Experten: Wahlprogramme sind für viele Menschen völlig unverständlich

Experten: Wahlprogramme sind für viele Menschen völlig unverständlich
Wenige Tage vor der Bundestagswahl sehen Experten große Mängel bei der politischen Information von Menschen mit geistiger Behinderung.

"Nur sechs der zugelassenen Parteien haben sich überhaupt die Mühe gemacht, ihr Wahlprogramm in eine leichte, verständliche Sprache übersetzen zu lassen", sagte Andrea Tischner, Leiterin eines Kassler Übersetzungsbüros, am Montag dem Evangelischen Pressedienst (epd).

"Beim Lesen der Wahlprogramme in einer Sprache, die alle verstehen können, haben wir vor allem bei den Unionsparteien und der FDP eklatante Mängel festgestellt", sagte Tischner, deren Büro auch für Bundesministerien arbeitet und Mitglied im Netzwerk Leichte Sprache ist. "Überzeugt haben nur SPD, Grüne und Piraten."

Besonders fehlende Bilder und Grafiken seien der Grund, warum CDU und CSU beim Wahlprogramm-Test von Tischner und ihren Mitarbeitern mit Lernschwierigkeiten nicht gut abgeschnitten haben. Einen noch schlechteren Eindruck hinterließ laut Tischner die FDP. Dort seien die Grundregeln der Gliederung und Übersichtlichkeit auch im Schriftbild nicht eingehalten worden, sagte Tischner. Zudem würden schwierige Wörter wie "Barrierefreiheit" nicht erläutert. "Das ist keine Leichte Sprache", betonte Tischner.

Damit ein Text auch für Menschen mit Lernschwierigkeiten verständlich ist, seien viele Absätze, ein klares Schriftbild sowie eine gute Gliederung Grundvoraussetzungen, erklärte Tischner die Regeln der Leichten Sprache. "Dann ist die Hürde optisch schon einmal genommen." Komplizierte Passagen sollten mit Beispielen aus dem Alltag untermauert werden, sagte Tischner. "Besonders wichtig sind auch Bilder - sie helfen den Menschen beim Textverständnis", fügte die Expertin hinzu.

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