Kirchen fordern Neuausrichtung der EU-Asylpolitik

Kirchen fordern Neuausrichtung der EU-Asylpolitik
Die großen Kirchen fordern die EU-Staaten auf, die europäische Asylpolitik in den nächsten Jahren grundlegend zu reformieren.

Mit Blick auf die im Sommer beginnende Überarbeitung der europäischen Innen- und Justizpolitik legten protestantische, katholische, orthodoxe und anglikanische Kirchenvertreter in Brüssel mehrere Stellungnahmen vor. Unter anderem verlangen sie, dass die Wünsche der Asylsuchenden bei der Bestimmung des Aufnahmelandes berücksichtigt werden sollen.


Die Kirchen kritisieren die sogenannte Dublin-Regelung der EU, laut der grundsätzlich das Ersteinreiseland für das Asylverfahren zuständig ist. Dies führt dazu, dass finanzschwache Länder, zum Beispiel Mittelmeerstaaten wie Griechenland, einen großen Teil der Lasten schultern müssen. Flüchtlingsrechtler bemängeln seit langem, dass die Asylanträge in diesen Ländern häufig nicht gründlich und fair geprüft würden. Auch würden die Wünsche der Schutzsuchenden übergangen, die möglicherweise bestimmte Sprachkenntnisse oder Familie in einem EU-Land haben.

"Ein System der Wahlfreiheit wäre kostengünstiger und effizienter", meint die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Zuschüsse aus EU-Kassen könnten dazu beitragen, ein solches System für die EU-Länder attraktiver zu machen. Die EKD fordert auch mehr Möglichkeiten für eine sichere Einreise, etwa mit Hilfe humanitärer Visa. Sie spricht sich auch dafür aus, mehr Wege der legalen Arbeitsmigration nach Europa zu eröffnen und die Arbeitsmarktpolitik sinnvoll mit der Asylpolitik zu verknüpfen. Ein Asylantrag dürfe indessen kein Grund für eine Inhaftierung sein - zudem dürften unter keinen Umständen Kinder in Haft genommen werden.

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