Kampf den Traummonstern

Mann liegt im Bett und bekämpft Schatten-Drache mit Schwert.

Foto: kallejipp/photocase

Alpträume und Schlafstörungen können einen schonmal um den Schlaf bringen: Dabei gibt es Mental-Techniken zur Überwindung dieser Probleme.

Kampf den Traummonstern
Wenn der Körper am tiefsten schläft, ist das Gehirn aktiv. Therapeuten wollen mit der Praxis des Klarträumens bei der Überwindung von Schlafstörungen helfen.

"Ich spielte in der Küche Basketball gegen zwei hünenhafte Gestalten, dann merkte ich plötzlich, dass etwas nicht stimmt", erinnert sich der Sportwissenschaftler Daniel Erlacher: "Man spielt in der Küche nicht Basketball. Schon gar nicht gegen zwei Riesen. Das musste ein Traum sein. Durch diese Erkenntnis war es mir möglich, den Traum bewusst zu lenken", fügt der Autor ("Anleitung zum Klarträumen") hinzu. Dann öffnete er das Fenster und begann zu fliegen.

In der Fachwelt sind solche nächtlichen Erfahrungen als luzide Träume oder Klarträume bekannt. "Ein Klartraum ist ein Traum, in dem man weiß, dass man träumt. Ein Klartraum ist zugleich ein Traum, in dem man handlungsfähig ist, also das Traumgeschehen durch eigenen Willen gestalten und positiv verändern kann", erklärt die Psychologin Brigitte Holzinger, die das Wiener Institut für Bewusstseins- und Traumforschung leitet. 

Techniken erfordern Ausdauer

Jeder Mensch kann es lernen, jede Nacht eine Traumreise anzutreten, ist sich Erlacher sicher: "Wer in seinen Träumen weiß, dass er gerade träumt, der ist Alice im Wunderland." Erlacher: "Wenn wir träumen, verstrickt uns der Supercomputer in unserem Kopf in grenzenlose Abenteuer - in einer perfekt simulierten Traumwelt."

Dafür gibt es verschiedene Techniken. Alle klingen relativ einfach, fordern jedoch oft Ausdauer. Man solle Geduld mitbringen, räumen die Experten ein. "Schlafen Sie mit dem Gedanken ein: Ich werde einen Klartraum erleben", rät Erlacher. Empfohlen wird auch, ein Traumtagebuch zu führen, um sich der eigenen Traumwelt zu nähern. Eine sehr effektive Technik ist Holzinger zufolge die Hypnose, die auch mit CDs praktiziert werden kann.

Doch was nach großem Spaß klingt, skurril oder vielleicht sogar unglaubhaft erscheint, hat einen ernsthaften therapeutischen Hintergrund: "Der luzide Traum als Therapieform bietet sich bei der Behandlung von Alpträumen geradezu an", erklärt Brigitte Holzinger: Aus einem Alptraum wacht man ja vor Aufregung, Angst, Ärger oder aus anderen unangenehmen Gründen auf. Der Klartraum verbinde dagegen tiefste Entspannung und höchste Konzentration.

Ein Happy End für den Traum finden

Und wie behandelt man die "Traumonster"? "Suchen Sie sich einen ihrer Alpträume aus, nicht den schrecklichsten, sondern einen milderen", ermutigt Holzinger: "Schreiben Sie diesen Traum so detailreich wie möglich auf. Und dann versuchen sie, ein anderes, ein Happy End, für diesen Traum zu finden." Aufgabe des Träumers ist es nun, sich diesen neuen Traum möglichst genau einzuprägen und sich an diesen vor dem Einschlafen, oder wenn man in der Nacht aufwacht, zu erinnern.

Wenn man im Traum den Traum erkennt, nehme man dem Alptraum meist schon einen Teil seines Schreckens. Je nach Belieben könne dann der Klarträumer den Alptraum in weiteren Schritten verändern und so im Lauf der Zeit bewältigen. "Freuen Sie sich darauf, dass ihre Träume ihre Schrecken verlieren", wirbt die promovierte Psychologin Holzinger für diese Praxis. 

"Bemerkenswerter Zustand"

Luzides Träumen ist keine Einbildung, sondern ein "bemerkenswerter Zustand", ist sich Allan J. Hobson sicher, früherer Professor an der Harvard Medical School und einer der weltweit führenden Schlaf- und Traumforscher. Es sei empirisch erwiesen, dass luzide Träumer weniger negative und mehr positive Emotionen erlebten. Daher können Klarträume Hobson zufolge eine wirksame Technik gegen Alpträume sein - besser als eine pharmakologische Behandlung und einer "monate- oder jahrelangen Psychotherapie vorzuziehen". Hobson: "Der Träumende sagt zur Furcht: 'Hör mal, das ist mein Traum. Hau ab und lass ihn mich genießen.'"

Die Psychotherapeutin Holzinger räumt allerdings ein: Zwar habe das Klarträumen "ein unglaubliches therapeutisches Potenzial", aber diese Technik müsse angeleitet werden. "Es besteht sonst die Gefahr eines Realitätsverlustes bei Personen, die nicht so sehr an die Realität angebunden sind, die Persönlichkeitsstörungen oder destruktive Anteile haben." Holzinger: "Wenn es gut gemacht wird, sollte eine klarträumende Person mit der Realität besser fertig werden."

Literaturhinweise:
Brigitte Holzinger: Der luzide Traum - Phänomenologie und Physiologie, WUV-Universitätsverlag, Wien 1997 Brigitte Holzinger: Anleitung zum Klarträumen, Klett-Cotta, Stuttgart 2007

Daniel Erlacher, Anleitung zum Klarträumen - Die nächtliche Traumwelt selbst gestalten, Books on Demand, Norderstedt 2010

Allan J. Hobson: Das Optimierte Gehirn - wie wir unser Bewusstsein reparieren, manipulieren, ruinieren. Klett-Cotta, Stuttgart 2010

Stephen LaBerge & Howard Rheingold: Exploring the World  of Lucid Dreaming, Ballantine Books, New York 1990

Janine Girzig: Luzides Träumen und seine Bedeutung für die seelische Gesundheit,  Books on Demand, Norderstedt 2010