Zu wenig christlich? Streit um das "Wort zum Sonntag"

Das Wort zum Sonntag - Nora Steen

Foto: ARD/Anja Frick

Pastorin Nora Steen, seit dem 2. April 2011 Sprecherin des Worts zum Sonntag.

Zu wenig christlich? Streit um das "Wort zum Sonntag"
Streit um das Wort zum Sonntag: Die Sendung am ersten Advent sei zu wenig christlich gewesen, kritisiert der evangelikale Medienverbund KEP. Der Advent sei von Pfarrerin Nora Steen zu "Wellness- und Gourmetwochen" umgedeutet worden.

Der Geschäftsführer des Christlichen Medienverbunds KEP, Wolfgang Baake, hat das "Wort zum Sonntag" vom vergangenen Samstag als "missglückt" kritisiert. Pastorin Nora Steen habe das Wort "Advent" zwar 13 Mal erwähnt, aber "nicht mit einer Silbe" davon gesprochen, "was dieses Wort für Christen bedeutet: Die Erwartung der Ankunft Jesu Christi", erklärte Baake am Montag in Wetzlar.

Der Medienbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Markus Bräuer, sagte dazu dem Evangelischen Pressedienst (epd), an das "Wort zum Sonntag" und seine Sprecher würden "sehr unterschiedliche Wünsche und Erwartungen gerichtet, die nicht immer alle erfüllt werden können".

Baake kritisierte in einem Brief an Bräuer, dass Nora Steen nur den "Zauber" thematisiert habe, der "Kinderherzen in der Vorweihnachtszeit erfülle". Sie habe von Adventskalendern, Glöckchen und dem "Duft von Zimt, Vanille, Tanne und Bienenwachs" gesprochen, aber die Botschaft des Advent von der "Menschwerdung Gottes" habe in dem "Wort zum Sonntag" keine Rolle gespielt. "Folgt man Frau Steen, könnten wir von nun an auch von 'Wellness- und Gourmetwochen' sprechen", schrieb Baake.

Pastorin Nora Steen sagte dem epd, ihr "Wort zum Sonntag" in der ARD habe sich "vor allem an die vielen kirchenfernen Zuschauer" gerichtet, denen sie "einen niedrigschwelligen Zugang zum Thema der Erwartung der Ankunft des Gottessohnes ermöglichen wollte". Es tue ihr leid, dass sie damit die Erwartung einiger Christen enttäuscht habe. Sie werde dies in ihrer künftigen theologischen Arbeit bedenken. Steen ist Pastorin im evangelischen Kloster Wülfinghausen in Niedersachsen und leitet dort das "Haus der Stille".

Der KEP-Geschäftsführer bat Bräuer, darauf zu achten, "dass vor allem in der Adventszeit mehr von unserem Herrn gesprochen" werde. Bräuer sagte dem epd, er schätze Baake als "meinungsfreudigen und kritischen Begleiter der kirchlichen Medienarbeit". Er werde im Team mit den Beauftragten für das "Wort zum Sonntag" über die Kritik sprechen.

Der Christliche Medienverbund KEP ist ein Zusammenschluss evangelikal orientierter Journalisten, Publizisten, Verleger und Vertreter von Medienorganisationen. Er ist hervorgegangen aus der Konferenz Evangelikaler Publizisten (KEP).

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