Schiffstragödie: Migranten verklagen europäische Armeen

Schiffstragödie: Migranten verklagen europäische Armeen
Überlebende einer Flüchtlingstragödie vor der libyschen Mittelmeerküste gehen gerichtlich gegen die Armeen mehrerer EU-Staaten vor.

Drei Migranten wollen am Dienstag vor einem Brüsseler Gericht Klage gegen die Armee Belgiens einreichen, wie die internationale und die belgische Menschenrechtsliga als Unterstützer der Gruppe am Montag berichteten. Ähnliche gerichtliche Initiativen gegen die Armeen Frankreichs, Spaniens, Italiens und Großbritanniens sowie Kanadas sind bereits angelaufen oder in Vorbereitung.

Die drei Migranten gehörten zu einer Gruppe von 72 Flüchtlingen aus verschiedenen afrikanischen Ländern, die im Frühjahr 2011 versucht hatten, mit dem Boot den Bürgerkriegswirren in Libyen zu entkommen. Die Menschen trieben zwei Wochen lang hilflos auf dem Meer, nachdem das Boot manövrierunfähig geworden war. 63 von ihnen starben. Militärkräfte verschiedener Länder, die sich im Rahmen eines NATO-Einsatzes in libyschem Gebiet befanden, wussten von der Notsituation der Flüchtlinge.

Die Flüchtlingsorganisationen berichten, dass Hubschrauber und ein Flugzeug über das Boot hinweggeflogen seien. Ein Hubschrauber warf Wasserflaschen und Kekse ab. Ein Ende fand das Todesdrama erst, als das Boot wieder an der libyschen Küste angespült wurde. Nur neun Menschen überlebten und schafften später teilweise noch die Flucht nach Europa.

Im März 2012 schrieb die Parlamentarische Versammlung des Europarats in Straßburg der NATO und europäischen Regierungen eine Mitschuld an der Tragödie zu.

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