Kriegerdenkmäler in Kirchen?

Kriegsopfermal in Frankfurt am Main

Foto: epd-bild / Stephan Krems

Plastik eines liegenden Soldaten von dem Bildhauer Paul Seiler im Kriegsopfermal auf dem Hauptfriedhof in Frankfurt am Main.

Kriegerdenkmäler in Kirchen?
Die Deutschen haben viele Kriege geführt. Denkmäler erinnern daran - auch in etlichen, insbesondere protestantischen Kirchen. Oft strahlen diese Denkmäler ein kriegsverherrlichendes Pathos aus, das im 21. Jahrhundert kaum noch erträglich ist.

Lange Zeit hatte sich kaum jemand für die beiden Soldatenfiguren aus dem Jahr 1934 interessiert, die in einer Seitenkapelle der Wormser Dreifaltigkeitskirche ihre Hände flehentlich zum auferstanden Jesus recken. Der Raum war mit allerlei Gerätschaften zugestellt und nicht frei zugänglich.

Als die Gemeinde den Entschluss fasste, die Kappelle zu renovieren und als "Raum der Stille" für die Öffentlichkeit zu öffnen, stellte sich die Frage, ob das Gefallenendenkmal heute noch in eine Kirche passt.

Ursprünglich plante die Gemeinde, eine Art Schrank um das Denkmal für die Toten des Ersten Weltkriegs herum zu bauen. Doch darauf wurde dann doch verzichtet. "Der erbarmende Christus neigt sich herunter zu den Gefallenen, das ist nichts Kriegsverherrlichendes", sagt Gemeindepfarrer Volker Fey zur Begründung.

Stein des Anstoßes

In ganz Deutschland begann nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 eine regelrechte Gedenktafelschwemme. Auf Inschriften aus jener Zeit heißt es "Deutschland muss leben, auch wenn wir sterben müssen" oder "Den Gefallenen zum unvergänglichen Ruhm, den Lebenden zur Erhebung, den künftigen Geschlechtern zu Nacheifrung". Alljährlich zum Volkstrauertag werden dort Kränze abgelegt und ebenso regelmäßig gibt es auch Ärger.

Diego Vogt, Landesgeschäftsführer beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Mainz, warnt generell vor einem "Bildersturm", mit dem sich Kirchengemeinden keinen Gefallen tun würden. Sogar Denkmäler, die nicht mehr dem Zeitgeist entsprechen, seien als Mahnung wichtig, glaubt er: "Man sieht, dass Frieden keine Selbstverständlichkeit ist."

In der Speyerer Dreifaltigkeitskirche bilden aktuell eine rote Natursteinplatte mit den Worten "Durch Sterben zum Leben" und "Sie starben für uns" sowie ein aus dem Stein gehauener Soldatenkopf mit Stahlhelm einen Stein des Anstoßes. Seit Oktober erläutert eine neben das Denkmal gehängte Erklärungstafel die historischen Hintergründe seiner Entstehung. Die Debatte um einen möglichen Abbau und Umzug des Soldatenkopfs auf den Friedhof hält dennoch an.

"Lebt für den Frieden"

Für Stadtarchivar Joachim Kemper ist das Denkmal von 1929 typisch für die Zeit nach der katastrophalen Niederlage im Ersten Weltkrieg. Damals sei es weit verbreitet gewesen, den Kriegstod mit dem Opfertod Christi am Kreuz in Verbindung zu bringen.

Zur selben Zeit wie in Speyer entstanden anderenorts in Deutschland bereits gegen Krieg und Gewalt gerichtete Mahnmale anstelle kriegsverherrlichender Monumente: Ernst Barlachs Magdeburger Ehrenmal von 1929 aus dem Dom der Elbe-Stadt gilt heute als eines der größten Meisterwerke des Bildhauers. Die Nationalsozialisten hatten die überlebensgroße Holzskulptur dreier, teils schon skelettierter Soldaten als "entartete Kunst" aus der Kirche verbannt, erst nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte die Figurengruppe zurück.

Wolfgang Geffe, Friedensbeauftragter der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, hat zu kirchlichen Kriegsdenkmälern eigens eine kleine Ausstellung konzipiert. Darin greift er auch Beispiele seiner Meinung nach gelungener Erinnerungskultur auf: So hatte sich die Gemeinde Gutendorf bei Weimar entschieden, in ihr Weltkriegsdenkmal einen Zusatz einzumeißeln. Auf dem monumentalen Eisernen Kreuz aus Stein steht nun auch zu lesen: "Gedenket der Toten und lebt für den Frieden".