Brautschleier mit 14: Mädchenschicksale in Mosambik

Mädchenschicksale in Mosambik

Foto: epd-bild/Ulrich Doering

Minderjährige Mütter sind in Mosambik keine Seltenheit. Weltweit wird jede dritte Frau bereits als Minderjährige verheiratet.

Brautschleier mit 14: Mädchenschicksale in Mosambik
Zum Weltkindertag: Viele Mädchen in Asien und Afrika werden als Teenager verheiratet, entgegen internationalen Konventionen. Wie die heute 18-jährige Delfina Domingos in Mosabamik kommen die meisten aus ärmsten Verhältnissen.

Delfina Domingos denkt angestrengt nach. Dann schüttelt sie den Kopf. An einen Tag unbeschwerter Kindheit kann sie sich nicht erinnern. Wortlos setzt die zierliche 18-Jährige einen gusseisernen Topf mit Maisbrei auf die Feuerstelle, fegt den Hof, weicht die Wäsche ein, danach schuftet sie auf dem Feld. Ihre acht Monate alte Tochter schlummert friedlich in einem bunten Tuch auf ihrem Rücken.

Die junge Mutter lebt in einem Dorf bei Chokwe, einer ländlichen Region im südostafrikanischen Mosambik. Die Ruinen von Farmhäusern portugiesischer Großgrundbesitzer erinnern an die Kolonialzeit, Einschusslöcher an den Bürgerkrieg. Die meisten Familien wohnen in ärmlichen, mit Gras gedeckten Hütten, ohne Strom, fließend Wasser oder Toilette. Das Leben folgt der traditionellen Rollenverteilung: Jungen werden zur Schule geschickt, Mädchen früh verheiratet. 

Delfina war elf, als ihre Eltern starben. Mit 14 wollten ihre Großeltern sie zur Hochzeit mit einem wesentlich älteren Mann zwingen, den sie noch nie gesehen hatte. Auch der Priester der Gemeinde machte Druck. "Als ich mich weigerte, haben sie mich zu Hause rausgeschmissen", sagt Delfina leise, den Blick auf ihre nackten Füße gerichtet. Ausgestoßen und einsam flüchtete sie sich mit 16 mit einem anderen Mann doch in die Ehe.

Aber ihre Hoffnung auf ein besseres, selbst bestimmtes Leben erfüllte sich nicht. Sie brach die Schule ab und wurde schwanger. Ihr Mann arbeitete im Nachbarland Südafrika, seit Monaten hatte sie nichts mehr von ihm gehört, ihre Schwiegereltern schikanierten sie. In ihrer Not kam sie nun bei ihrem Bruder unter. Dort muss sie hart arbeiten, um bleiben zu dürfen.

Ihr größter Wunsch: ein ganz normales Leben

Viele Mädchen in Mosambik teilen Delfinas Schicksal. Mehr als die Hälfte von ihnen wird verheiratet, bevor sie volljährig ist, jede fünfte sogar vor ihrem 15. Geburtstag. "Vor allem in den verarmten ländlichen Provinzen ist das kulturell akzeptiert", sagt Bettina Maas, Repräsentantin des UN-Bevölkerungsfonds in Mosambik. Wenn ein Mädchen die Initiationsriten der Pubertät vollzogen habe, werde sie als heiratsfähige Frau angesehen. Dabei sind Hochzeiten vor dem 16. Lebensjahr eigentlich verboten. Das Gesetz müsse bekannter gemacht werden, sagt Maas. Außerdem müssten Schulen, Kliniken, Kirchen und Dorfälteste mit ins Boot geholt werden.

In Ländern wie Äthiopien oder Bangladesch hat das UN-Kinderhilfswerk UNICEF bereits gute Erfahrungen mit einer Kombination aus verbesserten Gesetzen, Aufklärungskampagnen und der Unterstützung ländlicher Gemeinden gemacht. Doch das Bewusstsein wächst nur sehr langsam, die Statistiken bleiben alarmierend: Weltweit wird jede dritte junge Frau bereits als Minderjährige verheiratet, jede neunte vor ihrem 15. Geburtstag.

Die meisten dieser Mädchen leben in Südasien und Afrika. Wie Delfina wachsen sie in ärmlichen Verhältnissen auf dem Land auf und können froh sein, wenn sie ein paar Jahre zur Grundschule gehen dürfen. Mangelnde Bildung, Armut, kulturelle und religiöse Überzeugungen gehören zu den Hauptursachen für Kinder-Ehen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO werden weltweit täglich etwa 39.000 Mädchen verheiratet.

Viele Eltern wollen durch eine frühe Ehe die Zukunft ihrer Töchter absichern, andere wollen sie möglichst schnell loswerden. Viele Mädchen werden bereits als Teenager schwanger, doch da ihr Körper noch nicht voll entwickelt ist, kann das lebensgefährliche Komplikationen nach sich ziehen.

Dieses Schicksal ist Delfina Domingos erspart geblieben, sie hat ihr Baby gesund zur Welt gebracht. Was sie sich für sich und ihre Tochter wünscht? Die 18-Jährige zuckt mit den Schultern, denkt eine ganze Weile nach, bevor sie antwortet. Sie würde gern wieder zur Schule gehen, ein ganz normales Leben führen. "Ich bete dafür, nicht noch härtere Schicksalsschläge hinnehmen zu müssen. Ich wünsche mir, dass Gott mein Leben ändert."

aus dem chrismonshop

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