Aktion Mensch: Wählen ist für Behinderte mit viel Aufwand verbunden

Aktion Mensch: Wählen ist für Behinderte mit viel Aufwand verbunden
Fünf Wochen vor der Bundestagswahl hat die Aktion Mensch mehr barrierefreie Wahllokale für Behinderte gefordert.
19.08.2013
epd
Luise Poschmann

Viele Probleme, vor denen Menschen mit Behinderung bei einer Wahl stehen, könnten schon mit einfachen Mitteln gelöst werden, sagte Ulrike Jansen, Projektleiterin "Wahllokal-Test" der Aktion Mensch, dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Eine mobile Rampe für Rollstuhlfahrer, Piktogramme an den Wahlkabinen oder Schablonen für Blinde seien ohne große Umstände zu organisieren und würden häufig auch nicht viel Geld kosten. "Einige blinde Menschen haben noch nie alleine geheim gewählt - dabei ist das ein Grundrecht", kritisierte Jansen. Rund sieben Millionen Schwerbehinderte sind laut Aktion Mensch zur Bundestagswahl wahlberechtigt.

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Am Montag (19. August) startet Aktion Mensch seinen bundesweiten "Wahllokal-Test" in Berlin. Unterstützt wird die Organisation dabei von dem Schlagersänger und Diplompädagogen Guildo Horn, der sich schon seit mehreren Jahren für die Rechte von Menschen mit Behinderung einsetzt. Wahllokale sollen in den kommenden Tagen auch in Hamburg, Kassel, Köln und München getestet werden.

Die Probleme entstünden oft schon bei der Wahlbenachrichtigung, sagte Jansen weiter. Diese sei weder in Blindenschrift noch in leichter Sprache verfasst, häufig müsse aktiv in den Gemeindeverwaltungen nachgefragt werden, wo das nächste barrierefreie Wahllokal ist.

Doch selbst dann seien noch nicht alle Hindernisse beseitigt: "Wenn der Rollstuhlfahrer bis ans andere Ende der Stadt muss, um zu seinem Wahllokal zu kommen, ist das auch schwierig." Besonders blinden Menschen würde es oft schwerfallen, sich außerhalb der gewohnten Umgebung zu orientieren, sagte Jansen.

"Eine Wahl ist für Menschen mit Behinderung immer mit viel Aufwand verbunden, dabei fällt oft schon der Alltag schwer." Politik und Verwaltung forderte Jansen auf, die Ziele der Inklusion konkret umzusetzen. "Die Belange von Menschen mit Behinderung müssen einfach immer von vornherein mitbedacht werden", sagte Jansen. "Sie sind genauso ein Teil dieser Gesellschaft und haben auch ein Wahlrecht."