Kölns "Tunnelgräberin und Lichtbringerin" im Ruhestand

Kölner Dombaumeisterin geht in Ruhestand

Foto: epd-bild/Jörn Neumann

Barbara Schock-Werner vor dem Kölner Dom: "An mir kam fachlich niemand so schnell vorbei"

Kölns "Tunnelgräberin und Lichtbringerin" im Ruhestand
Sie war nach mehr als 750 Jahren die erste Frau im Amt des Kölner Dombaumeisters, jetzt geht Barbara Schock-Werner nach 13 Jahren in Ruhestand. Sie brachte nicht nur neues Licht in den weltbekannten Sakralbau.

Wer ihr folgen will, muss gut zu Fuß sein. Ob quer über den Roncalliplatz oder eben mal auf einen Sockelvorsprung des Kölner Doms - Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner ist mit Tempo unterwegs.

In den 13 Jahren ihrer Amtszeit hat sie viel bewegt an der gotischen Dauerbaustelle und am UNESCO-Weltkulturerbe im Herzen der Stadt. An diesem Freitag geht die Architektin, Kunsthistorikerin, Denkmalpflegerin und Hochschullehrerin in den Ruhestand.

Der Durchbruch durch das Fundament unterhalb der Südfassade ist eines ihrer zahlreichen Projekte. "Das ist mein Tunnel", sagt Schock-Werner stolz und glücklich. Seit 2008 ermöglicht er Besuchern einen direkten Zugang zur Turmbesteigung. Und durch den neu angelegten äußeren Treppenabgang aus hellem Sandstein verschwand ein "Schandfleck" aus Toilettenkeller und Betonbüdchen.

Ausdauernd, hartnäckig und fleißig

Dass Schock-Werner dicke Mauern bohren kann, dürfte ihrer Ausdauer und Hartnäckigkeit zu verdanken sein. "Sechs Jahre Verhandlung zwischen städtischer Verwaltung und Dombauverwaltung, das war für beide Seiten nicht einfach", sagte sie. "Doch jetzt ist es sehr schön."

Und während die Dombaumeisterin mit großem Schlüsselbund in der Hand an Touristen vorbeisteuert, erinnert sie sich an ihren Fleiß in ihren Lieblingsschulfächern Mathe, Kunst und Geschichte. "Sonst müsste ich jetzt in so einem blöden Kostüm da stehen", lacht sie angesichts der als Römer und Engel verkleideten Pantomimen im Schatten der Kathedrale.

Die Vielseitigkeit ihrer Ausbildung war es, die Schock-Werner, geboren 1947 in Ludwigsburg, 1999 nach Köln an den Dom brachte: Lehre als Bauzeichnerin, Architektur-Studium in Stuttgart, Architektentätigkeit mit Schwerpunkt Denkmalschutz, Studium der Kunstgeschichte und Geschichte in Stuttgart und Wien, Dissertation über das Straßburger Münster, Ernennung zur Honorarprofessorin, Lehrtätigkeit in Nürnberg.

"An mir kam fachlich niemand so schnell vorbei", erinnert sich Schock-Werner an die Zeit, als die Wahl des Kölner Domkapitels auf sie fiel. Auch wenn es damals angeblich 32 Mitbewerber gegeben haben soll. Dass sie nach 751 Jahren die erste Frau in diesem Amt ist, lässt sie eher unbeeindruckt. Das habe sie davor bewahrt, ständig mit ihrem hoch angesehenen Vorgänger Arnold Wolff verglichen zu werden, winkt sie ab. "Als Frau das Amt zu übernehmen, war für mich eher eine Hilfe."

Kostbare Fenster vor dem Krieg gerettet

Die Rückkehr der farbigen Obergadenfenster aus dem 19. Jahrhundert in die Querhäuser ist - neben der Restaurierung des figurenreichen Agilolphus-Altars des 15. Jahrhunderts - ein weiterer Höhepunkt ihrer Amtszeit. Zum Glück sei ein Teil der Fenster im Zweiten Weltkrieg in Kisten gerettet worden. Sie leuchten nun wieder anstelle der Nachkriegsscheiben, die nach Worten der Dombaumeisterin den Charme von Resopalplatten ausstrahlten.

"Neues Licht im Dom" beschreibt Schock-Werner ihr Engagement für die Fenster und spricht von ihrem Lieblingsprojekt. In diesem Zusammenhang sei auch der Einbau des modernen Künstlerfensters von Gerhard Richter am Ende des südlichen Querhauses zu sehen. Seit 2007 sorgt das abstrakte Fenster aus farbigen Quadraten für Lichtspiele in der Vierung.

Gesammeltes Wissen weitergeben

Ihrem Ruhestand schaut die Dombaumeisterin gelassen entgegen. Sie, die bislang einen jährlichen Etat von 6,5 Millionen Euro verwaltete und für rund 80 Mitarbeiter in Verwaltung und Dombauhütte verantwortlich war, will sich verstärkt ihren zahlreichen Ehrenämtern in der Denkmalpflege widmen und ein Beratungsbüro gründen. "Ich habe so viel Wissen angesammelt." Vermissen werde sie allerdings die Begegnungen mit den vielen unterschiedlichen Menschen "vom promovierten Kunsthistoriker bis zum Bauhelfer" sowie den guten Kontakt zu den Handwerkern.

Den Dom, den sie weiterhin von ihrer Wohnung aus im Blick haben wird, weiß sie in erfahrenen Händen. Ihr Nachfolger Michael Hauck, vormals Dombaumeister in Passau, ist seit einem halben Jahr ihr Stellvertreter. "Ich werde mich nicht einmischen", verspricht Schock-Werner.