"Der Unfall hat mir gezeigt, wie kostbar das Leben ist"

37 Grad: Samuel Koch - Das zweite Leben

Foto: ZDF/Lutz Brée

Bei der Ergotherapie - Samuel Koch führt selbstständig einen Becher zum Mund.

"Der Unfall hat mir gezeigt, wie kostbar das Leben ist"
Ein Porträt über Samuel Koch - heute Abend in der ZDF-Reihe "37 Grad"
Fast drei Jahre ist es her, dass der Schauspielstudent Samuel Koch in "Wetten, dass...?" schwer verunglückte. Seitdem ist er gelähmt. Zwölf Monate lang hat ein Filmteam ihn in seinem Alltag begleitet und gewährt in der ZDF-Sendung "37 Grad" heute Abend (26. November, 22.15 Uhr im ZDF) Einblicke in das Leben Kochs. Der junge Christ erzählt, welche Rolle sein Glaube seit dem Unfall spielt.

Samuel Koch liegt auf dem Bett, Arme und Beine von sich gestreckt. Zwei Männer – sein Bruder und ein Freund – beugen sich über ihn und pressen mit ihren Händen kräftig auf seinen Oberkörper. Seine Hand zittert unkontrolliert, er beginnt zu husten. Nur mit Hilfe anderer kann seine Lunge so vom Schleim befreit werden. Eine Prozedur, die mehrmals am Tag wiederholt werden muss und die lebensnotwendig sein kann: "Eine Lungenentzündung ist die häufigste Todesursache bei Tetraplegikern", erklärt Koch in der Sendung "37 Grad" des ZDF.

Samuel Koch sitzt oft auf einem Spielplatz neben dem Haus, in dem er wohnt. Mit Kindern zu toben, das vermisst er sehr

Es ist die stärkste Szene der 30-minütigen Dokumentation, für Samuel Koch war sie alles andere als einfach: "Es fällt mir schwer, das filmen zu lassen. Ich bin in einer demütigend und hilflos ausgelieferten Situation", sagt er. Aber er möchte nicht, dass man ihn nur durchgestylt auf Bühnen sitzen sieht, als habe er ein "Larifari-Leben", seit er behindert ist. "Es soll nicht so aussehen als ob man bedient wird und alles ganz einfach ist. In Wirklichkeit ist es das Gegenteil."

Anfang Dezember wird es drei Jahre her sein, dass Samuel Koch in der ZDF-Sendung "Wetten, dass...?" verunglückte. Viermal ist sein Genick gebrochen. Seitdem ist er Tetraplegiker – seine Arme und Beine sind gelähmt. Den Unfall hat er sich nie wieder angesehen, doch seine Gedanken kreisen immer wieder darum: "Ich frage mich, wie das passieren konnte. Das war mein tägliches Geschäft." Ein Jahr lang blieb er nach dem Unglück in Krankenhäusern und Kliniken, seither kämpft er darum, ein Stück Normalität zurück zu gewinnen.

"Glaube an Gott war lebenserhaltende Maßnahme"

Zur neuen Realität gehört die tägliche Ergotherapie. Koch soll lernen, seinen Körper zu spüren, seine Beweglichkeit zu verbessern. Außerdem studiert er wieder an der Schauspielschule, hinzu kommen Engagements als Sprecher, die langen Abende mit Freunden – und er sucht die Öffentlichkeit. Er liest aus seinen Buch, spricht mit Menschen und hält eine Bibelarbeit auf dem evangelischen Kirchentag.

Warum ihm die Menschen zuhören? "Ich verstehe es selber nicht", gesteht Koch. "Vielleicht berechtigt mich der Voyeurismus der Zuschauer." Sein Leben ist schnell getaktet, es scheint, als würde er sich nur die Pflichtpausen gönnen. Er selbst nennt es "gesunde Ablenkung".

In jeder Szene der Dokumentation ist zu spüren, wie sehr Samuel Koch leben und das Leben genießen will. Sein Ehrgeiz hat ihn nicht verlassen – immer wieder erarbeitet er sich kleine Fortschritte. Trotzdem scheint vieles in weite Ferne gerückt zu sein. "Eigentlich wollte ich früh Papa werden und mit meinen Kindern Fußball spielen", sagt Koch. "Das ist auf meiner Liste mit Dingen, die ich am meisten vermisse, ganz oben." Er sagt das mit Melancholie in der Stimme, aber ohne dabei verbittert zu klingen.

"Der Unfall hat mir gezeigt, wie kostbar das Leben ist." Seitdem habe er gelernt, Momente zu genießen und das Leben noch mehr zu schätzen. Er empfange viel Liebe und bekomme sehr viel Gutes getan – beides versuche er möglichst weiter zu geben. Woher er die Kraft nimmt? Für Samuel Koch ist das keine Frage: "Für mich war der Glaube an Gott eine lebenserhaltende Maßnahme. Ich weiß nicht, woher ich sonst den Antrieb nähme."

Im Interview mit evangelisch.de erzählt Samuel Koch, wie er seinen Glauben lebt und was sich für Menschen mit Handicap in Deutschland alles ändern muss.

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