"Geht hin und predigt ... auch in die Netzwerke"

iStockphoto
Bibel und Computermaus: Ist die Aufbereitung kirchlicher Themen in den neuen Medien eine "Mission impossible"?
"Geht hin und predigt ... auch in die Netzwerke"
Soll die Kirche Social Media benutzen - und wenn ja, wie? Auf einer Tagung von Medienexperten und Öffentlichkeitsreferenten in Schwerte ging es um Chancen und Risiken von Facebook und Co für die Kirche.

Der Medienreferent der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Michael Brinkmann, fordert mehr Regulierung für soziale Netzwerke im Internet. Social Media sei nicht nur ein freier Markt, der neue Kommunikationsmöglichkeiten eröffne, sagte Brinkmann am Dienstagabend auf einer Fachtagung in Schwerte. "Facebook ist ein Geschäftsmodell, die wollen Geld verdienen."

Das Netzwerk habe inzwischen in Deutschland 23 Millionen Nutzer, erläuterte der Medienexperte und fügte hinzu: "Welcher Massenkonsumentenmarkt ist so regulierungsfrei?" Gefragt werden müsse nach Transparenzrichtlinien, der Rolle des Staates und einer "juristischen Würdigung von Social Media", sagte Brinkmann vor Vertretern kirchlicher Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Eine "Selbstregulierung" reiche nicht aus. Die Kirche sollte die sozialen Netzwerke wirtschafts- und medienethisch reflektieren und sie auch als Bildungsauftrag begreifen, indem über Chancen und Risiken informiert werde.

Als positives Beispiel medienethischer Einmischung nannte Brinkmann die Warnung des EKD-Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider vor einer rasanten Ausbreitung von Empörung über soziale Netzwerke. Damit habe der rheinische Präses offenbar einen Nerv getroffen. Hintergrund war, dass nach dem Mord an der elfjährigen Lena in Emden mit Hetz-Kampagnen im Internet Unschuldige verdächtigt wurden.

"Geht hin und predigt ...  auch in die Netzwerke"

Brinkmann sieht für die Kirchen auch Chancen in Netzwerken wie Facebook und dem Kurznachrichtendienst Twitter, etwa für Seelsorge und Verkündigung. Auch für den Theologischen Vizepräsidenten der westfälischen Landeskirche, Albert Henz, führt daran kein Weg vorbei. Die Kirche müsse sich den Kommunikationsformen der jungen Generation stellen, betonte der Theologe. "Früher hat man gesagt: Geht hin und predigt von den Dächern. Heute wird man sagen müssen: Ihr müsst auch in die Netzwerke."

Allerdings müsse die Kommunikation dort authentisch, auf Augenhöhe und weitgehend zweckfrei erfolgen, betonte Henz. Es gehe darum, viel zuzuhören. Für wichtiger als rechtliche Grenzen für Social Media hält Henz Bewusstseinsbildung und die Förderung von Qualitätsjournalismus. Junge Leute gingen häufig sehr verantwortungsvoll mit den Möglichkeiten im Internet um und machten nicht alles mit, sagte der Publizistikdezernent der Evangelischen Kirche von Westfalen.

Henz plädierte in der Diskussion für neue Prioritäten in der kirchlichen Medienarbeit. Derzeit werde viel veröffentlicht, "das eigentlich nur die Hochverbundenen interessiert". Hier könnten durch Umschichtungen Ressourcen frei werden, um neue Schwerpunkte zu setzen und stärker nach außen zu wirken.