mit einem Glaubensbekenntnis vermischt sei. "Das muss alles auf den Tisch, wenn über das Bischofsamt und das Verhältnis zu Gläubigen in Deutschland geredet wird", sagte er.

Der Konflikt um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst ist nach Ansicht Weisners nicht nur wegen der Baukosten des Bischofssitzes entbrannt. Grund sei auch das Amtsverständnis des Bischofs. Mit Tebartz' Ernennung 2007 habe der damalige Papst Benedikt XVI. das Ziel verfolgt, synodale Strukturen im Bistum zurückzufahren, die noch von den Vorgängerbischöfen befürwortet wurden. In Köln sei der vom Vatikan durchgesetzte Meisner auch nach 25 Jahren ein Außenseiter geblieben. "Es reicht eben nicht, einem Bistum einen konservativen Kardinal vorzusetzen", betonte Weisner. "Das Kirchenvolk ist das Wichtigste."