EKD-Synode: Familie, Farce und Farbenspiele

Synodentagung der EKD in Düsseldorf eröffnet

Foto: epd-bild/Norbert Neetz

Blick ins Plenum der in Düsseldorf tagenden EKD-Synode. Das Treffen ging am Mittwoch zu Ende.

EKD-Synode: Familie, Farce und Farbenspiele
Treffen des Kirchenparlaments offenbart Risse in der evangelischen Kirche
Die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat ihre diesjährige Tagung beendet. Schwerpunkt war unter dem Leitwort "Es ist genug für alle da" das Thema Welternährung und nachhaltige Landwirtschaft. Überschattet wurde das Treffen vom Wahldrama um Günther Beckstein, der vergeblich um den Synodenvorsitz kandidierte. Auch in der Debatte um das EKD-Familienpapier zeigten sich Brüche innerhalb der Kirche. Auf den nächsten Ratsvorsitzenden, der 2015 gewählt wird, warten schwierige Aufgaben. Eine Bilanz.

Irmgard Schwaetzer gab sich aufgeräumt. Die Unstimmigkeiten bei der Düsseldorfer EKD-Synode streifte die neue Präses beim abschließenden Pressegespräch nur kurz, ging flugs zu den inhaltlichen Schwerpunkten über. In allen Fragen von Nachhaltigkeit, Entwicklungsarbeit, Flüchtlingspolitik sei Kirche engagiert, auf dem Fundament des Glaubens werde sie auch weiterhin nachdrücklich Stellung beziehen. Schwaetzer kündigte EKD-Studien zu Afghanistan und zum Thema Inklusion an und warf dann einen Vorausblick auf die nächste Tagung des Kirchenparlaments: 2014 in Dresden wird sich die Synode mit der Verkündigung in der digitalen Welt befassen.

"Keine ganz normale Synode"

Also Business as usual? Nicht wirklich. Von einem "überraschenden" Treffen sprach Schwaetzer. Es sei "keine ganz normale Synode" gewesen, sagte der frühere bayerische Landesbischof Johannes Friedrich in seiner Predigt im Abschlussgottesdienst am Dienstagabend. Verletzungen habe es gegeben, auch wenn dies bei demokratischen Wahlen unvermeidlich sei. Natürlich spricht Friedrich über seinen bayerischen Landsmann Günther Beckstein, der bei der Wahl zum Synodenpräses spektakulär durchgefallen war. Das Drama prägte das gesamte Treffen, das schlechte Gewissen gegenüber Beckstein, der seine Arbeit als Vizepräses eher lustlos weiterführte, war spürbar.

Der konservative Beckstein, der zuletzt durch seine Kritik am umstrittenen EKD-Familienpapier aufgefallen war, hatte im Kirchenparlament keine Chance. Um den CSU-Politiker zu verhindern, hätte die linksliberal gestimmte Synodenmehrheit fast eine blasse Zählkandidatin an die Spitze gewählt. Brigitte Boehme, ehemalige Richterin am Hanseatischen Oberlandesgericht in Bremen, erhielt im ersten Wahlgang 60 Stimmen, 64 wären notwendig gewesen. Nach dem Patt zogen beide Kandidaten zurück, der Weg war frei für die altgediente FDP-Frau Irmgard Schwaetzer. Sie wird die Synode bis 2015 leiten.

War das Wahldrama zu verhindern? Beckstein war fest zur Kandidatur entschlossen. Offenbar hatte ihm niemand gesagt, dass er nicht durchsetzbar sein würde. Ein Kirchenparlament ist ein kompliziertes Gebilde. Es gibt keine klaren Fraktionen oder Koalitionen, sondern lediglich drei grobe Strömungen, die konfessionell, politisch oder landsmannschaftlich verbunden sind. Scheinbar gab es keine Kontakte oder Absprachen, um eine Wahlfarce wie am Sonntag zu verhindern. Oder die Mechanismen haben schlicht versagt.

"Ökumene der fatalen Art"

Wer als Papst ins Konklave geht, kommt als Kardinal wieder heraus: Diesen katholischen Grundsatz bekam nun auch der Protestant Beckstein zu spüren, der seine Wahlniederlage auf die evangelische "Farbenlehre" zurückführte, die eher auf rot-grün als auf schwarz getrimmt sei. Es war indes nicht der einzige bizarre ökumenische Gesichtspunkt, der sich bei dem Düsseldorfer Treffen offenbarte. Erstaunt musste die EKD-Synode zur Kenntnis nehmen, dass wegen des Limburger Bauskandals auch Menschen aus der evangelischen Kirche austreten. Von einer "Ökumene der fatalen Art" sprach denn auch der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider.

Auch das Thema Kirchenfinanzen, das nach Limburg verstärkt diskutiert wird, schlägt auf die evangelische Kirche durch. Die 20 Landeskirchen spüren öffentlichen Rechtfertigungsdruck, wofür sie die jährlich knapp zehn Milliarden Euro ausgeben, die ihnen zur Verfügung stehen. Knapp die Hälfte davon stammt aus der Kirchensteuer. Der EKD-Haushalt umfasst hingegen gerade einmal 180 Millionen Euro. Dass man das Thema Kirchenfinanzen gar nicht so defensiv angehen muss, wie es oft geschieht, stellte nicht zuletzt Schneider unter Beweis, als er dem Papst und dessen Wort von der "armen Kirche" widersprach. Der Diskussion über eine mögliche Ablösung der Staatsleistungen sieht der Ratschef im Übrigen gelassen entgegen.

In seinem Bericht an die Synode widmete sich Schneider hauptsächlich einem anderen Thema: Das im Juni erschienene EKD-Familienpapier hat für heftige Diskussionen gesorgt. Die theologisch schwach untermauerte "Orientierungshilfe" äußert Wertschätzung für die klassische Ehe wie für andere Lebensformen, etwa Patchworkfamilien und homosexuelle Partnerschaften. Unklar ist, ob die Kirche beim "Leitbild" Ehe bleiben will oder einen Kurswechsel vollzieht. Die Kammer für Theologie wurde von der Synode beauftragt, zu dem Thema ein weiteres Papier zu verfassen. Ob die Irritationen damit ausgeräumt werden, bleibt offen.

Starke Minderheit gegen Orientierungshilfe

Die EKD-Synode stimmte nicht formal über das Familienpapier ab – allerdings wurde Becksteins Wahlniederlage als Fingerzeig gewertet, dass das Kirchenparlament in dieser Frage gespalten ist. Eine starke Minderheit unter den Delegierten wendet sich gegen die als Abwertung der Ehe empfundene Positionsbestimmung. Das entspricht auch dem Eindruck, der sich aus der Diskussion der vergangenen Wochen ergibt. Schneider selbst wendet sich gegen diese Interpretation. Doch den Hinweis, die Mehrzahl der Fachleute beim Berliner Symposium habe aus dem Papier eine Abwertung der Ehe herausgelesen, konnte auch Schneider nicht entkräften.

Geht ein Riss durch die evangelische Kirche? Ihn zu kitten, wird eine der Aufgaben von Schneiders Nachfolger im Ratsvorsitz sein, der 2015 gewählt wird. Gegenwärtig sieht es so aus, als laufe das Rennen auf den bayerischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hinaus. Er wurde in Düsseldorf überzeugend in den Rat gewählt, selbst auf den offiziellen EKD-Seiten wird er offen als "Mann der Zukunft" bezeichnet. Doch er wäre nicht der erste Bayer, der vom Papst zum Kardinal wurde. Deshalb blieb Bedford-Strohm auf der Synode bescheiden: Über das Ende der Wahlperiode blicke er noch nicht hinaus.

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