TV-Tipp des Tages: "Weissensee" (ARD)

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TV-Tipp des Tages: "Weissensee" (ARD)
TV-Tipp des Tages: "Weissensee", 17. September, 20.15 Uhr im Ersten
Martin ist überzeugt, dass Julia vom Westen freigekauft worden ist, er hat Post von ihr aus Hamburg bekommen, und will fliehen. Die Wahrheit ist allerdings ungleich düsterer: Julia vegetiert im berüchtigten Frauengefängnis Hoheneck vor sich hin.

Mit "Weissensee" ist die ARD vor drei Jahren endlich mal wieder ein echtes Wagnis eingegangen. Eine Serie über das Leben in der DDR Anfang der Achtziger, und dann auch noch auf dem Sendeplatz dienstags um 20.15 Uhr, wo das Publikum leichte Ware wie "Um Himmels Willen" erartet: Das war mutig und wurde zum Glück auch belohnt. Die "Qualität im Populären", wie sie der frühere ZDF-Fernsehspielchef Hans Janke stets gefordert hat, gelingt ja gerade bei Serien nicht unbedingt regelmäßig; "Weissensee" von Annette Hess (Buch) und Friedemann Fromm (Regie) aber war öffentlich-rechtliches Fernsehen von seiner besten Seite und wurde 2011 völlig zu Recht mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet, Jörg Hartmann erhielt für seine Verkörperung eines durch und durch skrupellosen Stasi-Offiziers den Preis als bester Hauptdarsteller.

Romeo und Julia

Nun zeigt die ARD endlich die vorab bereits auf DVD veröffentlichte Fortsetzung. Das Personal ist zunächst das gleiche: Hans Kupfer (Uwe Kockisch) ist Generalmajor des Ministeriums für Staatssicherheit und überzeugter Kommunist; er verkörpert das Ideal des Sozialismus. Sein Sohn Falk (Hartmann) ist der Gegenentwurf, ein Karrierist, der über Leichen gehen würde. Zentrale Figuren von Staffel eins waren jedoch Romeo und Julia: Falks Bruder Martin (Florian Lukas) ist völlig aus der Art seiner Familie geschlagen. Seine Freundin heißt tatsächlich Julia (Hannah Herzsprung) und ist die Tochter der Sängerin und Regimekritikerin Dunja Hausmann, der Martins Vater immer noch zugetan ist.

Staffel eins endete zwar offen, aber dennoch mit der Gewissheit, dass dem jungen Liebespaar keine rosige Zukunft beschieden ist; die Stasi war ihm längst auf den Fersen. Die Fortsetzung beginnt 1987: Martin ist überzeugt, dass Julia vom Westen freigekauft worden ist, er hat Post von ihr aus Hamburg bekommen, und will fliehen. Die Wahrheit ist allerdings ungleich düsterer: Julia vegetiert im berüchtigten Frauengefängnis Hoheneck vor sich hin und hat das gemeinsame Baby verloren. Um ihrer Tochter zu helfen, lässt sich Dunja auf einen Pakt mit dem Teufel ein. Falk dagegen muss ausgerechnet Martin um Hilfe bitten: Sein Sohn, ein begabter Turner, schwebt nach der Einnahme von Dopingsubstanzen in  Lebensgefahr und braucht dringend eine Spenderniere.

In den späteren Episoden wird sich Falks Frau (Anna Loos) in einen Pfarrer (Ronald Zehrfeld) verlieben, der sich in der Oppositionsbewegung engagiert, und die Seiten wechseln.

Von Annette Hess stammt diesmal nur die Idee, die Drehbücher hat weitgehend Regisseur Fromm ("Die Wölfe") geschrieben, doch am qualitativen Standard hat sich nichts geändert: Die Handlung ist von großer emotionaler Komplexität, die Darsteller exzellent und die Ausstattung (erneut Frank Godt) von größtmöglicher Authentizität.