40 Kilometer langer Hochwasser-Scheitel

Das Pretziener Wehr in Sachsen-Anhalt

Foto: dpa/Jens Wolf

Das Pretziener Wehr (Sachsen-Anhalt) entlastet die Städte Magdeburg und Schönebeck.

40 Kilometer langer Hochwasser-Scheitel
Die verheerende Flutkatastrophe hinterlässt in Ostdeutschland eine Schneise der Verwüstung. Besonders dramatisch entwickelte sich die Lage am Sonntag im Norden Sachsen-Anhalts, aber auch in Teilen Brandenburgs.

Die sachsen-anhaltische Landeshauptstadt Magdeburg erlebte die schlimmste Elbe-Flut ihrer 1.200-jährigen Geschichte. Zehntausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen. In der zurückliegenden Woche waren bereits in Halle an der Saale die höchsten Wasserstände seit rund 400 Jahren gemessen worden.

In Magdeburg stemmten sich die Menschen auch am Sonntag weiter mit verzweifelter Kraft gegen die größten Wassermassen in der Geschichte ihrer Stadt. Nach Angaben der Landeshochwasserzentrale hatte der Elbe-Scheitel am Sonntag eine Länge von rund 40 Kilometern erreicht. Das entspricht der Entfernung zwischen Magdeburg und der Lutherstadt Wittenberg. Diese enormen Wassermassen sorgen für tagelange Wasserhöchststände. Am Vormittag zeigte die Pegelstation im Magdeburger Stadtgebiet 7,46 Meter an, am Nachmittag waren es 7,44 Meter. Bei der Flut vom August 2002 stand der Rekord-Pegel bei 6,72 Meter, der Normalwert beträgt knapp 2 Meter.

Bereits in der Nacht zum Sonntag hatte die Stadtverwaltung den Ortsteil Rothensee geräumt, zu dem neben einer 2.800 Einwohner zählenden Siedlung auch ein Industriegebiet mit Hafen und ein großes Umspannwerk gehört. Am Sonntag stellten die Verkehrsbetriebe eine weitere Straßenbahnlinie in Richtung Osten aus Sicherheitsgründen ein, weil eine Brücke durch die Wassermassen beschädigt ist.

Am Nachmittag forderte die Stadtverwaltung mehrere Zehntausend Einwohner am Ostufer der Elbe auf, ihre Wohnungen zu verlassen. Auch im Norden Magdeburgs wurden die noch verbliebenen Einwohner von sieben Orten aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Bereits am Samstag waren in dem Gebiet rund 10.000 Menschen evakuiert worden.

Zunahme der Wasserstände bis Dienstag

Am Morgen war zudem ein Damm an der Saale im Gebiet der Mündung des Flusses in die Elbe gebrochen. Der Krisenstab des Landes informierte über ein Bekennerschreiben, in dem angekündigt worden sei, Dämme und Deich auch in Sachsen-Anhalt zu beschädigen, um bundesweit Menschen zu gefährden. Das Schreiben werde ernst genommen, hieß es.

Da sich die Wassermassen weiter stromabwärts bewegen, spitzte sich die Lage auch an der Elbe im Nordwesten Brandenburgs dramatisch zu. In der Prignitz stiegen die Pegel binnen 24 Stunden um 60 Zentimeter. Viele Menschen in den südlichen Stadtteilen von Wittenberge wurden aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. Gerechnet wird inzwischen mit einer Zunahme der Wasserstände bis Dienstag.

Zur Entlastung sollten am frühen Nachmittag die Havelpolder gezogen werden. Etliche Tiere dort wurden in Sicherheit gebracht. Behindert wurde die Arbeit zwischenzeitlich von Schaulustigen, denen Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke (SPD) einen Polizeieinsatz androhte. Auch in Mühlberg galt weiter Katastrophenalarm. Wann die Einwohner dort in ihre Stadt zurückkehren können, war weiter unklar.

 

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