Rheinische Kirche setzt harten Sparkurs trotz Mehreinnahmen fort

Rheinische Kirche setzt harten Sparkurs trotz Mehreinnahmen fort
Die Evangelische Kirche im Rheinland will trotz erheblicher Mehreinnahmen aus der Kirchensteuer an ihrem drastischen Sparkurs festhalten.

In diesem Jahr werden statt der prognostizierten 575 Millionen Euro insgesamt 593 Millionen Euro aus Kirchensteuern erwartet, wie Finanzdezernent Bernd Baucks am Montagabend in Düsseldorf mitteilte. Trotzdem müssten die Ausgaben erheblich reduziert werden, um nicht "auf Kredit der Zukunft zu leben" und für schwierigere Zeiten vorzusorgen. Der landeskirchliche Etat schreibe zudem schon länger rote Zahlen und könne derzeit nur durch jährliche Rücklagenentnahmen von rund 3,5 Millionen Euro ausgeglichen werden.


Die zweitgrößte deutsche Landeskirche mit über 2,7 Millionen Mitgliedern hatte vor einigen Tagen beschlossen, den Haushalt der landeskirchlichen Ebene binnen fünf Jahren um 20 Millionen Euro zu kürzen - das entspricht 35 Prozent der bisherigen Ausgaben. Die Kirche habe über ihre Verhältnisse gelebt und sich durch Mehrausgaben "künstlich Spielräume geschaffen", bekräftigte Präses Manfred Rekowski jetzt. Die Verantwortung für finanzielle Lasten und Risiken - dazu zählt vor allem die Ruhestandsversorgung für die Pfarrer und Kirchenbeamten - dürfe zudem nicht künftigen Generationen überlassen werden.

Für 2014 kalkuliert die rheinische Kirche mit Kirchensteuereinnahmen von 586 Millionen Euro. Sie fließen größtenteils in die 739 Kirchengemeinden zwischen Niederrhein und Saar, die Landeskirche erhält über eine Umlage für ihre Aufgaben lediglich 10,1 Prozent. Finanzchef Baucks erklärte die aktuell günstigen Zahlen mit der guten Wirtschaftslage und nannte es "blauäugig", von weiter steigenden Einnahmen auszugehen. Die Zahl der kirchensteuerpflichtigen Mitglieder nehme ab, zudem sei die relative Kaufkraft trotz nomineller Zuwächse schon jetzt gesunken. Er rechne bis 2030 mit einem nominellen Kirchensteuerrückgang von 30 Prozent.

Die freien Rücklagen der Landeskirche liegen derzeit noch bei 34 Millionen Euro. Sie waren zur Rettung des kircheneigenen Unternehmens bbz um über 20 Millionen Euro abgeschmolzen worden, hinzu kamen regelmäßige Entnahmen zum Ausgleichs des landeskirchlichen Haushalts. Präses Rekowski kündigte an, die rheinische Kirche werde über die geplanten Einschnitte zügig entscheiden, um sich dann wieder stärker auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren zu können. Bis Anfang 2015 soll über die Streichung von 20 Millionen Euro entschieden sein.

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