Pro Bono - Ehrenamt in der Arbeitszeit

Grafikdesignerin

Foto: Slavenko Vukasovic/iStockphoto/Thinkstock

Pro Bono - Ehrenamt in der Arbeitszeit
Gegenseitige Hilfe von Unternehmen und gemeinnützigen Organisationen
Wenn Firmen kostenlos für gemeinnützige Organisationen arbeiten, ist das gut für ihr Image und auch für die Motivation der Mitarbeiter. In Deutschland breiten sich derartige Kooperationen aus - doch es kann auch schiefgehen.

Das Prinzip ist simpel: Der Förderverein einer Musikschule will seine Website neu gestalten, um mehr Spender zu gewinnen. Doch einen guten Webdesigner zu beauftragen, ist teuer - und das Geld würde der Verein lieber in eine neue Geige investieren.

Ein Designbüro erfährt von dem Problem und übernimmt die Umgestaltung kostenlos: Die Mitarbeiter haben das Gefühl, in ihrer Arbeitszeit etwas Gutes zu tun, und auf der Website des Designbüros macht sich das gesellschaftliche Engagement auch gut.

Das Prinzip heißt Pro Bono. Im Unterschied zum Ehrenamt verpflichten sich Arbeitnehmer dabei nicht dauerhaft, eine Initiative zu unterstützen. Sie setzen ihre beruflichen Fähigkeiten in befristeten Projekten ein - idealerweise mit Unterstützung ihres Arbeitgebers und während der Arbeitszeit.

Projekte in Deutschland bisher noch sehr zufällig

In den USA hat das eine lange Tradition: In der Werbebranche und unter Anwälten gehört gesellschaftliches Engagement seit über 50 Jahren zum guten Ton. Und in der Kampagne "Billion + Change" haben sich 500 Unternehmen, darunter Microsoft und Hewlett-Packard, verpflichtet, vermehrt pro bono tätig zu werden.

Auch bei einigen deutschen Unternehmen gebe es Ehrenamtsbörsen, Ehrenamtstage oder Pro-Bono-Projekte, sagt Armin Piálek von der BMW-Stiftung Herbert Quandt, der versucht, das Konzept in Deutschland bekannter zu machen. "Aber dass Pro-Bono-Projekte zustande kommen, ist noch sehr zufällig, und die Projekte gehen auch mal schief." Denn dass ein Unternehmen einer gemeinnützigen Organisation helfen will, ist noch kein Garant für Erfolg. Oft sagen Organisationen: Wir brauchen jemanden, der uns beim Fundraising hilft. Später zeigt sich aber zum Beispiel, dass die Aussagen auf der Website wenig eindeutig ist - das schreckt natürlich potenzielle Spender ab." Was fehlt, glaubt Piálek, ist ein Vermittler, der vorher schaut: Wo genau braucht die Organisation Hilfe? Wie kann das in einem konkreten Projekt umgesetzt werden? Und wer kann am besten helfen?

Agenturen bisher meist klein und ehrenamtlich geführt

Agenturen wie "Kompetenzen verbinden" oder "Talentspender" übernehmen die Vermittlung bereits. Sie seien aber meist klein und ehrenamtlich geführt, sagt Claudia Leißner, eine der Gründerinnen der "Talentspender". "So ändert man im Großen nichts." Die 28-Jährige will deshalb Vollzeit in den Pro-Bono-Markt einsteigen. Gerade ist sie dabei, eine Agentur zu gründen, die im großen Stil ein Pro-Bono-Netzwerk aufbauen soll. Dabei wird sie unter anderem von der BMW-Stiftung unterstützt.

Die Bertelsmann Stiftung hat ein anderes Modell: Sie bringt Unternehmen und gemeinnützige Organisationen bei sogenannten Marktplätzen zusammen, wo sie gegenseitige Kooperationen vereinbaren können: Ein IT-Unternehmen veranstaltet für ein Hilfswerk einen Internetkurs. Dafür bekommen die Mitarbeiter des IT-Unternehmens einen Erste-Hilfekurs.

Am weitesten ist Pro Bono unter Anwälten verbreitet. "Vor allem kleine Kanzleien bringen sich ein", sagt Julia von Seltmann, Geschäftsführerin der Bundesrechtsanwaltskammer. Sie beraten etwa Hilfswerke beim Aufsetzen von Verträgen für ein Entwicklungshilfeprojekt. Ein paar internationale Großkanzleien nutzten ihre Pro-Bono-Tätigkeit vor allem zu Werbezwecken.

Bei Unternehmen fehlt viel Know-How für Pro Bono

Bei Wirtschaftsunternehmen ist Pro Bono noch wenig etabliert. "Es fehlt viel Know-How", sagt Piálek von der BMW-Stiftung. Auch BMW biete seinen Mitarbeitern noch keine Möglichkeit, sich pro bono zu engagieren. "Wir setzen uns aber stark dafür ein und gehen davon aus, dass es in der Zukunft bei BMW Pro Bono geben wird", sagt Piálek.

Unternehmen können mit dem gesellschaftlichen Engagement nicht nur ihr Image aufpolieren, sondern auch ihre Mitarbeiter binden, glaubt er. "Arbeitnehmer kommen aus solchen Projekten motivierter zurück." Claudia Leißner glaubt, dass Pro Bono auch ein Vorteil im Wettbewerb um die besten Fachkräfte sein kann. "Mein Traum ist, dass es irgendwann bei Einstellungsgesprächen ganz normal ist, zu fragen: Wie kann ich mich hier engagieren?" Dass die Frage nach Pro Bono einmal so selbstverständlich ist, wie heute die Frage nach dem Gehalt.

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