Deutscher Kinderhospizverein kritisiert belgische Sterbehilfe-Pläne

Deutscher Kinderhospizverein kritisiert belgische Sterbehilfe-Pläne
Der Deutsche Kinderhospizverein ist beunruhigt über Pläne Belgiens, die aktive Sterbehilfe für Minderjährige zu erlauben.

"Das wäre ein Besorgnis erregendes Signal", sagte der Geschäftsführer des Vereins, Martin Gierse, im sauerländischen Olpe dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der Kinderhospizverein habe in den 25 Jahren seines Bestehens noch keinen Wunsch nach aktiver Sterbehilfe erlebt, weder seitens der Kinder noch seitens der Familien, unterstrich Gierse.

Das belgische Parlament will am Donnerstagabend den seit Monaten heftig diskutierten Gesetzesentwurf verabschieden. Er würde die seit 2002 erlaubte aktive Sterbehilfe für Erwachsene auch für todkranke Kinder möglich machen. Eine gesetzlich verankerte aktive Sterbehilfe sei seiner Ansicht nach ein Armutszeugnis für die Gesellschaft, sagte Gierse. Er wandte sich gegen "Tabletten als Lösung".

Fraglich, ob Kinder die Tragweite überblicken

Gierse warnte auch, dass eine solche Gesetzesregelung den Druck auf die Angehörigen erhöhen würde, die den kranken Menschen betreuten: "Die Gesellschaft wird auf eine Familie schauen und fragen: Warum tut ihr euch das an? Es gibt doch viel einfachere Lösungen als so einen hohen Aufwand der Lebensbegleitung in den letzten Tagen." Sobald diese Option aber im Raum stehe, "wird sich eine Familie rechtfertigen müssen für das Leben, und das ist nicht richtig", sagte Gierse.

Zudem sei fraglich, ob Kinder die Tragweite dieser Entscheidung überhaupt überblicken könnten. Anstatt gesetzliche Regelungen zu erlassen, sollten die europäischen Länder die ambulante Hospiz- und Palliativversorgung für kranke Kinder weiter ausbauen. "Eine vernünftige Schmerzversorgung für Kinder sollte garantiert werden", verlangte Gierse. Indessen respektiere der Hospizverein die einzelne Entscheidung eines Kranken für Sterbehilfe.

Der Deutsche Kinderhospizverein entstand 1990 aus einem Zusammenschluss von Familien mit schwerkranken Kindern. Er will betroffenen Familien helfen, sich besser zu vernetzen und zu unterstützen. Außerdem bietet er Hospizdienste mit haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern an, die zum Beispiel mit den kranken Kindern und ihren Geschwistern spielen oder über ihre Sorgen sprechen.