Zu einem Es kann man nicht Du sagen!

Kommentar

Illustration: evangelisch.de/Simone Sass

Zu einem Es kann man nicht Du sagen!
Eine theologische Kurznotiz zum Geschlecht Gottes
Familienministerin Kristina Schröder würde ihren Kindern Gott auch als "das liebe Gott" statt "der liebe Gott" nahebringen, sagt sie im Interview mit der "Zeit". Das geht nicht, meint Pastor Frank Muchlinsky: Gott muss zwar kein Geschlecht haben, ist aber auf keinen Fall ein Neutrum. Denn mit einem Ding kann man nicht reden. Mit Gott aber schon.

Wie sollen wir uns Gott vorstellen? Als alten Mann mit langem Bart à la Sixtinische Kapelle? Nein, sagen sich viele gläubige Christinnen und Christen. Das wird unserem Gottesbild nicht gerecht: Gott ist nicht männlich, das schränkt ihn zu sehr ein. Aber es ist nun einmal so, dass unsere Gesellschaft dem Geschlecht einer Person einen sehr hohen Stellenwert beimisst. Dabei lassen wir Gott nicht außen vor.

Nun schaltet sich auch die Bundesfamilienministerin in diese schon lange währende Diskussion ein. Sie macht einen Vorschlag, der ihr einiges an Schelte aus den eigenen Reihen einbringt. Kristina Schröder schlägt einen neutralen Gott vor, "das" Gott gehe auch, meint sie. Diese Idee ist bestechend simpel; liegt doch "das" Kind zu Weihnachten in der Krippe. Theologisch führt ihre Idee allerdings in die Irre. Wenn Gott ein Neutrum ist, ist er keine Person, dann ist es ein Ding. Dinge aber sind kein Gegenüber, mit dem wir reden könnten.

Unser Gott ist ansprechbar

Viel wichtiger als die Frage, ob Gott ein Geschlecht hat, ist die Aussage, dass wir uns an sie wenden können, dass wir eine Beziehung zu ihr haben. Wenn ich Gott als einen wichtigen Teil meines Lebens erfahren will, brauche ich die Vorstellung einer Person. Ministerin Schröder bereitet mit ihrem kleinen Vorschlag einer Vorstellung von Gott Bahn, die uns christlichen Gläubigen nicht gefallen kann. "Das" Gott ist ein waberndes, esoterisches Etwas, vielleicht eine Kraft, ein Gedanke oder eine Energie, die man "irgendwie" erfährt. Mag sein, dass das in der Tat Schröders Vorstellung von Gott ist. Dann ist ihr Vorschlag zumindest folgerichtig. Für den Gott des Christentums ist sie einfach falsch, denn unser Gott ist ansprechbar, handelt, hört, spricht.

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Das Problem hinter der Frage nach Gottes Geschlecht ist, dass wir Gottes Attribute gemeinhin mal dem einen, mal dem anderen Geschlecht zuordnen. Das "väterlich" Strenge ordnen wir gern der männlichen Seite Gottes zu, das "mütterlich" Bewahrende eben der weiblichen. Gott wird gern von unserem Familienbild gefangengenommen. So ist im Grunde nicht unser Gottesbild das, worüber wir uns Gedanken machen müssen, sondern unser Geschlechterbild.

Warum muss es denn so sein: Was Leben hervorbringt, ist weiblich, was kriegerisch daherkommt, muss ein Mann sein? Viele Streitigkeiten über das Geschlecht Gottes müssten nicht sein, wenn wir selbst nicht das Geschlecht zum ersten Maßstab unseres Menschseins machen würden. "Was ist es denn?" sollte nicht die erste Frage sein, wenn ein Kind geboren wird, dann würden wir auch Gott nicht in eine Geschlechterrolle drängen müssen.

Ministerin Schröder ist zu wünschen, dass sie einen anderen Weg findet, ihrem Kind deutlich zu machen, dass Gott mehr ist als Mann oder Frau. Ihr Versuch, das Notausgang zu nehmen, funktioniert nicht, wenn sie möchte, dass ihr Nachwuchs auch eine Beziehung zu Gott entwickeln kann.