Syriens Opposition mit neuen Gesichtern

Al-Khatib elected leader of Syrian opposition

Foto: Reuters/Mohammed Dabbous

Moas al-Chatib ist der neue Führer der syrischen Opposition.

Syriens Opposition mit neuen Gesichtern
Ein moderater Imam und Ingenieur ist das neue Gesicht der syrischen Opposition: Ahmad Moas al-Chatib. An seiner Seite steht eine Frauenrechtlerin. Doch auch die Muslim-Brüder haben weiter Einfluss. Die neue Anti-Assad-Koalition bleibt zerstritten.

Nach tagelangem Verhandeln in einem Luxushotel im Wüstenemirat Katar präsentiert Syriens Opposition neue Gesichter: Der muslimische Geistliche Scheich Ahmad Moas al-Chatib übernimmt den Vorsitz der neu formierten "Syrischen Nationalen Koalition". Der frühere Imam der über tausend Jahre alten Umajjad-Moschee in Damaskus gilt als moderate Kraft innerhalb der Widerstands gegen Präsident Baschar al-Assad. Seine beiden Stellvertreter sind die Frauenrechtlerin Suhair al-Atassi und Oppositionspolitiker Riad Seif.

Hunderte Politiker und Kommandanten der Widerstandsbewegung hatten über eine Woche lang hinter verschlossenen Türen in Doha, der Hauptstadt Katars, beraten, um sich neu zu organisieren und eine einheitliche Front zu bilden. Der umstrittene Syrische Nationalrat (SNC), die bisher wichtigste politische Vertretung der Opposition, wurde nun durch die "Syrische Nationale Koalition" unter Vorsitz von al-Chatib abgelöst.

Besonders die USA hatten Druck auf die Rebellen ausgeübt, um ein neues politisches Forum zu schaffen, das die zersplitterte Opposition besser vereinen kann. Ziel ist, den Einfluss radikal-islamischer Kräfte auf die Widerstandsbewegung zu verringern.

Muslimbrüder sind weiter vertreten

Der bisher als politisches Forum dienende SNC war stark von der fundamentalistischen Muslim-Bruderschaft kontrolliert gewesen. Die stark sunnitisch geprägte Bewegung findet nur wenig Anklang beim Großteil der syrischen Bevölkerung - besonders bei den religiösen Minderheiten wie den Christen und Alawiten.

Doch auch innerhalb der neu formierten Syrischen Nationalen Koalition wird der Einfluss der Bruderschaft weiter deutlich spürbar sein: Nach einer in Doha erreichten Übereinkunft stellt die Vorgänger-Gruppe SNC immerhin noch 22 von 60 Sitzen im neu geschaffenen Gremium der Opposition.

Viele Hoffnungen ruhen auf dem neuen Präsidenten Chatib: Der 52-jährige Prediger war im Juli nach Kairo geflohen, nachdem er wegen seiner Kritik an Syriens Präsident Baschar al-Assad mehrmals inhaftiert worden war. Der islamische Geistliche, der auch Geophysik studiert hat und als Ingenieur arbeitete, soll das neue Aushängeschild der zerstrittenen Opposition werden.

Mit einer Frau an der Spitze

Chatib rief unmittelbar nach seiner Wahl die Soldaten in Syrien zum Desertieren auf. An die verschiedenen Religionsgruppen im Land appellierte er, sich zu verbünden. "Wir fordern Freiheit für alle Sunniten, Alawiten, Schiiten, Christen, Drusen... und Rechte für alle Teile des brüderlichen syrischen Volkes", zitierte ihn der arabische TV-Sender Al Dschasira.

Die Delegierten in Doha wählten zudem die syrische Aktivistin und Bloggerin Suhair Atassi an die Spitze. Auch Atassi war im März 2011 kurzzeitig in Haft genommen worden, nachdem sie Demonstrationen und Sit-ins gegen Präsident Assad organisiert hatte. Sie stammt aus einer angesehenen Politikerfamilie in Damaskus und ist mit dem früheren syrischen Präsidenten Nureddin Atassi verwandt, der 1970 in einem Staatsstreich von seinem damaligen Verteidigungsminister Hafis al-Assad gestürzt wurde. Hafis al-Assad, Vater des heutigen Machthabers Baschar al-Assad, wurde Präsident und regierte bis zu seinem Tod im Jahr 2000 diktatorisch.

Neben Atassi fungiert auch der 66-jährige Geschäftsmann Riad Seif als Vizepräsident der neuen Nationalen Koalition. Seif war auf dem Treffen in Doha federführend gewesen und hatte den Plan für eine Umgestaltung der politischen Opposition durchgesetzt. Er gilt Berichten zufolge als Wunschkandidat der USA für den Vorsitz einer möglichen syrischen Übergangsregierung.

Ob die Oppositionskoalition hält, ist offen

Nur einer geschlossenen und international akzeptablen Opposition dürfte es gelingen, offiziell Hilfs- und Waffenlieferungen aus dem Westen zu bekommen, der sich bislang abwartend verhält. Allerdings bestehen Zweifel, ob die neue, in Katar geschmiedete Koalition die unterschiedlichen religiösen, politischen und ideologischen Strömungen innerhalb der Widerstandsbewegung gegen Assad vereinigen kann.

In dem seit über 19 Monate andauernden Konflikt sind bislang über 30.000 Menschen getötet worden. Der Großteil der Assad-Gegner sind sunnitische Muslime. Assad und die Mehrheit der Regierung und des Militärs sind hingegen Alawiten, eine Untergruppe muslimischer Schiiten, die jedoch eine Minderheit in Syrien sind. Etwa zwei Millionen der 20 Millionen Syrer sind Christen.