TV-Tipp des Tages: "Wilsberg: Gegen den Strom"

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TV-Tipp des Tages: "Wilsberg: Gegen den Strom"
TV-Tipp des Tages: "Wilsberg: Gegen den Strom", 31. August, 20.15 Uhr im Zweiten
Irgendwo vor den Toren der Stadt hat Ekki das Haus einer Großtante geerbt. Das Haus ist ziemlich heruntergekommen, und die Leiche, die er und Wilsberg finden, trägt nicht dazu bei, die Stimmung zu heben

Das Titelwortspiel mag weder subtil noch wahnsinnig originell sein, aber einen gewissen Witz hat es doch: "Gegen den Strom" ist bewusst doppeldeutig, denn im Mittelpunkt der Geschichte steht ein Mann, der sich gegen den örtlichen Energielieferanten wehrt. Damit ist jetzt allerdings Schluss, denn der Mann ist tot, und somit scheint der Weg für die Kraftwerke Münster frei. Aber zum Glück gibt es da ja noch diesen zerknautschen Privatdetektiv, der eigentlich ein Antiquariat führt und noch eigentlicher Jurist ist; und weil sein bester Freund Ekki als Steuerfahnder fürs Finanzamt arbeitet, öffnen sich den beiden Türen, die ausgerechnet Ekkis Chef lieber geschlossen sähe, denn mit dem mächtigen Energieunternehmen will er sich eigentlich nicht anlegen.

Die Erbschaft

Wie beinahe immer in den "Wilsberg"-Krimis ergibt sich der Kriminalfall erst über einen Umweg, denn die Geschichte beginnt mit einer Erbschaft: Irgendwo vor den Toren der Stadt hat Ekki (Oliver Korittke) das Haus einer Großtante geerbt. Als Kind hat er in dem Ort regelmäßig die Ferien verbracht, aber die Gefühle, mit denen er an diese Zeit zurückdenkt, sind durchaus gemischter Natur. Das Haus ist ohnehin ziemlich heruntergekommen, und die Leiche, die er und Wilsberg (Leonard Lansink) finden, trägt nicht dazu bei, die Stimmung zu heben; zumal Nachbarin Ulla (Eva Löbau) die beiden am Tatort überrascht, sie prompt für die Mörder hält und umgehend die Polizei alarmiert. Spätestens mit dem Auftauchen des Dorfsheriffs (Rolf Kanies) nimmt der Krimi dann die gewohnt skurrilen Züge an, zumal Regisseur Michael Schneider die Handlung mehr und mehr mit Western-Elementen ergänzt.

Seit 15 Jahren verkörpert Lansink den unkonventionellen Privatdetektiv nun schon, 38 Filme sind bereits entstanden, und jedes Mal aufs Neue überraschen sie durch eine Mischung aus bewährten Elementen und neuen Einfällen. Zu den liebgewonnenen Gewohnheiten gehört naturgemäß das Personal, dem die Autoren (diesmal neben dem regelmäßigen Autor Ecki Ziedrich auch Kyana el Bitar und Matthias Keilich) immer wieder Gelegenheiten für Alleingänge geben.

Der Chuck Norris von Münster

Für die schönsten Auftritte dieser Art sorgt immer wieder Roland Jankowsky als Chuck Norris von Münster, der mit bewundernswert stoischer Miene auch diesmal wieder dem obligaten Fettnäpfchen entsteigt. Ähnlich wie Ekki ist der verhinderte Superbulle überzeugt, dass Oliver Brandstetter (Godehard Giese) in den Fall verwickelt ist. Der junge Mann ist der Regionalmanager der Kraftwerke und konnte eigentlich kein Interesse daran haben, dass der Tote dem Energiekonzern zu Lebzeiten mit einer eigenen Biogasanlage Konkurrenz machte. Dem cleveren Ekki aber ist natürlich klar, dass es bei Strom immer auch um Kohle geht; und dass der raue Wind, der durch die westfälische Provinz fegt, bares Geld sein kann.

Außerdem hat er mit Oliver noch eine Rechnung offen: Dessen Vater ist schon seit einigen Jahrzehnten Ortspolizist, und der kleine Oliver hat dem kleinen Ekki immer die eigenen Untaten in die Schuhe geschoben.

Neben den liebevoll entworfenen Figuren, allen die von Eva Löbau ganz wunderbar verkörperte hinkende Nachbarin, erfreut "Gegen den Strom" auch mit diversen amüsanten Inszenierungselementen, wenn Jankowsky wieder mal für eine Slapstick-Einlage sorgt oder wenn sich Schneider schamlos beim Horrorfilm bedient, um ein bisschen Schrecken zu verbreiten.