Von Genf nach Brüssel: Europas Kirchen bündeln ihre Kräfte

Vollversammlung der KEK in Budapest

Foto: epd-bild/Peter Kenny

Für die Delegierten war die Vollversammlung der Konferenz Europäischer Kirchen eine Marathon-Tagung. Die Sitzung drohte mehrmals am dem Streitfragen zu scheitern.

Von Genf nach Brüssel: Europas Kirchen bündeln ihre Kräfte
Bei ihrer Vollversammlung hat die Konferenz Europäischer Kirchen sich eine neue Struktur gegeben: kleinere Gremien, eine Quote für die Orthodoxen und ein Umzug von Genf nach Brüssel.

In einer Reflexion über die Rolle der evangelischen Kirchen auf der europäischen Bühne zeigte 2003 der damalige Vizepräsident im Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Hermann Barth, zwei Wege auf: "Es könnte die Zeit kommen, in der man eine Wahl treffen muss: in den vorhandenen Strukturen weitermachen und die abnehmenden Mittel im bisherigen Maßstab auf mehrere Institutionen verteilen oder aber Prioritäten setzen und die Ressourcen bündeln."

Zehn Jahre später hat sich die Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) für eine Bündelung der Kräfte entscheiden und keine Angst vor der Erneuerung von Strukturen gezeigt. Auf der Vollversammlung in Budapest, die am Montag zu Ende ging, beschlossen die Delegierten eine neue Verfassung, die eine Reform des Kirchenbundes an Haupt und Gliedern darstellt: straffere Strukturen, kleinere Gremien und ein klar umrissener Auftrag: "den europäischen Kirchen zu helfen, ihr spirituelles Leben zu verbreiten, ihr gemeinsames Zeugnis und ihren Dienst zu stärken und die Einheit der Kirche und den Frieden in der Welt zu fördern".

Dass die Kirchengemeinschaft auf der europäischen Bühne damit wieder wirksamer Gehör findet, ist ein Hauptmotiv der Reform. Denn die älteste europäische Struktur nicht-katholischer Kirchen hatte bei der Gründung 1959 die Aufgabe, in einem ideologisch und machtpolitisch gespaltenen Europa Brücken über die Grenzen hinweg zu bauen und friedenstiftende Maßnahmen zu fördern. Doch die veränderte politische Landschaft und die europäische Krise stellen die Kirchen vor andere Herausforderungen.

Orthodoxe bekommen eine Vertretungsquote

Bei der Verfassungsdebatte habe die Existenz der Konferenz Europäischer Kirchen auf dem Spiel gestanden, findet der evangelische Auslandsbischof Martin Schindehütte. Als der Umbau zu scheitern und die Verfassungsreform zu verwässern drohte, war er es, der am Wochenende die Notbremse zog. In einer geschlossenen Beratung auf Schindehüttes Initiative konnte der notwendige Konsens über die künftige Ausrichtung erreicht werden.

Auf der Kippe stand das Budapester Kirchentreffen ebenfalls, als Vertreter aus orthodoxen Kirchen in einer streckenweise emotional geführten Debatte mit dem Auszug drohten. Sie fühlten sich an den Rand gedrängt, nachdem in den Beratungen ein Verweis auf die orthodoxe Kirchenfamilie gestrichen worden war. Doch die Versammlung reagierte auf die Sorgen der orthodoxen Delegierten. In der neuen Verfassung wird den orthodoxen Mitgliedskirchen eine Quote von 25 Prozent in den Gremien zugesichert. 

Von den 20 Mitgliedern des in Budapest gewählten neuen Leitungsgremiums gehören sogar 30 Prozent zur orthodoxen Familie. Ohne Quote bringen es Frauen auf 40, Jugend auf 15 und Laien auf 30 Prozent. Der in Verfassung festgelegte Anspruch fairer Repräsentation nach Alter, Geschlecht und Konfession scheint eingelöst.

Weg von Genf, auf nach Brüssel

Zu den sichtbarsten Folgen der Reform gehört, dass die Konferenz Europäischer Kirchen ihren Hauptsitz nach Brüssel verlegt, wo die europäische Musik im wesentlichen spielt. Für den Ökumene-Standort in der Schweiz bedeutet dies abermals einen Aderlass, der allerdings mehr symbolischer Natur ist als von zahlenmäßigem Gewicht. Denn vor der KEK, deren Genfer Zentrale in den vergangenen Jahren schon stark geschrumpft war, hatte bereits die Weltgemeinschaft der Reformierten Kirchen beschlossen, Genf den Rücken zu kehren und nach Hannover zu ziehen. In Genf bleiben der Weltkirchenrat und der Lutherische Weltbund.

Für den Umzug des reformierten Dachverbandes wie auch für die Reform der KEK gab es jeweils erhebliche Unterstützung aus der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Schon auf der Vollversammlung in Lyon 2009 war EKD-Auslandsbischof Schindehütte einer der Wortführer der "Reformkräfte". In die Arbeitsgruppe, die Vorschläge für eine neue Verfassung ausarbeitete, schickte die EKD ausgewiesene Experten. Auch stimmte die EKD ihr Vorgehen mit anderen Großkirchen und den Orthodoxen ab. Bei den kleinen Kirchen fand dies nicht immer Beifall.

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