Kirchenhistoriker beobachtet Bedeutungsverlust des Pfarrhauses

Kirchenhistoriker beobachtet Bedeutungsverlust des Pfarrhauses
Das Pfarrhaus hat nach Ansicht des Leipziger Kirchenhistorikers Klaus Fitschen heute kaum mehr Bedeutung für die Gesellschaft.

"Ich glaube nicht, dass Pfarrhäuser die Gesellschaft heute prägen", sagte der Theologe in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Insbesondere verwies er dabei auf den gesellschaftlichen Wandel in Westdeutschland seit den 60er Jahren sowie die Entkirchlichung Ostdeutschlands.

Im Unterschied zu heute habe der Pfarrer in den vergangenen Jahrhunderten zur lokalen Elite gehört, sagte Fitschen. "Er brachte bürgerliches Leben ins Dorf." Der Leipziger Kirchenhistoriker verwies besonders auf das bürgerliche Bildungsideal, das in vielen Pfarrhäusern vermittelt worden sei. Pfarrhäuser seien in Land und Stadt deutlicher sichtbar gewesen.

Gleichzeitig kritisierte Fitschen die hohen Erwartungen an Pfarrer und ihre Familien bis heute. Es gebe immer noch die Erwartung an Pfarrfamilien und Pfarrer, Vorbilder sein zu müssen, meint Fitschen und ergänzte: "Nur weiß niemand wofür." Das Pfarrhaus werde so zur Projektionsfläche in einer Welt, in der längst mehrere unterschiedliche Lebensformen nebeneinander existierten.

Das Deutsche Historische Museum in Berlin zeigt ab 25. Oktober unter dem Titel "Leben nach Luther" eine Ausstellung zur Kulturgeschichte des evangelischen Pfarrhauses. Fitschen hat sich unter dem Titel "Pastors Kinder. Wie Pfarrhäuser die Gesellschaft prägen" mit der Geschichte des deutschen Pfarrhauses beschäftigt.

Buch: Klaus Fitschen, Pastors Kinder. Wie Pfarrhäuser die Gesellschaft prägen, Hänssler Verlag,  205 Seiten, 29,95 Euro.