Lutherpreis für Wirte-Initiative gegen Neonazis

Lutherpreis für Wirte-Initiative gegen Neonazis
Die bayerische Gastwirte-Initiative "Keine Bedienung für Nazis" ist am Samstag in Eisleben mit dem Lutherpreis "Das unerschrockene Wort" ausgezeichnet worden.

Überreicht wurde der mit 10.000 Euro dotierte Preis von Oberbürgermeisterin Jutta Fischer (SPD) bei einem Festakt in der Taufkirche von Martin Luther. Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) sagte, die Preisträger hätten durch ihre Initiative ein couragiertes Zeichen gegen rechtsextremistisches Denken und unterschwellige Fremdenfeindlichkeit im Alltag gesetzt.

Sie könnten jedem Bürger Vorbild sein, sich ebenso mutig Rechtsextremismus entgegenzustellen, betonte Stahlknecht in einem Grußwort. Wie einst bei Luther erfordere es Beharrungsvermögen und Mut, sich öffentlich gegen Rechtsextremisten zu stellen, wohl wissend, deren Widerstand ausgesetzt zu sein. Zu wünschen sei, dass das unerschrockene Handeln der Initiatoren anderswo "Schule macht". Wenn es dann noch gelinge, dadurch einzelne Bürger zu motivieren, Rechtsextremismus entschieden entgegenzutreten, wäre dies ein weiterer Gewinn für Toleranz und Mitmenschlichkeit in Deutschland.

Nach einem Überfall gegründet

Die Gastwirte-Initiative war 2010 nach einem Überfall von Neonazis auf ein Café in Regensburg gestartet worden. Zuvor hatte der Barkeeper des Cafés eine schwarze Frau und ihr Kind vor rassistischen Angreifern verteidigt. Inzwischen beteiligen sich an der Kampagne rund 170 gastronomische Betriebe. Mit dem Preis ehrt der Bund der 16 deutschen Lutherstädte alle zwei Jahre Persönlichkeiten und Initiativen, die im Sinne Luthers Zivilcourage gezeigt haben. Die nächste Preisverleihung findet 2015 in Wittenberg statt.

Bei der Kandidatensuche kam es 2012 zu einem heftigen Streit in Politik, Kirche und Gesellschaft, weil die Stadt Wittenberg die russische Punkband Pussy Riot vorgeschlagen hatte. Die Musikerinnen hatten in der Moskauer Erlöserkirche die Verbindung von orthodoxer Kirche und Staat in Russland und Präsident Wladimir Putin kritisiert und waren dafür zu Haftstrafen verurteilt wurden. Die Wittenberger Nominierung fand dann aber in der Jurysitzung im November keine Mehrheit.

Luther-Rap aufgeführt

Zum Auftakt der Preisverleihung führten Schüler des Eislebener Luther-Gymnasiums einen Luther-Rap auf, der bei Projekttagen zu dem Reformator erarbeitet wurde. Die Laudatio auf den Preisträger hielt der Professor für Neue Geschichte aus Marburg, Eckart Conze. Eisleben ist Geburts- und Sterbeort von Martin Luther (1483-1546). Der spätere Reformator wurde am 11. November 1483, einen Tag nach seiner Geburt, in der Petri-Pauli-Kirche getauft.

Meldungen

Top Meldung
Annette Kurschus, Präses der evangelischen Kirche in Westfalen zum Thema Singen in Gottesdiensten in Corona-Zeiten.
Wegen der Corona-Pandemie sollte in Gottesdiensten derzeit auf das Singen verzichtet werden. Dass das schmerzt, versteht die westfälische Präses Annette Kurschus nur zu gut. Denn Singen und Beten hingen eng miteinander zusammen.